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Weniger gefräßig - Flächenverbrauch geht leicht zurück

Bis zum Jahr 2035 sollen keine zusätzlichen Flächen für Straßen oder Häuser in Anspruch genommen werden. Das ist das Ziel des Landes. Ein weiter Weg. Denn 2022 verschwanden umgerechnet noch mehr als sechs Fußballplätze pro Tag unter Beton, Asphalt und Grünfläche.
Flächenverbrauch
Arbeiter auf einer Baustelle für Wohnungen auf der auch staatlich geförderte Wohnungen entstehen. © Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Die grün-schwarze Landesregierung ist auf dem Weg zu einem geringeren Flächenverbrauch im Südwesten einen kleinen Schritt vorangekommen. Der Anteil bebauter Flächen ist erstmals seit fünf Jahren wieder zurückgegangen. Im Jahr 2022 wurden nach Angaben des Statistischen Landesamts 1673 Hektar zusätzlich für neue Parkplätze, Industriegebiete, Neubauten oder Sportplätze, Grünanlagen oder Straßen genutzt, das entspricht einer Fläche von etwa 2300 Fußballfeldern.

Die gute Nachricht: Von 2020 auf 2021 lag die Zunahme noch bei 2278 Hektar. Die schlechte allerdings: Die Landesregierung will, dass spätestens von 2035 an keine zusätzliche Fläche in Anspruch genommen werden darf. Für eine Übergangszeit hat sie einen maximalen Flächenverbrauch von 2,5 Hektar pro Tag ausgegeben.

Durchschnittlich wurden laut Statistik im vergangenen Jahr 4,6 Hektar täglich für neue Wohngebäude, Industrie- und Gewerbeflächen sowie für den Verkehr bebaut. «In einer längerfristigen Betrachtung zeigt sich damit weiterhin eine abnehmende Tendenz», sagte eine Mitarbeiterin des Landesamts. Im Jahr 2008 habe dieser Wert noch bei rund 9 Hektar pro Tag gelegen, im vergangenen Jahr bei 6,2 Hektar. Derzeit sind 14,8 Prozent des Landes zum Beispiel durch Gebäude, Friedhöfe oder Straßen bedeckt.

Naturschützer zeigten sich dennoch enttäuscht. Sie beklagen, die Regierung tue bisher nichts, um den Flächenverbrauch zu senken. «Den aktuellen Rückgang sollte man nicht überinterpretieren», sagte Gerhard Bronner, der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg (LNV). «Da spielen Konjunktur, Zinsniveau und ähnliche Dinge eine große Rolle.» Entscheidend seien nicht die kurzfristigen Schwankungen, sondern die langen Linien. «Und da haben wir seit 2014 Stagnation auf zu hohem Niveau», sagte Bronner.

Johannes Enssle, der Landesvorsitzende des Naturschutzbunds Deutschland, sprach angesichts des Rückgangs von einer «Hoffnung». Wirtschaftswachstum müsse nicht zwangsläufig mit Flächenverbrauch zusammenhängen. ««Netto-Null» heißt ja nicht, dass gar nicht mehr gebaut wird, sondern dass an der einen Stelle Fläche verbraucht wird, dafür an anderer Stelle wieder etwas entsiegelt wird», sagte Enssle weiter. Allein durch Aufstockungen wären in der BRD 1,1 Millionen neue Wohnungen möglich.

Mehr als 30.000 Menschen haben nach LNV-Angaben bislang den Volksantrag «Ländle leben lassen» unterzeichnet, den ein Bündnis aus Naturschutz- und Landwirtschaftsverbänden initiiert hat. Es will das Land unter Druck setzen, damit es einen Netto-Null-Verbrauch bis 2035 gesetzlich vorschreibt - auch wenn die Verbände das selbst kaum für möglich halten. «Die Netto-Null wird schwierig, weil die Einwohnerzahl in Baden-Württemberg wächst, der Bund im Wesentlichen die Fäden in der Verkehrspolitik zieht und das Land gezielt Großinvestoren anziehen will», sagte Bronner. Entscheidend seien verbindliche gesetzliche Obergrenzen von zunächst 2,5 Hektar pro Tag.

Grüne und CDU wollen bis zum Jahr 2035 die Netto-Null beim Verbrauch von neuen Flächen erreichen. Im Koalitionsvertrag heißt es: «Wir wollen den Flächenverbrauch weiter reduzieren und halten weiterhin an dem Ziel der «Netto-Null» fest.» Um das zu erreichen, soll auch nicht mehr benötigte Infrastruktur zurückgebaut werden.

Baden-Württembergs Bauministerin Nicole Razavi (CDU) zeigte sich angesichts der neuen Zahlen zufrieden: «Wir sind auf dem richtigen Weg und diesen Weg wollen wir weitergehen», sagte sie. Sie kündigte an, bis zum Jahresende Eckpunkte für einen «Aktionsplan Flächensparen»» vorzulegen. «Darüber hinaus wird die Reduzierung des Flächenverbrauchs ein zentrales Thema bei der Neuaufstellung des Landesentwicklungsplanes sein», sagte sie.

© dpa
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