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Höhepunkt einer blutigen Fehde - Prozess um Handgranatenwurf

Seit Monaten bekriegen sich zwei Gruppen in der Region Stuttgart mit brutalsten Mitteln. Bisheriger Höhepunkt der Auseinandersetzungen: Ein Handgranatenwurf auf eine Trauergemeinde im Kreis Esslingen. Nun steht der mutmaßliche Täter vor Gericht.
Angriff auf eine Trauergemeinde
Ein Polizist geht über den abgesperrten Teil an einem Tatort auf einem Friedhof. © Christoph Schmidt/dpa

Es ist der bisherige Höhepunkt einer blutigen Auseinandersetzung zweier rivalisierender Gruppen gewesen: Ein 23-Jähriger soll am 9. Juni eine Handgranate in Richtung einer Trauergemeinde auf dem Friedhof in Altbach bei Esslingen geschleudert haben. Nur durch Glück wurde ein Blutbad mit vielen Toten verhindert, dennoch wurden mindestens 15 Menschen teils schwer verletzt. Von Donnerstag an (9.15 Uhr) muss sich nun der mutmaßliche Granatenwerfer vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Iraner unter anderem versuchten Mord vor.

Hintergrund der Tat ist nach Ansicht der Ermittler eine seit vielen Monaten tobende Fehde zweier rivalisierender Gruppen im Raum Stuttgart. Der 23 Jahre alte Angeklagte soll demnach einer Gruppe aus dem Raum Stuttgart-Zuffenhausen und Göppingen nahestehen, die Trauergemeinde gehörte teils zu einer anderen Gruppe aus dem Raum Esslingen.

Aus Sicherheitsgründen findet der Prozess im streng gesicherten Saal des Oberlandesgerichts in Stuttgart-Stammheim statt. Für den Prozess sind bislang elf Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil wird nicht vor Mitte März gerechnet.

Seit einigen Monaten kommt es im Großraum Stuttgart immer wieder zu Gewalttaten, hinter denen die Ermittler die rivalisierenden Gruppen vermuten. Wiederholt wurde dabei auch auf Menschen geschossen. Vorfälle gab es unter anderem in Stuttgart-Zuffenhausen, in Plochingen, in Asperg im Kreis Ludwigsburg und in Eislingen im Kreis Göppingen. Bislang gab es nach Angaben des Landeskriminalamtes mehr als 40 Verhaftungen.

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen soll der mutmaßliche Handgranatenwerfer den Sprengkörper absichtlich gezündet und geworfen haben. Eigentlich sollte dieser auf dem Vorplatz der Aussegnungshalle landen, wo sich die Trauergemeinde versammelt hatte. Die Granate wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft jedoch «durch glückliche Umstände» abgelenkt und landete etwa 30 Meter von dem Vorplatz entfernt, wo sie auch explodierte. Die dabei freigesetzten Stahlkugeln verletzten mehr als ein Dutzend Trauergäste.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag in Altbach wurde auch Anklage gegen fünf weitere Männer wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Sie sollen dem mutmaßlichen Granaten-Werfer, der nach dem Wurf der Handgranate geflüchtet war, noch in einem auf ihn wartenden Taxi Faustschläge und Tritte verpasst und ihn aus dem Taxi gezerrt haben. Die Tatverdächtigen - zwei mit deutscher, zwei mit türkischer und einer mit georgischer Staatsangehörigkeit - sollen den 23-Jährigen auch gegen den ungeschützten Kopf geschlagen und getreten haben. Der Prozess gegen die Männer soll am 14. Dezember vor dem Stuttgarter Landgericht beginnen.

© dpa
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