Weniger «Faust» an Schulen und auf Bühnen in Deutschland

Der Deutsche Bühnenverein registriert ein geringeres Interesse an Goethes «Faust» - und auch in der Schule verliert das Werk an Bedeutung. Nur in wenigen Bundesländern ist es heute noch Pflichtlektüre, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben hat. In Bayern muss es im neuen Schuljahr zum zweitletzten Mal verpflichtend im Deutsch-Leistungskurs gelesen werden.
Die von Reclam verlegten Ausgabe von Faust. © picture alliance / dpa/Franziska Kraufmann/Archivbild

Nur zwei Neuinszenierungen des großen Dramas sind laut Bühnenverein in der kommenden Spielzeit an deutschen Bühnen geplant. «Das ist auffällig wenig», sagt eine Sprecherin des Vereins in Köln der Deutschen Presse-Agentur. Schon in der Spielzeit 2020/21 war der «Faust I» den Angaben zufolge «erstmals seit vielen Jahren nicht mehr an erster Stelle als meistinszeniertes Drama».

In Bayern beginnt im September das vorletzte Schuljahr, in dem «Faust I» von Johann Wolfgang von Goethe noch als Pflichtlektüre auf dem Lehrplan steht.

Ab dem Schuljahr 2024/25 muss das Drama, das als eines der bedeutendsten und meistzitierten Werke der deutschen Literatur gilt, an bayerischen Gymnasien nicht mehr gelesen werden. Damit endet ein fast ein halbes Jahrhundert dauernde Phase, in der «Faust I» verpflichtende Lektüre war, wenn auch über fast drei Jahrzehnte hinweg nur für Deutsch-Leistungskurse.

Wie eine dpa-Umfrage unter den Kultusministerien der Länder ergab, ist es inzwischen eher die Ausnahme als die Regel, wenn der «Faust» am Gymnasium noch unbedingt gelesen werden muss.

Zu diesen Ausnahmen gehören Hessen, das Saarland sowie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, wo das Werk schon in der 10. Klasse drankommt.

Man sehe die Bedeutung des Werkes als Kulturgut als so hoch an, dass auch die Schülerinnen und Schüler der Oberschulen es kennen sollten, nicht nur die Gymnasiasten, sagt ein Sprecher des sächsischen Kultusministeriums.

In Niedersachsen ist es schon mindestens 40 Jahre lang keine Pflicht, die Geschichte über Doktor Faust, seinen teuflischen Begleiter Mephisto und sein Gretchen gelesen zu haben.

Der Berliner Germanist Michael Jaeger, der das Buch «Goethes "Faust": Das Drama der Moderne» geschrieben hat, kann die bayerische Entscheidung nicht verstehen: «Ausgerechnet der "Faust" eignet sich ja besonders gut, die Themen von damals in die heutige Zeit zu übertragen. Da haben sie bestimmt den falschen Text gestrichen», sagt er der dpa.

© dpa
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