Bad Staffelstein: «Herausragende» Ausgrabungen von Kelten

Vor mehr als 2000 Jahren stand in Oberfranken eine bedeutende Siedlung der Kelten. Archäologen haben etwas über ihre Verkehrsregeln und Architektur herausgefunden. Doch warum verbrannte die mächtige Toranlage?
Wolken ziehen über dem Staffelberg entlang. © Nicolas Armer/dpa/Archivbild

Bei den Kelten herrschte am Staffelberg in Oberfranken schon vor mehr als 2000 Jahren Rechtsverkehr. So lautet eine der Erkenntnisse, die Archäologen in den vergangenen Jahren durch Ausgrabungen an dem Berg bei Bad Staffelstein (Landkreis Lichtenfels) über die alte Kultur herausgefunden haben.

Zum Vorschein kamen Reste einer mächtigen Toranlage, die mit fünf Meter hohen Mauern sowie einem noch höheren Torhaus geschützt war und an der um die 30 Schädel Neuankömmlinge begrüßten. Am Samstag wurden die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege sprach von «herausragenden Ergebnissen».

Schon vor gut 7000 Jahren lebten auf dem spektakulären Staffelberg mit seinem Hochplateau Menschen, wie Archäologe Andreas Büttner vom Denkmalamt erklärt. Ungefähr zwischen 130 und 40 vor Christus stand dort die keltische Siedlung Menosgada - mit mehreren Tausend Einwohnern «sehr eindrucksvoll für diese Zeit.»

An einem Weg vermuteten die Archäologen das Westtor. 2018 und 2019 wurden die Reste ausgegraben, danach wurde die Anlage auch mithilfe virtueller 3D-Technik rekonstruiert. «Ein Zangentor», erklärt Büttner. Das Tor stand nach hinten versetzt, Angreifer hätten einige Meter auf einem sich verengenden Weg zwischen fünf Meter hohen Mauern überwinden müssen. Dort wären sie von den Verteidigern mit Speeren und Pfeilen in die Zange genommen worden.

Die teils komplizierte Bauweise zeige, dass man es nicht etwa mit «Barbaren», sondern mit sehr fundierter Kenntnis architektonischer Prinzipien zu tun habe, sagte der für die Ausgrabungen verantwortliche Archäologe Markus Schußmann. «Das ist mein persönliches berufliches Highlight. Ich glaube, ich komme nicht mehr in die Situation, so einen tollen Fund auszugraben.»

Gefunden wurden um die 30 Schädel, die außen angebracht waren. Der Schädelkult der Kelten sei bekannt, sagte Schußmann. So viele wie an dem Tor konnte man demnach aber noch nie auf einmal nachweisen. Ausgegraben wurden Mauerreste oder ein Fußabdruck, der wohl von einem keltischen Bauarbeiter stammt. Die Archäologen wiesen nach, dass der Weg bergauf gesehen nur auf der rechten Seite befestigt war, um Wagen Halt zu geben. Zumindest für den Torweg galt also Rechtsverkehr.

Den heutigen Wanderweg bezeichnet das Denkmalamt als älteste bekannte, noch genutzte, künstlich befestigte Straße in Bayern: Wie sich herausstellte, haben Wanderer heutzutage teils immer noch keltischen Schotter unter den Füßen.

Doch es bleiben Fragen offen: Wie endete die Stadt Menosgada? Fest steht, dass die Toranlage verbrannte. Laut Schußmann gibt es aber keine Hinweise auf einen Angriff oder dass die Bewohner unmittelbar aus dem Leben gerissen worden wären. «Man hat es offensichtlich geplant aufgegeben», sagt er. Die Bewohner selbst oder Metallsucher, die auf Material aus der Anlage aus waren, hätten es wohl angezündet.

Das Ende der Siedlung hat demnach wohl wirtschaftliche Gründe und fällt mit dem Niedergang der keltischen Kultur allgemein zusammen. Etwa zu der Zeit brach ihr Fernhandel zusammen. Gleichzeitig wanderten Germanen zu. Bald ist es schwierig, Funde klar als Germanisch oder Keltisch zu unterscheiden. Ungefähr um Christi Geburt lässt sich schließlich nichts eindeutig Keltisches mehr nachweisen.

© dpa
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