Wohnen: Jede sechste Kommune erhöht Grundsteuer

Auch das noch: Als wären die Preissteigerungen bei Energie nicht schon happig genug, kommen in über 170 Gemeinden im Land auch noch höhere Grundsteuern dazu. Doch so mancher Bürgermeister hat kaum eine andere Wahl.
Blick auf die Fassaden von Wohnhäusern. © Nicolas Armer/dpa/Symbolbild

Um 160 Prozentpunkte hat die Gemeinde Leinzell im Ostalbkreis in diesem Jahr die Grundsteuer erhöht. Das ist landesweit spitze, wie das Statistische Landesamt am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Es habe keine andere Lösung gegeben, sagte der parteilose Bürgermeister Marc Schäffler der Deutschen Presse-Agentur. «Das war die einzige Schraube, an der wir drehen konnten.»

Weil ein Fördertopf für die Sanierung der Schule plötzlich geplatzt sei, habe man ein Loch von einer Million Euro stopfen müssen. Leinzell sei mit 211 Hektar die kleinste Gemarkung im Ostalbkreis, Gewerbe habe man auch nicht viel. So blieb nur die Grundsteuer, um das Geld für die Schulrenovierung wieder reinzuholen, erklärte der Bürgermeister der Gemeinde mit gut 2000 Einwohnern.

In fast jeder sechsten Kommune im Südwesten mussten die Eigentümer von privaten und gewerblichen Grundstücken im ersten Halbjahr mehr Grundsteuer bezahlen. 171 der 1001 Gemeinden erhöhten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres den Hebesatz, teilte das Statistikamt mit. In der Spitzengruppe liegt auch die Stadt Reutlingen, die die Grundsteuer um 100 Prozentpunkte anhob. Nachbar Tübingen hat demnach den höchsten Hebesatz im Land mit 660 Prozentpunkten.

Der Bund der Steuerzahler kritisierte die Erhöhungen, weil sie das ohnehin teure Wohnen noch kostspieliger machten. «Das verfügbare Einkommen der Bürger wird somit gemindert», monierte Eike Möller, Vorsitzender des baden-württembergischen Steuerzahlerbundes. Städte und Gemeinden sollten in der Krise lieber ihre Ausgaben auf den Prüfstand stellen. Möller warnte die Kommunen, noch vor Inkraftreten des neuen Landesgrundsteuergesetz an der Steuerschraube zu drehen. Vor allem für Ein- und Zweifamilienhäuser sei durch die neuen Regeln sowieso von einer deutlich höheren Grundsteuerbelastung auszugehen.

Von 2025 an soll eine neue Grundsteuer-Berechnung gelten. Das geschieht auf Grundlage von Angaben, die Eigentümer nun einreichen müssen. Von Anfang Juli bis zum 28. September hätten 24 Prozent der über vier Millionen Eigentümerinnen und Eigentümer im Südwesten ihre Erklärung abgegeben, teilte das Finanzministerium in Stuttgart auf dpa-Anfrage mit. Offiziell haben die Immobilienbesitzer noch bis Ende Oktober Zeit. Zuletzt hatte es aber schon geheißen, dass die Erinnerungsschreiben womöglich erst Anfang nächsten Jahres rausgehen sollen.

© dpa
Weitere News
Top News
Sport news
Gefangenenaustausch: US-Basketballerin Griner aus russischer Haft entlassen
Internet news & surftipps
Katastrophenschutz: Warntag mit Fehlern: Probealarm erreicht nicht alle Handys
People news
Netflix-Doku: Medienschelte - Rassismus: Harry und Meghan klagen an
Internet news & surftipps
Urteile: EuGH: Google muss Links zu Falschinformationen löschen
Tv & kino
Klassiker: Wann läuft "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" im TV?
Tv & kino
Netflix: Doku über Harry und Meghan: Eine Eskalation in sechs Teilen
Familie
Ganz oder gemahlen? : So holt man das Beste aus Kardamom heraus
Testberichte
Test: VW ID.5 : Für Alltag und Ausflug
Empfehlungen der Redaktion
Regional baden württemberg
Finanzen: BaWü: Vergleichsweise viele Grundsteuererhöhungen
Regional sachsen anhalt
Finanzen: Wenige Kommunen in Sachsen-Anhalt erhöhten 2021 Grundsteuer
Regional baden württemberg
Neuberechnung: Bei Grundsteuer gibt es für Eigentümer im Südwesten Aufschub
Regional rheinland pfalz & saarland
Gesetzentwurf: «Pirmasens ist nicht Hannover»: Finanzausgleich im Landtag
Regional baden württemberg
Steuererklärung: Verzwickte Grundsteuer: Eigentümer bekommen Aufschub
Regional niedersachsen & bremen
Finanzen: Grundsteuer in Niedersachsen über Bundesniveau
Regional baden württemberg
Steuern: Südwesten: Verbände melden Bedenken an Grundsteuer-Regeln an
Regional thüringen
Finanzen: Studie: Nur wenige Thüringer Kommunen erhöhten Grundsteuer