Schau zeigt künstlerischen Aufbruch im 15. Jahrhundert

05.04.2022 Filigrane Strukturen, feine Gesichtszüge, leuchtende Farben - das Mittelalter brachte viele glanzvolle Kunstwerke hervor. Das Germanische Nationalmuseum beleuchtet die Hintergründe.

Das Bildwerk mit dem Martyrium eines heiligen Bischofs steht in einer Ausstellung in Nürnberg. © Daniel Karmann/dpa

Das Mittelalter verbinden viele mit den Kreuzzügen, der Pest, mangelnder Hygiene und Unterdrückung. Doch das Mittelalter brachte viele Innovationen hervor - auch in der Kunst, wie eine Ausstellung ab Donnerstag im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zeigt. Anhand von 25 Gemälden und Skulpturen veranschaulicht sie nicht nur die herausragende Kunstfertigkeit des 15. Jahrhunderts. «Es ist wie ein Blick hinter die Kulissen», sagt Kurator Benno Baumbauer.

Die Mittelalter-Dauerausstellung in Deutschlands größtem kulturhistorischen Museum ist zurzeit geschlossen, weil die Räume saniert werden. Die aktuelle Ausstellung soll nun einen Eindruck vermitteln, wie die neu konzipierte Mittelalterhalle nach der Wiederöffnung 2024 aussehen soll - und fragt die Besucherinnen und Besucher am Ende gezielt nach ihren Meinungen und Wünschen.

Zu sehen ist aktuell nur ein Bruchteil einer der nach Museumsangaben international bedeutendsten Sammlungen des 15. Jahrhunderts. Gut organisierte Werkstätten schufen damals kostbare Reliquienbüsten, leuchtende Glasfenster und große Flügelaltäre, an denen unterschiedliche Gewerke wie Bildschnitzer, Maler oder Vergolder beteiligt waren. Buchdruck und Druckgrafik ermöglichten erstmals die Produktion in großer Stückzahl.

In gut vernetzten Handelsstädten wie Nürnberg, Augsburg oder Ulm entstanden Kunstzentren, die Kunstwerke zum Teile viele Hundert Kilometer weit exportierten. Im Laufe der Jahrhunderte seien die raumgreifenden Altäre jedoch zerlegt worden, erläuterte Baumbauer. Die Ausstellung zeigt, wie die Skulpturen und Tafelbilder heute über verschiedene Orte verstreut sind und in Museen einzeln in Szene gesetzt werden, so dass man sie heute nicht mehr als zusammenhängend wahrnimmt.

© dpa

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