Grünes Licht für Klinikverbund Heidelberg/Mannheim gefordert

Akteure der Lebenswissenschaften aus Baden haben in Schwaben für eine Fusion der Uniklinken Mannheim/Heidelberg geworben. Das Projekt sei von großer Bedeutung für das gesamte Land. Regionalproporz sei nicht angebracht, so die Mahnung an Grün-Schwarz.
Eine Pflegekraft geht auf einer Intensivstation über den Flur. © Fabian Strauch/dpa/Symbolbild

Dem Zusammenschluss der Universitätskliniken Heidelberg und Mannheim als Kern eines international konkurrenzfähigen Gesundheitsstandortes steht aus Sicht der Akteure vor Ort nichts mehr entgegen. Die Landesregierung müsse nach positiven Ergebnissen wirtschaftlicher, medizinischer und rechtlicher Prüfungen endlich eine Grundsatzentscheidung zugunsten des Zusammenschlusses treffen, forderten Wissenschaftler, die Universitätsspitzen und der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) am Donnerstag in Stuttgart - am besten noch in diesem Jahr.

Das Land dämpfte die Hoffnung auf eine baldige Entscheidung. Ein vom Sozialministerium in Auftrag gegebenes Gutachten stehe noch aus, sagte eine Sprecherin des Staatsministeriums. Das habe die Patientenversorgung im ganzen Land im Blick. Zudem seien noch rechtliche Fragen zu klären. Konsens bestehe aber darin, die Rhein-Neckar-Region als Leuchtturm der Gesundheits- und Lebenswissenschaften zu etablieren. Deshalb unterstütze das Land den lebenswissenschaftlichen Innovationscampus bereits seit 2021 mit bislang 50,7 Millionen Euro.

Die Akteure verwiesen darauf, erst nach einem Grundsatzbeschluss sei die kartellrechtliche Prüfung zum Verbund der bislang konkurrierenden Häuser möglich. Von besserer Versorgung und schneller Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in Produkte könnten allein im Rhein-Neckar-Raum etwa 2,3 Millionen Menschen profitieren.

Für das bislang von der Stadt Mannheim getragene Uniklinikum zeigte ein Verbund einen Weg aus dem Defizit von 30 bis 40 Millionen Euro pro Jahr auf. Bis 2030 werde durch eine Fusion die schwarze Null erreicht werden können, sagte Kurz. Die Stadt Mannheim habe mit eigenen Kräften ein Universitätsklinikum aufgebaut. «Das ist deutschlandweit einmalig. Nun sind wir an einem Punkt, an dem wir als Stadt nicht mehr die Mittel haben, um dieses Haus weiter zu tragen.»

Die SPD im Landtag kritisierte die «Hängepartie». Grün-Schwarz verwirke mit seinem Phlegma die Chance auf eine Spitzenstellung in der Gesundheitsforschung, betonte der Sprecher für die Universitätskliniken der SPD Landtagsfraktion, Martin Rivoir.

Die Gruppe gibt die Kosten für den Zusammenschluss, etwa den Aufbau einer gemeinsamen Verwaltung, mit einem zweistelligen Millionenbetrag an. Die meisten Kosten für den Gesundheitsstandort fielen aber unabhängig von dem Zusammenwachsen der Kliniken an, erläuterte der Heidelberger Uni-Rektor Bernhard Eitel. Diese «Sowieso-Kosten» schlagen etwa für den Krankenhausneubau in Mannheim mit 800 Millionen Euro zu Buche.

Die Koalition müsse sich von der Wahrnehmung lösen, es handele sich um ein nordbadisches Regionalprojekt, sagte Hanns-Peter Knaebel, Vorsitzender des Universitätsrates in Heidelberg. Das Vorhaben gehe weit darüber hinaus. Es stärke nicht nur die bundesweite, sondern auch die internationale Konkurrenzfähigkeit des Landes. Die im Rhein-Neckar-Raum besonders starke Gesundheitsbranche mit vielen Wissenschaftlichen Instituten wie dem Deutschen Krebsforschungszentrum sowie Startups und alt eingesessenen Unternehmen könne neben Auto- und Maschinenbau zur neuen Leitindustrie im Südwesten werden.

Das Uniklinikum Heidelberg hat fast 2600 Betten sowie gut 86.000 stationäre und mehr als eine Million ambulante Patienten im Jahr. Mit 10.700 Beschäftigten ist es der größte Arbeitgeber der Region.

Im Mannheimer Haus arbeiten rund 4300 Mitarbeiter. Sie behandeln nahezu 45.000 Patienten stationär und über 170.000 ambulant.

© dpa
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