Arbeitslosigkeit in Bayern geht zurück: Unsicherheit wächst

Wie üblich im Herbst, sinkt die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat. Junge Menschen starten in die Ausbildung oder in den ersten Job. Doch die Unsicherheit am Arbeitsmarkt wächst.
Das Logo der Agentur für Arbeit. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Die Sommerpause ist vorbei - und die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat ist im September erwartungsgemäß gesunken. 249.243 Menschen waren ohne Job, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Freitag in Nürnberg mitteilte. Das sind 1,5 Prozent weniger als im August.

Viele junge Menschen starteten im September in eine Ausbildung oder in ihren ersten Job. Deshalb gilt ein Rückgang der Arbeitslosigkeit als nicht überraschend. In der Gruppe der 15- bis 25-Jährigen sei die Arbeitslosigkeit um 2547 beziehungsweise 8,8 Prozent deutlich zurückgegangen, sagte Klaus Beier, der stellvertretende Chef der Regionaldirektion.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Arbeitslosigkeit allerdings um insgesamt 7989 Menschen beziehungsweise 3,3 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 3,3 Prozent. Stichtag für die aktuelle Erhebung war der 12. September.

In der Statistik erfasst werden auch aus der Ukraine geflüchtete Menschen. Rechnet man sie heraus, wird der Rückgang der Arbeitslosigkeit seit April 2022 jeden Monat kleiner, wie die Regionaldirektion weiter mitteilte: So ging die Zahl der Arbeitslosen ohne Ukrainerinnen und Ukrainer im April um 23,0 Prozent zurück, im September dagegen nur noch um 8,9 Prozent.

«Diese weniger günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigt eine konjunkturelle Eintrübung, die ihre Ursachen in den Auswirkungen des Ukrainekrieges auf die deutsche und globale Wirtschaft hat. Die aktuelle Entwicklung im Energiesektor zeigt hier allerdings noch keine Auswirkung auf den bayerischen Arbeitsmarkt», sagte Beier.

Die Arbeitsagenturen und Jobcenter melden weiterhin zahlreiche offene Stellen. Mit insgesamt 162.656 Stellen im Stellenpool sei das Niveau weiterhin hoch, gesucht würden vor allem Fachkräfte, sagte Beier. Zum Vergleich: Im September 2019 seien 128.605 offene Stellen im Bestand gewesen.

Die neuen Zahlen zeigten, dass der bayerische Arbeitsmarkt trotz kriegsbedingter Materialengpässe und stark gestiegener Energiepreise noch immer robust ist, teilte Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) mit.

«Insgesamt ist die Lage am Arbeitsmarkt noch gut, aber angesichts des Mixes an Krisen können wir eine Anspannung des Arbeitsmarkts in nächster Zukunft nicht ausschließen. Diese führen bei den Unternehmen zu extremer Unsicherheit», sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).

Bernhard Stiedl, Vorsitzender des Gewerkschaftsbunds DGB Bayern, kommentierte die aktuellen Zahlen: «Die Unsicherheit und die damit verbundenen Arbeitsmarktrisiken müssen dringend abgemildert werden. Die Beschäftigten erwarten ebenso wie die Betriebe jetzt klare Perspektiven hinsichtlich der energiepolitischen Verwerfungen. Ein Betriebssterben mit entsprechenden Arbeitsplatzverlusten muss unbedingt verhindert werden.»

© dpa
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