Konjunktur an Güllebörse: Hohe Nachfrage mangels Kunstdünger

Es soll weniger Gülle auf die Felder - das war zuletzt das Ziel der Politik, nicht zuletzt zum Schutz des Trinkwassers. Doch weil Kunstdünger wegen der Gas-Krise und des Ukraine-Krieges knapp wird und die Preise steigen, ist der Naturdünger wieder sehr gefragt.
Ein Landwirt bringt mit seinem Gespann Gülle auf einem Feld aus. © Philipp Schulze/dpa/Symbolbild

Die teils ungeliebte Gülle als Reststoff aus der Tierhaltung erlebt angesichts der Gas-Krise eine neue Konjunktur. Angesichts steigender Preise für Kunstdünger sei Gülle wieder stark gefragt, heißt es beim Deutschen (DBV) wie auch beim Bayerischen Bauernverband (BBV). Kunstdünger sei nicht nur auf das Drei- bis Vierfache des Vorjahrespreises gestiegen, sondern auch nur schwer zu bekommen.

«Wenn der mineralische Dünger teurer und knapper wird, gewinnen alle organischen Stickstoffquellen an Wert und Attraktivität», sagte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken der Deutschen Presse-Agentur. An den Güllebörsen gebe es Bewegung. Diese bringen Bauern mit Gülle und Kollegen mit entsprechendem Bedarf zusammen. «Güllebörsen verzeichnen höhere Nachfrage. Das äußert sich auch darin, dass die Abgabepreise steigen und Gülle teils über längere Entfernung transportiert wird als vorher.»

Damit können aber nicht alle bedient werden, die Gülle-Menge sei begrenzt - und außerdem mit dem Rückgang der Tierhaltung gesunken. Gülle-Düngung als Teil der Kreislaufwirtschaft sei sinnvoll, weil der damit ersetzte mineralische Stickstoffdünger mit hohem Aufwand von Energie beziehungsweise Gas hergestellt wird.

Krüsken warnte vor einer Knappheit des Kunstdüngers, zu dessen Herstellung Gas zwingend notwendig ist. «Wir sind für diese Saison noch einigermaßen auskömmlich versorgt gewesen, aber für das nächste Jahr machen wir uns Sorgen», sagte Krüsken. «Wenn der mineralische Stickstoffdünger im nächsten Jahr ernsthaft ausfällt, dann werden wir geringere Ernten sehen.»

Bei einer Halbierung des Düngers sei mit 20 bis 25 Prozent geringeren Erträgen zu rechnen. «Wenn wir über den Winter und die Verteilung von Gas reden, müssen wir auch im Kopf haben, dass Dünger für die Lebensmittelversorgung verantwortlich ist.»

Rund 2,5 Millionen bis 3 Millionen Tonnen reiner Stickstoff werden jährlich auf Deutschlands Feldern ausgebracht, die Hälfte davon stammt aus Kunstdünger. Das lasse sich nicht durch Gülle, Kompost und Biogasgärreste aus der Biogasanlage auffangen.

In den vergangenen Jahren war das Ausbringen von Gülle auf den Feldern nicht zuletzt seitens der EU immer stärker reglementiert worden. Gülle kann das Trinkwasser mit Nitrat belasten - und stinkt außerdem gelegentlich den Anwohnern. Mancher Bauer wusste deshalb nicht mehr wohin mit den Hinterlassenschaften seiner Tiere.

Weil unter anderem schärfere Vorschriften bei der Tierhaltung für einen Rückgang der Tierzahlen sorgten, ging auch die Güllemenge zurück. Auf Bayerns Äckern war zuletzt immer weniger Flüssigdünger zum Einsatz gekommen: Zwischen 2010 und 2020 ging die von Landwirten verwendete Menge an Gülle, Jauche und Biogasgärresten laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik um etwa 15 Prozent zurück.

© dpa
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