Sattelzug verwüstet Straße: Prozess um Alkoholfahrt begonnen

Ein betrunkener Lkw-Fahrer verwüstet mit seinem Sattelzug eine Wohnstraße. Noch Monate später sind die Opfer fassungslos. Vor Gericht spricht der Angeklagte von Erinnerungslücken.
Ein angeklagter LkW-Fahrer sitzt zum Prozessauftakt im Sitzungssaal im Amtsgericht Fürth. © Daniel Karmann/dpa

Ein Sattelzug donnert eine Wohnstraße in Fürth herunter, rammt Autos, beschädigt Häuser und geht schließlich in Flammen auf. Menschen werden verletzt. Der Schaden ist immens. Später stellt sich heraus: Der Fahrer war stark betrunken. Vor Gericht räumte der 51-Jährige am Montag die Vorwürfe in der Sache ein, wie er seine Verteidigerin erklären ließ. An große Teile der fast 180 Meter langen Verwüstungsfahrt konnte er sich nach eigenen Angaben aber nicht erinnern. Aus Sicht eines Gutachters war er zur Tatzeit eingeschränkt schuldfähig.

Die Trunkenheitsfahrt des Lkw-Fahrers am Abend des 8. Februars in der Großstadt nahe Nürnberg hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der mit 26 Tonnen schweren Stahlteilen beladene Sattelzug hatte eine Schneise der Verwüstung durch die Wohnstraße gezogen.

Den Ermittlungen zufolge hatte der Fahrer erst ungebremst eine rote Ampel überfahren und war auf der Kreuzung in ein Auto gekracht. Die Fahrerin wurde dabei verletzt. Danach donnerte der Lkw-Fahrer laut Anklage mit Tempo 70 eine Wohnstraße herunter, rammte etliche parkende Autos und schob diese zum Teil in die Fassaden der Häuser. Ein Fußgänger musste sich mit einem Sprung über eine Motorhaube retten.

Schließlich verkeilte sich der Sattelzug mit mehreren Fahrzeugen und kam vor einem Mehrfamilienhaus zum Stehen. Dort ging der Lkw in Flammen auf, die auf ein Mehrfamilienhaus übergriffen. Mehrere Bewohnerinnen und Bewohner mussten sich mit Leitern über eine Mauer im Hinterhof retten, weil die Haustür wegen des Feuers versperrt war. Anwohner halfen dem Lkw-Fahrer aus der Fahrerkabine und hielten ihn fest, bis die Polizei eintraf. «Das war Chaos. So was habe ich noch nie gesehen», schilderte ein Polizist die Eindrücke vor Gericht. «Die ganze Straße lag in Trümmern», ergänzte einer seiner Kollegen.

Fünf Verletzte, mehr als 30 demolierte Autos, beschädigte Häuser und ein Gesamtschaden von etwa 800.000 Euro - das waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Folgen der Verwüstungsfahrt. Der Angeklagte habe seine Fahruntüchtigkeit aufgrund seines Alkoholkonsums erkennen können und müssen, sagte Staatsanwalt Danny Schaller. Er wirft dem 51-Jährigen unter anderem Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung vor. Technische Mängel am Sattelzug hatte ein Sachverständiger als Unfallursache zuvor ausgeschlossen. Der Angeklagte sitzt seit Februar in Untersuchungshaft.

Vor Gericht gab er zu, Fehler gemacht zu haben, und entschuldigte sich bei den Geschädigten. «Er würde alles dafür tun, es ungeschehen zu machen», sagte seine Verteidigerin Mona Abdel Hamid. Ihr Mandant habe am Nachmittag des 8. Februars Wodka getrunken - aus Kummer über die Krebserkrankung seiner Frau. Er habe geplant, in Fürth zu übernachten. Er habe dann aber den Stellplatz räumen müssen und habe nur bis zum nächsten Parkplatz fahren wollen. Er habe seine Alkoholisierung bemerkt, aber gedacht, es gehe schon, ließ der Angeklagte die Anwältin erklären.

Nach Einschätzung des Gutachters befand er sich zur Tatzeit in einem emotionalen Ausnahmezustand. Deshalb und wegen des hohen Alkoholwerts in seinem Blut von mehr als zwei Promille sei seine Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert gewesen, sagte der Experte.

6,5 Kilometer fuhr der Sattelzug, bis es der Anklage zufolge zum ersten Unfall auf der Kreuzung kam. Ein Zeuge berichtete vor Gericht, wie er gesehen habe, dass dieser zuvor Schlangenlinien gefahren sei. Verteidigerin Abdel Hamid sagte, ihr Mandant habe einen Knall wahrgenommen, sei aber weitergefahren. «Ab da sind seine Erinnerungen verschwommen beziehungsweise weg.»

Die Fahrerin des Wagens, den der Sattelzug auf der Kreuzung rammte, schilderte vor Gericht, wie plötzlich Lichter von links auf sie zukamen. Dann wurde sie zur Seite geschleudert und sei kurz vor einer Hauswand zum Stehen gekommen. Sie habe Prellungen erlitten und noch viele Wochen Schmerzen gehabt, sagte die Rentnerin. Bis heute könne sie nicht begreifen, wieso der Fahrer nach der Kollision nicht stehen geblieben sei. «Das habe ich mich immer wieder gefragt.» Der Angeklagte antwortete darauf: «Ich kann mich wirklich nicht erinnern.»

Der Prozess wird am Montag kommender Woche fortgesetzt. Das Gericht hat erneut mehrere Zeugen geladen.

© dpa
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