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Toter und Verletzte nach heftigen Unwettern im Südwesten

Nach sehr heißen Tagen ziehen Unwetter über Baden-Württemberg. Bäume stürzen um, Bahnstrecken sind gesperrt, Zeltlager und Campingplätze müssen geräumt werden. Für einen 62-Jährigen wird das Unwetter zum Verhängnis. Entwarnung gibt es noch nicht.
Blaulicht
Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines Polizeiwagens. © David Inderlied/dpa/Symbolbild

Bei heftigen Gewittern in Baden-Württemberg am Donnerstagabend und in der Nacht ist ein Mensch ums Leben gekommen, mehrere Menschen wurden verletzt. Der 62-Jährige wurde in seinem Zelt in Hechingen (Zollernalbkreis) von einem Baum erschlagen, wie die Polizei mitteilte. Durch den Sturm sei ein Teil des Baumes entwurzelt worden und auf das Zelt des Mannes gestürzt. Eine Frau habe die Leiche am Freitagmorgen entdeckt.

In Friedrichshafen und Lindau am Bodensee mussten Hunderte Camper wegen Orkanböen in Hallen übernachten. Auch ein Pfadfinder-Zeltlager in Tuttlingen musste wegen Sturms geräumt werden. Das Kreisforstamt warnte am Freitag Waldbesucher im Schwarzwald-Baar-Kreis vor herabfallenden Ästen und eventuell noch umstürzenden Bäumen. «Wer jetzt in den Wald geht, riskiert sein Leben», hieß es auch vom Forstamt in Villingen-Schwenningen.

Ein 78-Jähriger bei Althütte im Rems-Murr-Kreis wurde am Donnerstagabend von einem umstürzenden Baum getroffen und eingeklemmt. Bei der komplizierten Rettung in einem Waldgebiet wurde auch ein Hubschrauber eingesetzt. Der Mann kam den Angaben zufolge in ein Krankenhaus.

Die brisante Wetterlage sorgte auch für die Räumung eines Zeltlagers in Friedrichshafen. Laut Polizei verbrachten rund 300 Menschen die Nacht auf Feldbetten in der Turnhalle einer Schule. Verletzt wurde niemand. Auch die 24 Jugendlichen des Zeltlagers in Tuttlingen kamen glimpflich davon. Sie und mehrere Betreuer wurden wegen einstürzender Zelte laut Stadt in Sicherheit gebracht. Die Jugendlichen wurden demnach über Nacht in einer Sporthalle untergebracht und am Freitag von ihren Eltern abgeholt.

Anders dagegen sah es in Lindau am bayerischen Bodenseeufer aus. Dort wurden laut Polizei sechs Camper verletzt, einer von ihnen schwer. Rund 900 Menschen mussten den Camping-Platz aus Sicherheitsgründen verlassen. Sie übernachteten in der Inselhalle, wie ein Polizeisprecher am Freitagmorgen sagte.

Orkanböen hatten in Lindau Geschwindigkeiten von bis zu 144 Kilometern in der Stunde erreicht, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Im nahe gelegenen Friedrichshafen waren es demnach 137 Stundenkilometer.

Bei Unwettern auf Camping-Plätzen sei es wichtig, schnell Schutz zu suchen und sich in Gebäude oder Fahrzeuge zu retten, erklärte ein Sprecher der Stuttgarter Feuerwehr. Um nicht überrascht zu werden, sollte man sich laut dem Experten vorab schon per App oder mit anderen Mitteln über die Wetterlage informieren.

Von dem Unwetter überrascht wurden in der Nacht zu Freitag zahlreiche Menschen bei einem Motorradtreffen im schwäbischen Nördlingen. Zehn Menschen seien von umherfliegenden Teilen verletzt worden, teilte die Polizei mit. Drei von ihnen kamen ins Krankenhaus. Nach Polizeiangaben hatten sich ersten Erkenntnissen zufolge bei dem Treffen auf dem Nördlinger Flugplatz auch Teile einer Bühne gelöst.

Auch auf Autobahnen und anderen Straßen kam es wegen des Gewitters immer wieder zu Unfällen. Auf der A864 im Schwarzwald-Baar-Kreis geriet ein Auto gegen die Mittelleitplanke. Drei Menschen wurden laut Polizei verletzt.

Unwetterschäden sorgten bis in den Freitag für Störungen auf Regionalbahnstrecken im Südwesten: Eingleisig befahren werden musste laut einer Bahnsprecherin auch am Nachmittag noch die Strecke zwischen Stotzigen und Albstadt. Die Lage habe sich insgesamt aber wieder beruhigt, sagte die Sprecherin.

Starkregen überflutete am Donnerstagabend in Freiburg Keller und Straßen und löste zahlreiche Feuerwehreinsätze aus. Laut DWD fiel im Schwarzwald mit bis zu 40 Litern pro Stunde der meiste Regen in Baden-Württemberg. In Freiburg waren es demnach 37 Liter in einer Stunde.

Vermutlich durch einen Blitzeinschlag geriet ein Bauernhaus in Pfullendorf (Landkreis Sigmaringen) in Brand. Es entstand ein Schaden von rund 700.000 Euro. Das Dach der Scheune sei eingestürzt, das Wohnhaus in Mitleidenschaft gezogen worden, erklärte ein Polizeisprecher. Verletzt wurde demnach niemand.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) zählte während des Unwetters am Donnerstagabend mehr als 230.000 Blitze über Baden-Württemberg. Dies sei schon eine ordentliche Anzahl, sagte ein DWD-Meteorologe am Freitag. Es habe eine sehr große Blitzaktivität gegeben, so der Experte weiter. Auch am Freitagmorgen habe es noch geblitzt - und das mehrere Tausend Mal.

Wegen der Unwetterfolgen ist die Burg Hohenzollern in Hechingen seit Freitag geschlossen und bleibt auch am Samstag zu. Die Zufahrtsstraße sei oberhalb der B27-Anschlussstelle gesperrt, teilte die Verwaltung mit. «Grund sind die Auswirkungen des Sturmes im Wald unterhalb der Burg. Viele Bäume sind umgestürzt und haben die Zufahrtsstraße, die Waldwege und Fußwege blockiert.» Außerdem bestehe weiterhin hohes Baumbruchrisiko. Es wurde empfohlen, die Wald- und Fußwege nicht zu betreten. Am Sonntag sollte die Burg voraussichtlich wieder öffnen. Besucher sollten weiterhin nicht zu Fuß durch den Wald gehen, sondern den Pendelbus vom Parkplatz zum Burg-Eingang zu nutzen.

Im Südwesten blieb es auch am Freitag unbeständig. Der Deutschen Wetterdienstes warnte für den Abend vor Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturm sowie örtlichen Unwettern.

© dpa
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