Die Krüge hoch in Krisenzeiten: Der Wasen kehrt zurück

Kirmes trotz Krieg und Krisen? Das zweitgrößte Volksfest Deutschlands feiert großes Comeback nach zweieinhalb Jahren Pandemie. Die Veranstalter setzen auf die Feierlaune der Menschen.
Arbeiter bauen Festzelte auf dem Festgelände Cannstatter Wasen auf. © Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Es rummelt wieder in Stuttgart: Mit dem Wasen eröffnet in der Landeshauptstadt bald wieder eines der größten Volksfeste der Welt seine Pforten - zum 175. Mal. Schausteller, Marktkaufleute und Festwirte hoffen nach der Corona-Zwangspause auf glänzende Geschäfte. Doch die Zeiten sind nicht einfach. Ein Überblick in fünf Buchstaben:

W wie WIEDERKEHR: 2019 fand das Cannstatter Volksfest zuletzt statt. Wegen der Pandemie musste der Riesen-Rummel Pause machen. Andreas Kroll, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft, sprach am Donnerstag von einem «Wiederbeginn der großen Feste». Er rechnet wieder mit 3,5 Millionen Besucherinnen und Besuchern - trotz drohender Rezession. So seien sie beim Frühlingsfest überrascht gewesen über die hohe Besucherzahl. «Manchmal kann man den Eindruck haben, die Menschen feiern jetzt, wo sie noch feiern können.» Die Organisatoren sind auch froh, dass ihre Gäste ganz ohne Corona-Auflagen auf die Bänke steigen und Maßkrüge schwenken dürfen. Die Quarantäneregeln hätten auch noch wegfallen können, kritisierte Werner Klauss, Sprecher der Festwirte.

A wie ABLAUF: Am 23. September wird der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) bei bodenständiger Blasmusik das Bierfass anstechen - es wird seine Premiere sein in dieser Rolle. 17 Tage lang - bis zum 9. Oktober - wird die Sause dann gehen. 250 Schausteller, Festwirte und Markthändler hoffen auf ein prächtiges Geschäft. Am Sonntag nach dem Anstich ziehen Tausende Menschen mit Kutschen, Trachten, Pferden, Ochsen, Kühen und Schweinen beim traditionellen Umzug durch Bad Cannstatt. An dem Tag wird auf dem Wasen-Gelände auch das sogenannte Landwirtschaftliche Hauptfest eröffnet, eine Fachmesse für Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft, die bis zum 3. Oktober läuft. Und auf dem Schlossplatz in der Stuttgarter Innenstadt kehrt das Historische Volksfest zurück. Dort zeigen historische Fahrgeschäfte, Gaukler und Feuerspucker, wie Volksfest früher war.

S wie SEXISMUS-VORWÜRFE: Halbnackte Frauen als Galionsfiguren für Achterbahn und Autoscooter? Enthüllende Zeichnungen hatten beim Frühlingsfest für Ärger und Schlagzeilen gesorgt. Die Grünen im Stuttgarter Gemeinderat hatten einige Bilder als sexistisch und diskriminierend bezeichnet. Schausteller gestalteten die Abbildungen daraufhin um - eine der betroffenen Damen bekam eine geschlossene Bluse, bei einer anderen wurde der BH geschlossen. Künftig will man solchem Ärger vorbeugen. Marcus Christen von der Veranstaltungsgesellschaft prüfte die Bewerber diesmal darauf, wie sich die Fahrgeschäfte präsentieren - und stimmte sich mit der Gleichstellungsbeauftragten ab. «Wir nehmen das Thema sehr ernst», sagt er.

E wie EXPLOSIV: Dürfte nicht nur die Stimmung in den Zelten sein, sondern auch das diesjährige Preisniveau. Festwirt Werner Klauss verkündete am Donnerstag, dass die Maß zwischen 12,40 und 13,20 Euro kosten wird. «Es war nicht einfach, die ganzen wahnsinnigen Preiserhöhungen zu berücksichtigen.» Materialengpässe, Inflation und die drohende Rezession machen auch den Schaustellern schwer zu schaffen. Größtes Problem: Der Mangel an Arbeitskräften. «Es fehlen immer noch helfende Hände», sagte Linda Brandl vom Landesverband der Schausteller und Marktkaufleute Baden-Württemberg. Viele Mitarbeiter seien in der Corona-Zeit abgewandert in andere Branchen. Die Schausteller litten unter «erheblichen Personalproblemen».

N wie NEUIGKEITEN: Die prächtig geschmückte Fruchtsäule steht wie eh und je mit 26 Metern Höhe als Wahrzeichen auf dem Gelände. Und «Hau den Lukas», Schießbuden, Kettenkarusselle und so manche Achterbahn sind altbekannte Klassiker. Aber auch ganz neue Fahrgeschäfte gehen diesmal an den Start: Etwa der Aeronaut, ein gigantisches Retro-Kettenkarussell, das die Besucher 70 Meter über das Festgelände hievt. Mit einem neuen Freifallturm geht es umso schnell wieder runter. Und mit dem «Devil Rock» und dem «Airwolf» kann man sich ordentlich durchschütteln lassen.

© dpa
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