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Aufwendig und teuer: Predigtstuhlbahn wird saniert

Nach fast 100 Jahren bekommt die Predigtstuhlbahn bei Bad Reichenhall neue Kabinen. Es ist eine Millioneninvestition an der laut Betreiber ältesten Großkabinenseilbahn der Welt. Lohnt sich das?
Predigtstuhlbahn
Die Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall wurde 1928 gebaut. © Kilian Pfeiffer/dpa

Sie steht unter Denkmalschutz und ist laut Betreiber die älteste im Original erhaltene ganzjährig verkehrende Großkabinenseilbahn der Welt: die Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall, erbaut 1928. Nach knapp 100 Jahren müssen nun die Laufwerke und die Kabinen erstmals ausgetauscht werden.

Eins-zu-eins werden sie in Italien und Österreich nachgebaut - für eine Millionensumme. Rentabel ist Reichenhalls privat betriebenes Wahrzeichen längst nicht mehr. «Da müssten wir die Fahrpreise verdoppeln», sagt Geschäftsführer Klaus Unterharnscheidt.

Dass die Predigtstuhlbahn, gelegentlich «Grande Dame der Alpen» genannt, noch fährt, dürfte vor allem an ihrem Eigentümer Max Aicher liegen. Bahn und Betrieb sind Teil seiner Stiftung. Der Bau- und Stahl-Unternehmer, der nächstes Jahr 90 Jahre alt wird, finanziert die Bahn aus Einnahmen anderer Geschäftszweige.

In den vergangenen vier Jahren sind die Fahrpreise gestiegen. Die Preise - derzeit 49 Euro für die Berg und Talfahrt - hatten schon zu Debatten geführt. «Personal, Technik, Energie: Alles ist teurer geworden», sagt Unterharnscheidt. «Wenn man kostendeckend arbeiten will, müssten wir den Preis verdoppeln. Das ist aber kaum möglich.» Gäste und Besucher gäben auch generell weniger aus.

Die Predigtstuhlbahn ist zudem in ihrer Kapazität limitiert. «Sechs Fahrten pro Stunde sind möglich. Das macht maximal 120 Personen.» Am benachbarten Jenner in Schönau am Königssee können theoretisch 1600 Personen stündlich auf den Berg befördert werden.

Seit Max Aicher die Bahn 2012 gekauft hat, sind mit Investitionen und Verlustausgleichen 20 Millionen Euro in die Bahn geflossen, die Gästen einen spektakulären Ausblick über die Salzstadt Bad Reichenhall bietet und ein Aushängeschild der Region ist. Zwar wirbt die Stadt mit der Bahn. Finanziell beteiligen wolle sich allerdings niemand. «Wir werden Gespräche führen müssen», sagt Unterharnscheidt.

Der Bahnbau vor 95 Jahren war eine technische Meisterleistung. Bis zu 800 Arbeiter waren am nur 14 Monate dauernden Bau beteiligt. Seit 17 Jahren steht die Bahn unter Denkmalschutz. Für das Marketing sei das «eine tolle Sache», doch Denkmalschutz verpflichte auch. Die Auflagen seien gewaltig. Bei Investitionen gebe es Zuschüsse, die aber die Mehrkosten nicht deckten. «Würden wir nicht querfinanziert, hätten wir schon längst schließen müssen», sagt Unterharnscheidt.

Rund 60.000 Besucher überwinden pro Jahr die 1100 Höhenmeter mit den beiden für je 21 Gäste zugelassenen Kabinen, die nun renoviert werden. In den vergangenen Jahren wurden zunächst die drei bis zu 32 Meter hohen Stützen für eine Millionensumme saniert. Im Frühsommer wurde der Gleichstrommotor überholt. «Wir mussten einen Ersatzmotor bauen lassen, weil am Ende das Original ja wieder rein muss», sagt Unterharnscheidt. Nun sei erstmals ein Motor übrig.

Die beiden Laufwerke, die auf dem Tragseil liegen und die Kabine halten, werden nun für rund eine Million Euro beim italienischen Seilbahnhersteller Leitner nachgebaut. Die beiden roten Kabinen sind bei der österreichischen Firma Carvatech in Auftrag gegeben. Um sie in die monatelange Sanierung zu geben, wurde eine Ersatzkabine gebaut. Um Ostern kommt das erste Original zurück, dann wird die zweite Kabine überarbeitet. Siebenstellig sind auch hier die Kosten.

Beendet sind die Arbeiten damit nicht. Auch die Antriebstechnik der Bergewagen soll auf den Prüfstand. Und über den Batterieraum am Berg, der bei einem Stromausfall Energie liefern soll, müssten die Verantwortlichen auch genauer drüberschauen, sagt Unterharnscheidt.

© dpa
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