Heidelberg wählt Oberbürgermeister

Für Ex-Wissenschaftsministerin Theresia Bauer geht es am Sonntag ums Ganze: Sie will den Heidelberger Oberbürgermeister im Amt beerben und hat dafür ihren Regierungsjob aufgegeben. Der Rathauschef ist bei weitem nicht der einzige Konkurrent.
Blick auf den Marktplatz vorm Rathaus. © Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Rund 110.000 Heidelberger und Heidelbergerinnen können am heutigen Sonntag zur Oberbürgermeisterwahl gehen. Drei Frauen und sechs Männer haben sich für den Posten beworben. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten die ehemalige baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) und Amtsinhaber Eckart Würzner (parteilos). Er ist seit 2006 Chef im Rathaus und wird unter anderem von CDU und FDP unterstützt.

Die Wahllokale sind von 8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Wenn keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht, also mehr als 50 Prozent der Stimmen, ist ein zweiter Wahlgang nötig. Dieser wäre am 27. November. Dann würde eine einfache Stimmenmehrheit genügen.

Bauer hatte im März angekündigt, zum 25. September ihr Ministeramt niederzulegen. Es gebe keinen Rückfahrschein, sagte sie der «Rhein-Neckar-Zeitung» damals. Ihr Landtagsmandat will die 57-Jährige im Fall einer Niederlage bei der OB-Wahl aber bis zum Ende der Legislaturperiode behalten, planmäßig also bis ins Jahr 2026.

Würzner sitzt seit 16 Jahren auf dem Chefsessel im Rathaus und musste zuletzt etwa den Streit mit dem Land um die Nutzung des Ex-Knasts «Fauler Pelz» managen sowie die Suche nach einem neuen Standort für das zentrale Ankunftszentrum für Flüchtlinge. CDU-Kreisverbandschef Alexander Föhr sagte über den 61-Jährigen, dieser habe Heidelberg zu einer besseren Stadt gemacht. «Dass er kein Parteibuch hat, ist für uns kein Anlass, ihn nicht zu unterstützen.»

Würzner setzte im Wahlkampf auf Bürgernähe. Er lud Bürger und Bürgerinnen zu Gesprächen bei einer Bootstour und einer Radtour ein und besuchte Schulen. Er wird in der Stadt mit der Stadtwerke-Sanierung, einer bemerkenswerten Erhöhung der Gewerbesteuereinnahmen sowie massiver Sport- und Kulturförderung verbunden. Würzners Motto heißt denn auch, das erreichte Niveau zu halten. «Das ist nicht einfach», fügte er hinzu.

Bauer hofft hingegen auf eine Wechselstimmung nach 16 Jahren Würzner. Sie will die Stadt im Wettbewerb um Innovationen und die klügsten Köpfe als Standort für Gesundheit und Lebenswissenschaften mit Uniklinikum, Deutschem Krebsforschungszentrum und dem Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie weiter stärken. Bauer verspricht sich davon ein besseres Klima in der Stadt. «Das gilt für die Gesundheit von Mensch und Natur ebenso wie für die Kultur der Zusammenarbeit in unserer Stadt.» Ein neues Miteinander sei nötig, um Zukunftsaufgaben wie Klimaneutralität bis 2030 zu meistern. Da sieht sie Nachholbedarf. «Wir müssen ambitionierter werden und einiges beschleunigen, was in den letzten Jahren liegen geblieben ist.»

In Heidelberg leben rund 160.000 Menschen. Die Akademikerquote in der Unistadt ist mit über 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hoch. Etwa 39 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner sind nach Angaben der Kommune jünger als 30 Jahre, knapp 16 Prozent älter als 65. Beliebt ist die Stadt mit der Schlossruine über dem Neckar auch bei Millionen von Touristen, die jedes Jahr zu Besuch kommen.

Neben Bauer und Würzner stehen zwei weitere Frauen und fünf Männer zur Wahl. So werfen die Stadträte Sören Michelsburg (SPD), Bernd Zieger (Linke) und Björn Leuzinger (Die Partei) ihren Hut in den Ring. Für die Wählervereinigung «Heidelberg in Bewegung» tritt Angeliki Papagiannaki-Sönmez an. Zudem stehen die von keiner Partei unterstützte junge Unternehmerin und Künstlerin Sofia Leser, Diplomphysiker Mathias Schmitz sowie der Übersetzer und Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Sassan Khajehali, auf den Stimmzetteln.

Bürgermeisterwahlen gibt es in Baden-Württemberg in der Regel unabhängig von der Wahl des Gemeinderats. Nur in kreisfreien Städten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern - Stadtkreise genannt - und sogenannten Großen Kreisstädten ab 20.000 Einwohnern werden die Rathauschefs als Oberbürgermeister/Oberbürgermeisterin bezeichnet.

© dpa
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