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Zwangsprostitution und Drogen-Deals: Rocker vor Gericht

Sie sollen Frauen die große Liebe vorgespielt haben, um sie in die Prostitution zu locken: Seit Mittwoch stehen fünf mutmaßliche Mitglieder einer Rockergruppe in Konstanz vor Gericht. Die Anklageschrift ist lang.
Mutmaßliche Rocker vor Gericht
Ein Angeklagter wird vor dem Prozessbeginn mit Fußfesseln in den Gerichtssaal gebracht. © Silas Stein/dpa

Ein Augenzwinkern da, ein Luftkuss hier: Im Gericht geben sie sich herzlich, für die Zuschauer im Saal - darunter wohl auch bekannte Gesichter - gibt es freundliche Grüße. Doch hinter der Fassade der fünf Angeklagten vor dem Landgericht Konstanz sieht es laut Staatsanwaltschaft ganz anders aus. Als Mitglieder der mittlerweile verbotenen rockerähnliche Gruppierung «United Tribuns» sollen sie über Jahre von Villingen-Schwenningen aus agiert haben.

Zwangsprostitution, Drogen-Deals, unerlaubter Waffenbesitz: Die Liste der Anklagepunkte ist lang. Mehr als eine Stunde braucht der Staatsanwalt, um sie am Mittwoch zu Prozessbeginn vorzutragen. Die Vorwürfe erstrecken sich zwischen Ende 2020 und September 2022. Im vergangenen Herbst klickten schließlich die Handschellen.

Angeklagt sind die Männer im Alter zwischen 23 und 33 Jahren unter anderem wegen Menschenhandels. Die Deutschen sollen systematisch Frauen ausgebeutet haben. Dafür spielten sie ihnen laut Anklagebehörde die große Liebe vor. Die jungen Frauen seien von ihren Familien und Freunden isoliert worden, ihr Wille sei gebrochen und sie seien mit Drogen gefügig gemacht worden, beschreibt der Staatsanwalt.

Die mutmaßlichen Rocker hätten sich absichtlich junge Frauen gesucht Anfang 20. Auf Internetplattformen seien ihre Dienste angeboten worden. In Hotels, Bordellen oder angemieteten «Dienstwohnungen» der Vereinigung seien die Frauen gebracht worden. Den Großteil der Einnahmen aus der Sexarbeit hätten die Männer einbehalten - Hunderttausende von Euro. Mit einem beträchtlichen Teil davon hätten die Angeklagten die Kassen der «United Tribuns» gefüllt. Auch das Geld aus zig Drogendeals ging demnach an die Gruppierung. Die Männer sollen im großen Stil mit Marihuana, Kokain und Ecstasy gehandelt haben.

Den Frauen hätten sie erzählt, dass das Geld für eine bessere gemeinsame Zukunft sei. Ihren Opfern erlaubten sie laut Anklage immer wieder Pausen von der Prostitution. Wenn sie nicht mehr wollten, sollen ihnen die Männer gedroht haben. Laut Gericht gibt es fünf Opfer. Mindestens zwei von ihnen wollen die Aussage verweigern.

Auch die fünf Männer schweigen vor Gericht. Drei von ihnen sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft. Zwei durften gegen Kaution wieder auf freien Fuß. Statt Kutte trägt einer von ihnen nun schwarzen Rollkragenpulli und Prada. Er lässt sich mit einem Blatt Papier ablichten, auf dem steht «Free All Brother».

Die «United Tribuns» sind seit vergangenem Herbst in Deutschland verboten. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte das bundesweite Verbot damit begründet, dass bei Auseinandersetzungen im Rockermilieu immer wieder völlig unbeteiligte Menschen gefährdet würden. Mitglieder der Gruppierung «United Tribuns» hätten schwerste Straftaten begangen: Sexualstraftaten, Menschenhandelsdelikte und versuchte Tötungsdelikte.

Gegründet wurden die «United Tribuns» von einem Ex-Boxer 2004 in Villingen-Schwenningen. Verbreitet war die Organisation laut Bundesinnenministerium in weiten Teilen Deutschlands. Bundesweit waren vom Verbot knapp 100 Mitglieder betroffen.

Zu erkennen sind die Mitglieder der verbotenen Gruppierung an ihren dunklen Kutten. Mit dem Vereinsverbot wurde automatisch auch das Tragen entsprechender Westen und Embleme untersagt. Im Vergleich zu den «Hells Angels» verzichten die «United Tribuns» auf Motorräder als Statussymbol.

Der Prozess gegen die fünf mutmaßlichen Mitglieder der Gruppierung findet unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Insgesamt sind 14 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Ein Urteil könnte im Dezember fallen.

© dpa ⁄ Aleksandra Bakmaz, dpa
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