Mehr Autos und Touristen: Sorgen vor Nationalparkausbau

Dungkäfer, Dreizehenspechte, Dachpilze: Mehr als 7000 Arten kreuchen und fleuchen im Nationalpark Schwarzwald. Dieser soll erweitert werden. Davor wurden Bürger befragt: In der Region sowie im Rest des Landes - was einen deutlichen Unterschied macht.
Zwei Besucherinnen stehen auf der Aussichtplattform des Besucherzentrums des Nationalparks Schwarzwald. © Philipp von Ditfurth/dpa/Archivbild

Manche Menschen in der Region um den Nationalpark Schwarzwald sehen dessen geplante Erweiterung durchaus skeptisch. Bei einer Umfrage im Auftrag des baden-württembergischen Umweltministeriums gaben 21 Prozent von ihnen zunehmenden Tourismus als mögliches Risiko an. 14 Prozent nannten bei der offenen Abfrage nachteilige Veränderungen der Umwelt, 12 Prozent Verkehrsprobleme.

Bei den Antworten aus ganz Baden-Württemberg sind die Sorgen weniger stark ausgeprägt. Zwar liegen hier auch eine Zunahme des Tourismus und nachteilige Umweltveränderungen weit vorne, wurden aber jeweils nur von zehn Prozent der Befragten genannt. Verkehrsprobleme sehen landesweit sogar nur zwei Prozent. In beiden Fällen geht aber auch etwas mehr als ein Fünftel der Befragten davon aus, dass mit der Weiterentwicklung keine Risiken verbunden sind.

Wiederum ist gerade der Tourismus für Viele ein Argument für den Ausbau - nach Natur- und Umweltschutz. Als Attraktion für Touristen betrachten 31 Prozent der Teilnehmenden an der Forsa-Umfrage aus der Nationalpark-Region dessen Erweiterung. Bezogen aufs ganze Land waren es 20 Prozent. Ein knappes Drittel (32 Prozent) der Teilnehmenden aus den Anrainer-Gemeinden hat Interesse, den Weiterentwicklungsprozess auch mitzugestalten. Landesweit sind es nur 18 Prozent.

Das Ministerium will das 2014 eingerichtete Schutzgebiet inhaltlich und räumlich weiterentwickeln. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie die zwei Teilgebiete, aus denen das rund 10 000 Hektar große Areal besteht, ein großes Ganzes werden können. Das sei nötig, um die im Nationalparkgesetz formulierten Schutzziele besser zu erreichen.

Der Wald wird in dieser Region nicht bewirtschaftet, sondern sich selbst überlassen. Mehr als 7100 Arten wurden dort nach früheren Angaben des Ministeriums erfasst, darunter 3127 Insekten, 1527 Pilze und eine Fischart. Vor der Nationalparkgründung hatte es Diskussionen etwa wegen einer möglichen Gefahr durch Borkenkäfer gegeben.

«Wir freuen uns, dass das Interesse vor allem in der Region und bei jungen Menschen sehr groß ist, sich am Prozess der inhaltlichen Weiterentwicklung zu beteiligen», sagte Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl laut Mitteilung. Entsprechend den Wünschen der Bürger und Bürgerinnen werde es verschiedene Möglichkeiten dafür geben.

Interessierte sollen unter anderem ab Freitag auf der Internetseite www.nationalpark-schwarzwald-im-dialog.de Ideen einbringen können. Ein Bürgerforum soll die Chancen und Risiken diskutieren; Empfehlungen soll die Landesregierung im kommenden Frühjahr bekommen.

Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann (Grüne) sagte: «Die Umfrage zeigt: Der Nationalpark ist in Baden-Württemberg angekommen.» Ein Drittel der Menschen im Land habe ihn schon besucht, von den Menschen aus der Region sogar mehr als drei Viertel. «Wir haben durch die Umfrage aber auch wertvolle Hinweise bekommen, auf was wir bei einer Weiterentwicklung besonders achten sollen», sagte Baumann mit Blick auf die genannten Risiken. «All das nehmen wir sehr ernst.»

Durch die Erweiterung sollen nach Angaben des Landeswaldverbands Baden-Württemberg 3000 Hektar zusätzlicher Waldfläche aus der forstlichen Nutzung genommen werden. «Diese Erweiterungsflächen haben zurzeit eine große Bedeutung für die regionale Holzversorgung», teilte Geschäftsführerin Odile Bour am Mittwoch mit. «Wir fürchten, dass die dadurch wegfallenden Holzmengen mindestens durch überregionale oder im schlimmsten Fall durch internationale Importe kompensiert werden.» Dabei handele es sich nicht etwa um ökologisch ungewöhnlich hochwertige Flächen, «sondern um seit Generationen nachhaltig bewirtschaftete Fichtenmischwälder, die zu den produktivsten Standorten in Baden-Württemberg gehören».

Die Erweiterung des Nationalparks wird nach ihrer Einschätzung nur dann auf breite Akzeptanz stoßen, wenn sie mit allen Betroffenen erarbeitet wird und der gesamtgesellschaftliche Nutzen nach allen Abwägungen klar ist. «Dabei müssen die Vorteile der Erweiterung deutlicher herausgearbeitet werden, denn der Nationalpark ist ein wichtiges Aushängeschild der baden-württembergischen Wald- und Naturschutzkultur», so Bour. «Er trägt über die Landesgrenzen zum Renommee des Landes bei und hat erhebliche touristische Bedeutung.»

© dpa
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