Schütteltod eines Kindes: Angeklagter weist Vorwürfe zurück

Ein Mann soll das fünfjährige Kind seiner Ex-Freundin zu Tode geschüttelt haben, nachdem es sich zuvor übergeben haben soll. Nun sagte er vor dem Landgericht Stuttgart aus.
Eine Statue der Justitia steht unter freiem Himmel. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Es war ein Liebesverhältnis, das schlimmer kaum hätte enden können: Ein fünf Jahre altes Kind starb. Ein 25-Jähriger bestritt am Montag vor dem Landgericht Stuttgart, den Sohn seiner Ex-Freundin zu Tode geschüttelt zu haben. Dem Mann wird Totschlag vorgeworfen. Der Junge war nach Angaben des Landgerichts vier Tage nach der Tat an den Folgen eines Hirnschadens gestorben.

Der Junge, der eine schwere körperliche Behinderung hatte, sei ihm sehr ans Herz gewachsen und wie ein eigener Sohn für ihn gewesen, sagte der Angeklagte. Obwohl es nicht sein leibliches Kind war, habe er sich ganz normal um ihn gekümmert. Er habe ihn gefüttert, ihm die Windeln gewechselt und mit ihm physiotherapeutische Übungen gemacht.

Der Angeklagte und die Mutter des Jungen hatten von 2017 bis 2020 ein Liebesverhältnis - mit mehreren Trennungen, wie beide am Montag aussagten. Zusammen haben beide einen Sohn, der im Dezember 2019 geboren wurde.

Im Juli 2020 sollte der Angeklagte am betreffendem Tag in Sindelfingen auf die beiden Kinder aufpassen. Die Mutter wollte nach eigener Aussage einen Großeinkauf erledigen. «Meinem Kind ging es gut», sagte die 26-Jährige über den Zustand des Fünfjährigen, bevor sie die Wohnung verließ.

Per Chatnachricht habe der Angeklagte sie kurz darauf informiert, dass der Junge sich übergeben musste - und ein Foto des Kindes dazugestellt. Sie kündigte an, schnell zur Wohnung zu kommen. Der vom Gericht öffentlich gemachte Chatverlauf zeigt auch, dass die Mutter eine weitere Nachricht an den Mann wieder gelöscht hatte. Sie könne sich nicht mehr erinnern, was sie da geschrieben habe, sagte die Frau.

Nachdem sich der Junge übergeben hatte, habe er ihn abgeduscht, sagte der Angeklagte. Der Fünfjährige sei zu dem Zeitpunkt wieder fröhlich gewesen und habe gelacht. Als die Mutter kurze Zeit später zu Hause eingetroffen war, fand sie den Jungen regungslos in einem Handtuch vor. «Ich stand da und wusste nicht, was passiert ist», sagte der Angeklagte. Der Junge konnte zunächst wiederbelebt werden, aber laut Staatsanwaltschaft waren die Verletzungen tödlich.

Der Junge habe sich regelmäßig übergeben müssen, weil er das Essen nicht vertragen habe, berichtete die Mutter. Das sei wegen der Behinderung nicht außergewöhnlich gewesen. Bereits 2018 habe es einen ähnlichen Vorfall gegeben. Der Junge musste damals mit einem «Schütteltrauma» in ein Krankenhaus gebracht werden, wie die Mutter sagte. Ermittlungen seien danach eingestellt worden, weil niemandem eine Tat zugeordnet werden konnte.

Mittlerweile ist sich die 26-Jährige sicher, dass ihr Ex-Freund schon damals für den Notfall verantwortlich gewesen ist. «Wir konnten uns alle nicht vorstellen, dass er zu so etwas fähig ist», sagte die Frau vor Gericht.

© dpa
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