Naturschützer fordern besseren Schutz für Vögel vor Stromtod

07.07.2022 Uhus sterben dort, Störche auch und viele Tausend andere Vögel: Jahr für Jahr erleiden Vögel an Hochspannungsleitungen und Masten den Stromtod. Es gibt zwar eine Sicherungstechnik, aber die ist nicht brauchbar. Naturschützer und Netzbetreiber wollen das ändern.

Vögel sitzen vor dem blauen Himmel auf Stromkabeln. © Federico Gambarini/dpa/Symbolbild

Um das massenhafte Vogelsterben an Stromleitungen zu verhindern, müssen die Masten aus Sicht von Naturschützern weiter gegen Erd- und Kurzschlüsse gesichert werden. Hunderttausende Vögel riskierten bei der Rast auf Mittelspannungsleitungen den Stromtod, warnte der baden-württembergische Landesvorsitzende des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), Johannes Enssle. Vor allem große Vögel wie Störche, Greifvögel oder Eulen nutzten die Masten der Freileitungen zum Sitzen, Schlafen oder als Brutplatz. «Dabei laufen sie aber Gefahr, Isolatoren der Leitungen zu überbrücken oder die Leitungen kurzzuschließen», sagte Enssle.

Netzbetreiber haben zwar bereits Schutzmaßnahmen ergriffen, diese reichen aber oft nicht aus. Um das Risiko weiter zu verringern und Vögel flächendeckend in Baden-Württemberg besser zu schützen, haben sich das Landesumweltministerium, der Nabu, der Verband für Energie- und Wasserwirtschaft (VfEW) sowie mehrere Netzbetreiber zusammengeschlossen. Ihr Ziel: In drei Phasen sollen vor allem besonders gefährliche Masttypen nachgerüstet werden.

Eine entsprechende Vereinbarung soll am Donnerstag (9.30 Uhr) in Renningen (Kreis Böblingen) unterzeichnet werden - standesgemäß an einem bereits nachgerüsteten Strommast.

Nach einer Studie im Auftrag des Nabu und mit Daten von Vogelschutzverbänden sterben in Deutschland am häufigsten Weißstörche und Mäusebussarde durch Stromschläge - trotz einer Pflicht zur Entschärfung von gefährlichen Masten. Osteuropäische Kaiseradler und Sakerfalken seien durch ungesicherte Strommasten sogar in ihren Beständen bedroht, hieß es bei der Veröffentlichung der Studie Ende Juni. Kollisionen mit Leitungen töteten dem Nabu zufolge besonders viele Schwäne sowie andere Wasser- und Großvögel.

Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt bereits vor, dass Masten von Mittelspannungsleitungen nachgerüstet werden müssen. Allerdings wird keine Frist vorgegeben, außerdem haben sich bei vielen Strommasten bisherige Nachrüstungen als unbrauchbar erwiesen.

Mit der neuen baden-württembergischen Vereinbarung werden allerdings nur rund 70 Prozent des Netzes mit seinen mehr als 60.000 Kilometern Mittelspannungsleitungen durch die beteiligten Betreiber abgedeckt.

Zudem dürfte der Schutz vor dem Stromtod noch viel Zeit in Anspruch nehmen: In der ersten der drei Phasen wird ein Zeitraum von fünf Jahren vorgegeben, um zunächst besonders problematische Masten zu sichten und etwa mit speziellen Abdeckungen sicherer zu machen. Durch Vogelschutzmarkierungen an den Leitungen können diese auch für die Tiere sichtbar werden. Dadurch könnte ein Großteil der besonders zahlreichen Kollisionen verhindert werden, wie der Nabu mitteilte.

Als Vorreiter beim Vogelschutz gelten unter anderem die Niederlande, Luxemburg und Schweden. Dort werden Erdkabel eingesetzt. «Das ist sicher die beste Lösung», sagt Nabu-Landeschef Enssle. «Das ist zwar teuer, aber vor allem bei Neubauten ist es der Trend.»

Genaue Zahlen über die toten Vögel - darunter auch Störche, Rotmilane und Uhus - gibt es nicht. Die Dunkelziffer sei enorm hoch, sagte Enssle. «Die meisten Stromopfer fallen vom Mast und werden, wenn nicht schon durch den Stromschlag getötet, durch den Absturz schwer bis tödlich verletzt.» In der jüngsten Nabu-Studie gehen die Naturschützer von mindestens 1,5 Millionen getöteten Vögeln pro Jahr an Masten und Leitungen aus.

© dpa

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