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Verbände: 22 Gutachten zur Streckenreaktivierung

Bei 22 stillgelegten Bahnstrecken in Baden-Württemberg könnte sich die Wiederinbetriebnahme lohnen. Dies legen zumindest Machbarkeitsstudien nahe, wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und der Interessenverband Allianz pro Schiene am Montag in Berlin mitteilte.
Gleise im Gleisbett
Gleise sind an einem Bahnhof im Schotterbett verlegt. © Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild

Am weitesten fortgeschritten ist demnach laut dem Landesverkehrsministerium im Südwesten die Hermann-Hesse-Bahn zwischen Calw und Weil der Stadt (Kreis Böblingen). Dort sollen die Menschen von 2025 an mehrere Jahrzehnte nach der bisher letzten Fahrt eines Personenzugs mit den S-Bahnlinien 6 und 60 an Stuttgart angebunden werden.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte in Stuttgart, durch die Wiederbelebung früherer Bahnstrecken könnten insbesondere ländliche Regionen wieder an das Schienennetz angeschlossen werden. «Neben anderem ist damit meist auch ein Standortvorteil verbunden. Mit unserer attraktiven Förderung haben wir Kommunen die richtigen Werkzeuge in die Hand gegeben, um Reaktivierungen voranzutreiben.» Es gebe ein enormes Interesse an Reaktivierungsvorhaben und ein großes Engagement aus Bürgerschaft, Gemeinden und Kreisen.

«Die Zahl der beauftragten Machbarkeitsstudien in Deutschland wächst praktisch täglich - damit ist das Thema Reaktivierung vor Ort angekommen», teilte der Geschäftsführer für Eisenbahnverkehr des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, Martin Henke, in Berlin mit. Bundesweit gebe es inzwischen für 163 mögliche Strecken entsprechende Untersuchungen von Sachverständigenbüros.

«Bei 103 Strecken liegen Ergebnisse vor. 79 davon waren positiv», sagte Henke. Eine Streckenreaktivierung würde sich in einem solchen Fall also rechnen. In einigen Fällen hätten die Länder schon die nächsten Schritte eingeleitet, etwa mit dem Bau begonnen oder sogar schon den Regionalverkehr bestellt.

Doch generell gebe es bei der Reaktivierung alter Schienenwege nach wie vor zu wenig Tempo, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene. «Wir haben inzwischen gute Rahmenbedingungen, viele Studien, viel Engagement vor Ort», sagte er in Berlin. «Entscheidend ist aber, was hinten rauskommt und da ist die Bilanz extrem mager.» Im vergangenen Jahr seien lediglich alte Strecken mit einer Gesamtlänge von acht Kilometern wieder in Betrieb genommen worden. Für das laufende Jahr rechne die Allianz pro Schiene ebenfalls nur mit einer einstelligen Kilometerzahl.

© dpa
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