Arbeitslosigkeit steigt: gute Jobchancen für Geflüchtete

«Nicht saisonüblich, aber erwartungsgemäß»: So interpretiert die Regionaldirektion den Anstieg der Arbeitslosigkeit in Bayern. Zahlreiche Geflüchtete aus der Ukraine seien arbeitslos gemeldet. Doch sie könnten gut in den Arbeitsmarkt integriert werden.
Das Logo der Bundesagentur für Arbeit leuchtet. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

In Bayern ist die Arbeitslosigkeit im Juni gestiegen. Zum Stichtag 13. Juni waren 230 606 Menschen arbeitslos gemeldet - zehn Prozent mehr als im Vormonat. Grund für den Anstieg sei der Zuzug geflüchteter Menschen aus der Ukraine, teilte die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mit. Weil die Ukraine-Flüchtlinge jetzt über die Jobcenter erfasst werden, tauchen sie erstmals in der Statistik auf.

Im Freistaat waren demnach zum 13. Juni 25 201 Arbeitslose mit ukrainischer Staatsangehörigkeit registriert. Dies entspreche einem Anteil von 10,9 Prozent an allen Arbeitslosen. Zu beachten sei aber, dass viele ukrainische Flüchtlinge beispielsweise Mütter mit Kleinkindern seien und deshalb nicht den Status arbeitslos hätten.

Es zeigten sich nun sehr deutliche Effekte der Fluchtbewegung auf Arbeitssuche und Arbeitslosigkeit, sagte Ralf Holtzwart, Chef der Regionaldirektion. Grundsätzlich brächten Geflüchtete aus der Ukraine gute Voraussetzungen mit, um in den hiesigen Arbeitsmarkt integriert zu werden. Der Anteil der Hochschulabschlüsse sei in der Ukraine höher als in Deutschland, man könne von einem hohen Bildungsniveau sprechen. In der Vergangenheit hätten sich die Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Sprachkenntnisse als größte Hindernisse herausgestellt, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Hier müssten nun alle Beteiligten gute und schnelle Lösungen finden.

Die Regionaldirektion verwies auf eine Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), wonach Menschen aus der Ukraine teilweise helfen könnten, die hiesigen Engpässe in akademischen, technischen und medizinischen Berufen zu verringern.

«Der Grund für die gestiegene Arbeitslosenzahl im Juni hängt mit der statistischen Erfassung geflüchteter Menschen aus der Ukraine bei den Jobcentern zusammen. Wir hoffen, dass sich dadurch mittelfristig höhere Integrationschancen für die Geflüchteten in den Arbeitsmarkt ergeben», kommentierte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die Zahlen.

Die Arbeitslosenquote im Freistaat lag im Juni bei 3,1 Prozent und damit nur noch 0,3 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert sowie 0,3 Punkte über den Mai-Wert. Ohne die ukrainischen Arbeitslosen wäre die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 1808 oder 0,9 Prozent gesunken - allerdings fällt auch dieser rechnerische Rückgang deutlich geringer aus als in den vergangenen Monaten. «Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juni ist demnach nicht saisonüblich, dennoch erwartungsgemäß», sagte Holtzwart.

Der bayerische Arbeitsmarkt bleibe trotz allem robust und aufnahmefähig, teilte Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) mit. Sie warnte jedoch davor, dass durch einen möglichen Stop der Gaslieferungen aus Russland Arbeitsplätze verloren gehen könnten: «Gefährdet sind vor allem Arbeitsplätze in energieintensiven Branchen wie der Chemie-, Glas- oder Keramikindustrie.» Der Bund müsse jetzt die Gasspeicher füllen.

Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB in Bayern, teilte mit: «Noch läuft der bayerische Arbeitsmarkt rund. Aber die Gewitterwolken werden dunkler. Wir brauchen jetzt Lösungen, die die Preisschocks bei Energie aber auch bei Lebensmitteln dauerhaft dämpfen.» Es dürfe wegen der drohenden Energieknappheit zu keinen irreparablen Schäden am Arbeitsmarkt kommen.

© dpa
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