Kultusministerium: Unklar, wie viele Lehrer fehlen

Corona-Ausfälle und Tausende zusätzliche Schüler aus der Ukraine: Das kommende Schuljahr wird in Bayern eine Herausforderung. Und ob dafür genügend Lehrer da sind, ist noch unklar.
Eine Lehrerin schreibt in einer Schule an die Tafel. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Knapp drei Wochen vor dem Ende der Sommerferien weiß das bayerische Kultusministerium noch nicht, wie viele Lehrer zu Beginn des Schuljahres möglicherweise fehlen. «Belastbare Angaben, wie sich die Unterrichtsversorgung zu Beginn des Schuljahres darstellen wird, sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich», sagte ein Ministeriumssprecher in München.

Denn bis zum Schuljahresbeginn gebe es «erfahrungsgemäß noch viele Veränderungen» wie Erkrankungen und Schwangerschaften bei Lehrkräften oder zusätzlichen Personalbedarf «durch weiteren Zuzug von Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine». Das neue Schuljahr beginnt in Bayern am 13. September.

Derzeit laufe «die Personalplanung und Personalgewinnung hierfür auf Hochtouren», sagte der Sprecher und betonte: «Bayern steht insgesamt, was die Versorgung mit Personal betrifft, im bundesweiten Vergleich immer noch gut da.»

Zum vergangenen Schuljahr seien mehr als 4600 Lehrkräfte eingestellt worden, 1000 von ihnen auf neu geschaffenen Planstellen. Erstmals wurde nach Ministeriumsangaben die Grenze von 100.000 beim Freistaat unbefristet beschäftigten Lehrkräften überschritten. «Es gab noch nie so viele Lehrkräfte in Bayern wie heute», sagte der Sprecher.

Die Personalplanung für das kommende Schuljahr sei aber «von besonderen Herausforderungen geprägt»: Wegen der Corona-Pandemie müsse mit Ausfällen gerechnet werden. Im vergangenen Schuljahr seien beispielsweise knapp 3000 Schwangere ausgefallen, weil sie wegen des Infektionsrisikos nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden durften.

Außerdem rechnet das Kultusministerium für das kommende Jahr mit rund 30.000 zusätzlichen Schülerinnen und Schülern aus der Ukraine. Um diese zu unterrichten seien kurzfristig 1620 «Vollzeitkapazitäten» geschaffen worden - das bedeutet: neue Stellen, Aushilfslehrer oder Anpassung von Teilzeitarbeit. Der Lehrermarkt sei aber bundesweit «angespannt». Darum müssten möglicherweise «Wahl- und Neigungsangebote» eingeschränkt werden.

Weil der Lehrerbedarf vor allem an Mittel- und Förderschulen herrsche, setzt Bayern dort inzwischen auch auf Quereinsteiger: Akademiker, die nach einem zweijährigen Vorbereitungsdienst einen Lehramtsabschluss bekommen und an der jeweiligen Schulform unterrichten können.

An Gymnasien wird es den Angaben zufolge in den kommenden Jahren vor allem in den Fächern Physik, Informatik und Kunst knapp. Zu diesem September und zum Februar 2023 sollen darum Bewerber mit Masterabschluss oder Diplom in den entsprechenden Fachrichtungen zum zweijährigen Vorbereitungsdienst zugelassen werden. Rund 60 Quereinsteiger nehmen nach Ministeriumsangaben voraussichtlich ab September an der Sondermaßnahme teil.

Die Grünen kritisierten die Staatsregierung scharf. «Nur zweieinhalb Wochen sind es noch bis Schulbeginn. Aber das Kultusministerium bekommt sein Chaos einfach nicht in den Griff», sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Max Deisenhofer. «Dass noch immer unklar ist, wie viele Lehrer fehlen, ist eine Hiobsbotschaft.»

Er forderte einen Notfallplan, um zu verhindern, dass Unterrichtsstunden gestrichen werden. «Wenn Stellen nicht besetzt werden können, dann müssen die Schulen das dafür vorgesehene Geld eben direkt bekommen», verlangte Deisenhofer. So gäbe es Raum für kreative Lösungen, welche die Lehrkräfte entlasten und bei den Schülern zugleich soziales Lernen und Projektlernen fördern - etwa durch Kooperationen mit externen Partnern wie etwa Vereinen. Einfach Unterrichtsstunden zu kappen, zeuge nicht von Weitsicht.

© dpa
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