Nach Zugunglück: Strecke im September wieder fahrbereit

Nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen mit fünf Toten will die Bahn die Strecke bis zum Herbst reparieren. Den ganzen Sommer fuhren dort keine Züge - und auch andernorts gab es Behinderungen. Der Bahnchef für Bayern entschuldigt sich.
Der entgleiste Zug wird geborgen. © Angelika Warmuth/dpa

Mehr als ein Vierteljahr nach dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen mit fünf Toten sollen im September wieder Züge auf der Strecke rollen. Nach derzeitigem Stand könnten die Bahnen zu Schuljahresbeginn in Bayern am 13. September größtenteils wieder stabil über die Hauptstrecke von München über Garmisch-Partenkirchen bis Mittenwald fahren, teilte die Deutsche Bahn am Dienstag mit.

Die Bahn wolle in Kürze mit den Reparaturarbeiten beginnen. Rund um die Unfallstelle müssen unter anderem rund 700 Meter Schiene und 500 Schwellen erneuert werden. Zudem sind neue Oberleitungen und Masten nötig.

Die Staatsanwaltschaft München II hatte am Dienstag die Unfallstelle vollständig freigeben. Die Untersuchungen vor Ort seien zunächst abgeschlossen, sagte die Sprecherin der Anklagebehörde, Andrea Grape.

Zuletzt hatten immer wieder Langsamfahrstrecken und Streckensperrungen unter anderem wegen der Überprüfung von Betonschwellen den Verkehr behindert. «Die Qualität im Werdenfelsnetz war zuletzt nicht akzeptabel und entspricht in keiner Weise unseren eigenen Ansprüchen», räumte der Konzernbevollmächtigte der DB in Bayern, Klaus-Dieter Josel, ein. «Dafür entschuldigen wir uns bei den Fahrgästen, denen wir in vielen Fällen leider kein gutes Fahrangebot machen konnten.» Die Bahn werde deshalb zusätzlich zu den notwendigen Reparaturarbeiten ein umfangreiches Investitionsprogramm starten.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) begrüßte die Ankündigungen der Bahn. «Es ist eine gute Nachricht, dass es nun zumindest für die Hauptstrecke von München nach Garmisch eine Perspektive gibt. Die Bahn muss nun dafür sorgen, dass das Angebot tatsächlich stabil und zuverlässig ist und dafür genügend Kapazitäten bereitstellen. Aber klar ist auch, dass die Bahn das Werdenfelsnetz insgesamt dringend grundlegend sanieren muss.»

Die Untersuchungen zur Unglücksursache laufen noch. Jedoch vermuten Experten Schäden am Gleiskörper als zumindest einen Faktor. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt weiter gegen vier Bahn-Mitarbeiter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Als eine Konsequenz aus dem Unglück hatte die Bahn im Juli die Prüfung von rund 200.000 Betonschwellen im gesamten deutschen Streckennetz begonnen. Diese Sonderinspektion, aber auch hitzebedingte Materialschäden, die ad hoc repariert werden mussten, hätten zu Verzögerungen im Bahnverkehr geführt, erläuterte die Bahn. Daher werde der Schienenersatzverkehr auf mehreren Strecken im Süden beibehalten. Das betreffe die Strecke Garmisch-Partenkirchen - Pfronten-Steinach, Murnau - Garmisch-Partenkirchen - Mittenwald, Murnau - Oberammergau und Seeshaupt - Kochel. Das Fahrplankonzept gelte vorerst bis Mitte September.

Nach dem Zugunglück gab es von vielen Seiten Kritik an der Bahn und am Schienennetz. Kommunalpolitiker aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen hatten erst vergangene Woche den baulichen und technischen Zustand der Werdenfelsbahn «eine Katastrophe» genannt. Der Schienersatzverkehr an der Unfallstelle sei chaotisch und wegen vieler Leerfahrten «ein ökologischer Wahnsinn», schrieben die Bürgermeister und Landrat Anton Speer (Freie Wähler) weiter an die Bahn. Die Kommunikation der Bahn sei so gut wie nicht vorhanden - und eine Verkehrswende im Landkreis so nicht erreichbar.

Der Regionalzug von Garmisch-Partenkirchen nach München war am 3. Juni entgleist. Vier Frauen und ein 14-Jähriger aus der Region starben. 16 Menschen wurden schwer verletzt, etwa 50 leicht.

© dpa
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