Bauer will trotz Niederlage für Heidelberg Politik machen

Theresia Bauer bleibt nach der Niederlage bei der Heidelberger Oberbürgermeisterwahl nur noch ihr Landtagsmandat. Einen anderen Plan hatte die Ex-Wissenschaftsministerin nicht in der Schublade, wie sie beteuert. Die Wahlanalyse wird zeigen, wie es weitergeht.
Eckart Würzner (2.v.l., parteilos) und Theresia Bauer (l, Bündnis 90/Die Grünen) begrüssen sich. © Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Nach der Niederlage bei der Heidelberger Oberbürgermeisterwahl will sich die frühere baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer weiter politisch für die Stadt engagieren. Das werde sie mit ganzer Kraft machen, sagte die 57-jährige Grünen-Politikerin. «Ich habe Spaß an Politik, ich fühle mich auch in Verantwortung für Heidelberg. Da ist jede Menge zu tun.» Als Heidelberger Landtagsabgeordnete spielten für sie auch die kommunalen Themen weiter eine wichtige Rolle.

Bauer war am Sonntag beim zweiten Durchgang der Wahl mit rund 42,4 Prozent der Stimmen Amtsinhaber Eckart Würzner (parteilos) unterlegen. Für den 61-Jährigen hatten gut 54,0 Prozent der Heidelberger und Heidelbergerinnen votiert.

Er will nun Ruhe in den politischen Diskurs bringen und vor allem die Energiekrise und ihre wirtschaftlichen Folgen angehen, sagte der von CDU und FDP unterstützte Wahlsieger. Mit dem nach seinen Worten überraschend klaren Ergebnis könne er in die Zukunft gehen.

Bauer hatte extra ihr Amt niedergelegt, um einen Wechsel im Rathaus der Universitätsstadt zu ermöglichen. Resigniert stellte sie fest, dass diese «sozial-ökologische Alternative» von der Mehrheit der Wahlberechtigten nicht gewollt war. Die Legislaturperiode des Landtags endet planmäßig im Jahr 2026, so lange könnte sie dort Abgeordnete für den Wahlkreis Heidelberg bleiben.

Es sei ihr eine Ehre gewesen, im Wahlkampf anzutreten, sagte sie. «Jetzt wird ausgeschlafen, Stimme repariert und weitergearbeitet.» Ob sie in acht Jahren einen neuen Versuch als Oberbürgermeister-Kandidatin startet, könne sie noch nicht sagen. Dafür sei es viel zu früh, sagte die vier Mal vom Deutschen Hochschulverband zur Wissenschaftsministerin des Jahres gekürte Politikerin.

Die Partei wird analysieren müssen, ob sie mit Bauer aufs falsche Pferd gesetzt hat - oder ob es Würzner zum Beispiel doch gelungen ist, intensiver mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen.

In Heidelberg leben rund 160.000 Menschen. Die Akademikerquote in der Unistadt ist mit über 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hoch. Etwa 39 Prozent der Einwohner sind nach Angaben der Kommune jünger als 30 Jahre, knapp 16 Prozent älter als 65. Beliebt ist die Stadt mit der Schlossruine über dem Neckar auch bei Millionen von Touristen, die jedes Jahr zu Besuch kommen.

Bei der Wahl waren etwa 107.000 Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 44,2 Prozent. Im ersten Wahlgang drei Wochen zuvor hatte keiner der damals neun Kandidaten und Kandidatinnen die absolute Mehrheit von mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen. Daher wurde nun noch einmal gewählt. Björn Leuzinger von der Satirepartei Die Partei als dritter Kandidat im zweiten Wahlgang kam auf rund 3,3 Prozent der Stimmen.

© dpa
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