Historisch viele Ausbildungsplätze sind unbesetzt

Keine Praktika, keine Beratung: Corona schien in den letzten Jahren ein wesentlicher Grund für die Krise der dualen Ausbildung zu sein. Nun ist die Lage im Südwesten so prekär wie nie - und die Pandemie lässt ein Experte nicht mehr als Erklärung gelten.
Ein Bauarbeiter mit einem Gasbrenner beim Bau eines Mehrfamilienhauses. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze im Südwesten hat einen Rekordwert erreicht. Zum aktuellen Lehrjahr seien über 11.300 Stellen unbesetzt geblieben, sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) am Montag bei einem Spitzengespräch zum Ausbildungsmarkt in Stuttgart. Das sei ein bedauerlicher Höchstwert. Im Vergleich zu 2021 war das ein Plus von 11,6 Prozent. Insgesamt gab es 2022 weniger gemeldete Bewerber, aber mehr Stellen.

Vor allem der Verkauf, die Hotels und Gaststätten und die medizinischen Hilfsberufen seien von der Lücke betroffen, sagte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Christian Rauch. Der Dehoga-Landesvorsitzende Fritz Engelhardt beklagte bei einem parallel stattfindenden Delegiertentag in Rust etwa, dass es Ende vorigen Jahres 9,5 Prozent weniger Azubis in seiner Branche gegeben habe als Ende 2020. Der Aderlass treffe die Branche hart.

Die mangelnde Erreichbarkeit der jungen Leute durch die Corona-Einschränkungen habe sich mittlerweile als Erklärungsfaktor erledigt, sagte Rauch. Zuletzt seien mehr Beratungsgespräche geführt worden als 2019, und auch Praktika fänden wieder statt. «Da waren wir wieder an den jungen Menschen dran.»

Stattdessen habe neben der Demografie ein Sondereffekt die Zahlen gedrückt: Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit ausländischer Staatsangehörigkeit sei in den vergangenen zwei Jahren um 20 Prozent auf 11.500 gesunken. Dieser Effekt aus der humanitären Zuwanderung der letzten Jahre habe durch die neu hinzugekommenen Bewerber aus der Ukraine nicht aufgefangen werden können: Aus dem Kriegsland waren nur 91 Menschen in der Statistik verzeichnet. Außerdem kämen aus den berufsbildenden Schulen immer weniger Bewerber, sagte Rauch weiter.

Dass die Höhe der Ausbildungsvergütung oder die Qualität der Ausbildung einen Einfluss auf das niedrige Interesse seitens der Schüler haben könnte, sahen die Teilnehmer des Spitzengesprächs vornehmlich nicht. Lediglich DGB-Landeschef Kai Burmeister mahnte eine höhere Ausbildungsqualität an. «Darüber müssen wir reden, wenn wir junge Menschen für diesen Weg gewinnen wollen - weil das spricht sich ja auch rum im Freundeskreis und im Bekanntenkreis.»

Aus Sicht des Vizepräsidenten der Unternehmer Baden-Württemberg, Thomas Bürkle, ist heutzutage vor allem der Willen der Eltern entscheidend bei der Berufswahl der jungen Leute und weniger das, was die Jugendlichen untereinander besprechen. Da helfe das Konzept «Ausbildungsbotschafter», das das Wirtschaftsministerium mit weiteren 1,1 Millionen Euro bis 2024 ausstatten will, wie ebenfalls am Montag bekannt wurde.

Im Rahmen des Modells gehen Azubis an Schulen und erzählen von ihrem Alltag. Bislang seien dadurch rund eine halbe Million Schülerinnen und Schüler erreicht worden, hieß es vom Ministerium. In Zukunft soll dabei auch ein Schwerpunkt auf die Eltern gelegt werden, etwa über den Besuch von Elternabenden.

© dpa
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