Erlöser Tempelmann: «Club» hofft auf weiteren Schub

Der Druck auf Trainer Robert Klauß und seinen 1. FC Nürnberg war beträchtlich. Dann gelingt ein Heimsieg in letzter Minute gegen Arminia Bielefeld. Ist das die Initialzündung?
Lino Tempelmann. © Daniel Löb/dpa/Archivbild

Eine XXL-Last fiel von Trainer Robert Klauß und die Nürnberger Fußball-Profis ab. Nach der heftigen Unruhe unter der Woche wegen des enttäuschenden Saisonstarts in der 2. Bundesliga fühlte sich der Last-Minute-Sieg gegen Arminia Bielefeld wie eine Seelen-Massage an.

«Als das Tor gefallen ist, hat man gesehen, was von uns abgefallen ist. Die Woche war unruhig. Wir haben aber versucht, uns davon nicht aus dem Konzept bringen zu lassen», sagte Matchwinner Lino Tempelmann nach dem hochverdienten 1:0 (0:0) am Freitagabend. «Das gibt uns hoffentlich einen Schub für die nächsten Wochen», fügte er hinzu.

Auf den letzten Drücker ließ Tempelmann den 1. FC Nürnberg im Duell der Bundesliga-Rekordaufsteiger doch noch jubeln. Nach einem Freistoß von Mats Möller Daehli köpfte das Kraftpaket vor 26.641 Zuschauern die Franken in der 90. Minute zum dritten Saisonsieg.

«Ich bin selber überrascht, ich war noch nie bekannt für meine Kopfballstärke. Dass es mit dem Kopf aber immer wieder klappt, freut mich», sagte der 1,74 Meter große Tempelmann. «Etwas Schöneres als Last-Minute-Siege gibt es eigentlich nicht. Wenn man dann noch das Tor machen darf, ist es umso schöner.»

Nach dem ernüchternden 2:4 eine Woche zuvor in Braunschweig zeigten die Nürnberger gegen offensiv harmlose Bielefelder die dringend nötige Reaktion. «Wir haben von der ersten bis zur 90. Minute ein sehr gutes Spiel gemacht. Wenn man sich dann in der 90. Minute so belohnt, ist es ein wunderschönes Gefühl», befand Klauß nach zuvor nur sieben Punkten aus sieben Spielen. «Was es am Ende bewirken kann, werden die nächsten Wochen zeigen. Man kann von einem Spiel nicht darauf schließen, dass man das immer abruft, das ist aber das Ziel.»

Der «Club» zeigte eine reife Leistung - und hohe Frusttoleranz. Erst vergab Stürmer Kwadwo Duah Chancen wie am Fließband gegen den starken Bielefelder Schlussmann Martin Fraisl. Und dann spielte auch noch der Schiedsrichter nicht mit. Der Video-Referee erkannte in der 54. Minute einen Treffer des glücklosen Duah ab, weil Vorlagengeber Felix Lohkemper im Abseits stand.

«Ich glaube, es hat der Mannschaft sogar noch einen Push gegeben, dass sie gesehen hat: Wir sind dran und kommen in die Momente, die wir wollen», beschrieb Klauß die Szene um das aberkannte Tor. «Wir haben uns nicht unterkriegen lassen und versucht, weiter unser Spiel zu machen», erläuterte Mittelfeldspieler Tempelmann.

Beim SV Darmstadt wollen die Nürnberger am kommenden Samstag nachlegen. «Wir brauchen keinen Druck, wir brauchen Konstanz, zum einen in unseren Leistungen, aber auch beim Personal, was die Verletzten betrifft», meinte der norwegische Regisseur Möller Daehli. «Wenn wir das hinkriegen, werden wir eine gute Saison spielen.»

© dpa
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