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Tausende Straftaten mit Messern: Tendenz steigend

Nicht erst seit dem Messermord an einem Mädchen in Illerkirchberg wird vor der Gefahr durch Stichwaffen gewarnt. Es wird kontrolliert, es wird bestraft - aber die Zahl der Angriffe steigt weiter.
Blaulicht
Ein Streifenwagen der Polizei steht mit Blaulicht an einem Einsatzort. © Christophe Gateau/dpa/Symbolbild

In Schwäbisch-Gmünd ersticht ein Mann seinen Nachbarn, in Rheinstetten bedroht ein anderer einen Kassierer im Supermarkt und in Bietigheim-Bissingen soll ein junger Mann seine Mutter erstochen haben. Drei blutige Taten aus den vergangenen Tagen, bei allen wird ein Messer gezückt und nicht selten liegt am Ende ein Mensch am Boden. Drei von Tausenden von Fällen, bei denen im ablaufenden Jahr Menschen mit Messern überfallen, oft auch verletzt oder getötet worden sind. Allen Verboten, Kontrollen und Strafen zum Trotz werden Messer immer häufiger in Baden-Württemberg gezogen und benutzt. Nach einem starken Anstieg im vergangenen Jahr hat die Zahl dieser Straftaten im Südwesten in den letzten zwölf Monaten weiter zugelegt.

Nach Angaben des sogenannten Sicherheitsberichts des baden-württembergischen Innenministeriums wurden im Jahr 2022 insgesamt 6715 Fälle registriert, bei denen ein Messer eine Rolle gespielt hat - indem ein Angreifer es entweder dabeigehabt oder auch eingesetzt hat. In 2727 Fällen wurde das Messer bei einem Angriff genutzt. Davon gelten wiederum 1861 Fälle als sogenannte Gewaltkriminalität, also als schwere Fälle von Körperverletzung, Totschlag oder sogar Mord. Insgesamt wurden 19 Menschen durch Messereinsätze getötet. Ungeschoren kam kaum ein Täter davon, denn knapp 87 Prozent der Messerangriffe wurden laut Bericht aufgeklärt.

Abschreckend scheint das allerdings nicht zu sein: «Für das Jahr 2023 zeichnet sich ein Anstieg der Messerangriffe sowie ein Anstieg bei der Anzahl der hierbei verletzten Personen ab», teilte das Innenministerium nun mit. Das gelte auch für die Gewaltkriminalität, die sich allerdings mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre nur in geringer Weise verstärkt hat.

Messer sind leicht und eigentlich fast überall zu bekommen - und sie können extrem gefährlich sein, weil sie verdeckt getragen und unvermittelt eingesetzt werden können. «Manch einem vermittelt ein Messer ein Gefühl von Macht oder auch vermeintlichem Schutz vor Anderen», heißt es dazu auch im Sicherheitsbericht für das vergangene Jahr. Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) warnt allerdings: «Es ist ein völlig falscher Ansatz von Sicherheit, wenn man meint, sich mit einem Messer vor Angriffen schützen zu können.» Das Gegenteil sei der Fall: «Nicht selten verschärfen sich dadurch Konflikte unnötig, oftmals mit verheerenden Folgen.»

Eine Möglichkeit für Kommunen und Polizei im Kampf gegen Messer-Verbrechen sieht der Innenminister in den neuen Verbotszonen, in denen weder Messer noch andere Waffen getragen werden dürfen. Seit Oktober 2022 können diese Gebiete in den Städte eingerichtet werden. Stuttgart hat die erste ihrer Art seit Anfang Februar. In den Wochenendnächten sowie vor Feiertagen dürfen zwischen 20.00 und 6.00 Uhr keine Messer innerhalb des Cityrings sowie im Stadtgarten beim Uni-Campus Stadtmitte mitgeführt werden.

Verboten sind Messer mit einer Klinge, die länger als vier Zentimeter ist. Wer ein nicht erlaubtes Messer in der Verbotszone in Stuttgart bei sich hat, der begeht eine Ordnungswidrigkeit - die Geldbuße liegt bei mindestens 200 Euro. Wird die neue Regel mehrfach nicht beachtet, können bis zu 10.000 Euro fällig sein. Die Waffenverbotszone in der Landeshauptstadt endet zum 3. Februar 2025.

In der Mannheimer Innenstadt gilt seit einigen Wochen ebenfalls ein Waffenverbot. Am Wochenende und vor Feiertagen dürfen keine größeren Messer und andere Waffen mitgeführt werden in einer Zone vom Alten Messplatz über einen Teil der Innenstadt bis zum Mannheimer Hauptbahnhof. Die Stadt will damit auf die erhöhte Straßenkriminalität reagieren. Von 2021 auf 2022 waren die Fälle mit Messerangriffen laut Polizeilicher Kriminalstatistik in Mannheim gestiegen. Diese Entwicklung hatte sich laut Polizei vor allem im Sommer 2023 massiv verstärkt.

© dpa
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