Kinder missbraucht: Mehr als fünf Jahre Haft für Trainer

19.05.2022 Jahrelang missbrauchte ein Handballtrainer aus Fellbach mehrere Kinder und Jugendliche. Deshalb muss der 53-Jährige nun für einige Jahre ins Gefängnis. Den Opfern geht es dabei um mehr als Strafe.

Der Angeklagte (r) wird vor dem Beginn seines Prozesses in den Gerichtssaal geführt. © Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Es ist ein Horrorszenario: Nichtsahnend schicken Eltern ihre Kinder in die Sporthalle, zum Handball. Doch nach vielen Jahren stellt sich heraus, dass sie von ihrem Übungsleiter nicht nur trainiert, sondern auch angefasst und sexuell missbraucht wurden - so wie in Fellbach bei Stuttgart. Einen ehemaligen Sporttrainer verurteilte das Landgericht Stuttgart am Donnerstag deshalb zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und vier Monaten.

Als Handball-Coach missbrauchte der Mann nach Angaben des Gerichts seine Schützlinge in den Jahren 2006 bis 2019 mehr als 500 Mal. Darunter sind auch 13 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Sie waren 12 bis 18 Jahre alt. Darüber hinaus fanden Ermittler bei dem Angeklagten kinderpornografisches Material. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Schlussvortrag auf sechs Jahre Haft plädiert. Die Verteidigung hatte um eine Freiheitsstrafe von maximal fünf Jahren gebeten. Strafmildernd wirkte sich laut Gericht das Geständnis des 53 Jahre alten Angeklagten zum Prozessauftakt aus. Den Opfern blieb damit erspart, umfangreich aussagen zu müssen.

Ein Anwalt der Opfer sagte, er sei zufrieden mit dem Prozess - auch weil der Täter die gegen ihn erhobenen Vorwürfe einräumte. «Was wäre gewesen, wenn wir ein komplett strittiges Verfahren gehabt hätten?» Es sei bei dem Prozess ohnehin weniger um das Strafmaß gegangen, sondern eher um ein Signal an die Gesellschaft und vor allem auch an die Sportvereine.

Masturbieren und Oralverkehr - dazu kam es zwischen dem Trainer und seinen Opfern in einer Fellbacher Sporthalle. Der Mann habe sein Ehrenamt ausgenutzt, sagte der Vorsitzende Richter. Er habe die acht Jungen unter Druck gesetzt und auch durch Geschenke gefügig gemacht.

Der Angeklagte habe eine pädophile Neigung zu Jungen in der Pubertät und im heranwachsenden Alter, sagte der Richter. Psychisch erkrankt sei der Mann aber nicht. Und auch eine Rückfallgefahr sei aufgrund eines Gutachtens eher niedrig. Außerdem waren die sexuellen Handlungen mit den Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren laut Richter «einvernehmlich» - zumindest aus juristischer Sicht.

Mit Formulierungen wie «einvernehmlich» habe er so seine Schwierigkeiten, sagte ein Vertreter des betroffenen Vereins. Auch sei das Urteil für ihn emotional nicht zufriedenstellend. «Es gibt in der Sache kein Urteil, das Gerechtigkeit wieder herstellt.» Präventionsmaßnahmen setze der Verein schon länger um - noch bevor das Verbrechen des ehemaligen Jugendtrainers enthüllt wurde. Anfang Juli ist der nächste Termin: Mit Rollenspielen will der Verein verhindern, dass so etwas jemals wieder passiert.

© dpa

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