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Neuer Fahrplan: Mehr Verbindungen, aber wohl teurer

Das Schienennetz ist überlastet und anfällig, die Verspätungen häufen sich, die unzufriedenen Bahnkunden sind nicht zu überhören. Bevor die Mega-Baustellen kommen, wirbt die Bahn mit neuen Fernverbindungen. Pünktlicher wird sie dadurch vorerst aber nicht - teurer wohl schon.
Deutsche Bahn
Das Logo der Deutschen Bahn (DB). © Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild

Während es auf der Schiene im Nahverkehr an mehreren Ecken und Enden klemmt, will die ebenfalls mächtig angeschlagene Deutsche Bahn mit einer steigenden Zahl von Fernverbindungen in Baden-Württemberg punkten. Der Fahrplan für das kommende Jahr enthalte so viele neue Strecken wie seit 20 Jahren nicht mehr, kündigte der Konzern an. «Durch den stetigen Zulauf neuer Züge kann die DB mehr und schnellere Verbindungen sowie deutlich mehr Sitzplätze zwischen den Metropolen anbieten», wirbt die Bahn weiter.

Die schlechte Nachricht: An der chronischen Unzuverlässigkeit im Fernverkehr wird sich erstmal nichts ändern. Denn zeitgleich soll die Bahn in den nächsten Jahren mit Milliardeninvestitionen auf Pünktlichkeit getrimmt und das veraltete Netz modernisiert werden. «Auch 2024 werden wir unsere Fahrgäste um etwas mehr Geduld bitten müssen, als ihnen und uns lieb ist», sagte der für den Fernverkehr verantwortliche Bahnvorstand, Michael Peterson, der Deutschen Presse-Agentur. Mit einer höheren Verlässlichkeit könne erst ab 2025 gerechnet werden.

Wird der Fahrplan ab dem 10. Dezember umgesetzt, geht es künftig direkt von Stuttgart nach Ostfriesland, Sylt und Innsbruck, von Mannheim lässt es sich bis nach Rügen in der Ostsee fahren. Tübingen erhält einen täglichen Intercity bis nach Ostwestfalen und aus Stuttgart gehen Züge häufiger ohne Umsteigen nach Franken.

Die wichtigsten Fahrplanänderungen für Baden-Württemberg im Detail:

- Zwischen Oberrhein und Westfalen muss der Zug künftig nicht mehr so oft gewechselt werden. Das reduziert das Risiko, den Anschluss zu verpassen. Laut Bahn fahren zwei ICE pro Tag und Richtung ab Basel und über Freiburg, Offenburg, Karlsruhe und Mannheim durch bis nach Westfalen. So fährt zum Beispiel ein ICE um 17.54 Uhr ab Freiburg bis Köln und dann neu weiter über Düsseldorf, Dortmund und Bielefeld bis nach Hannover. Zwei Stunden später geht es aus der Breisgaustadt über Düsseldorf statt Wuppertal und dann ab Dortmund weiter über Bielefeld bis nach Berlin.

- Samstags fährt künftig ein ICE schneller von Stuttgart zur ostfriesischen Küste (Norddeich Mole). Der Zug startet um 6.36 Uhr ab Stuttgart und 7.21 Uhr ab Mannheim über Düsseldorf hinaus neu weiter via Münster und Rheine sowie ab dort nonstop bis Emden, Norden und zum Fähranleger (an 12.59 Uhr). Am Nachmittag um 14.53 Uhr gibt es eine Verbindung zurück (an 21.22 Uhr). Neu ist auch der IC aus Norddeich Mole (ab 11:36 Uhr) durch das Mittelrheintal bis Mannheim und Stuttgart (an 20:06 Uhr).

- An vier Samstagen im Juli und August 2024 bringt ein TGV seine Passagiere direkt von Stuttgart nach Bordeaux und zurück. Auch das ist Folge einer Baustelle, denn in diesen zwei Monaten kann der TGV nicht wie sonst im Sommer bis Frankfurt fahren.

- Weil es laut Bahn mehr Interesse aus Stuttgart als aus dem badischen Raum gibt, wird die ICE/IC-Verbindung aus Hamburg über Marburg und Heidelberg nicht mehr in Karlsruhe enden oder starten, sondern in Stuttgart (Ankunft 15.03 und 20.57 Uhr bzw. Abfahrt 8.57 und 16.54 Uhr). Morgens fährt auch ein IC täglich von Stuttgart umsteigefrei nach Westerland auf Sylt und abends zurück. «Baubedingt ist die Direktverbindung ab Stuttgart im Jahr 2024 aber zunächst nur von 1. März bis 15. Juli 2024 realisierbar», schränkt die Bahn ein.

- Auch die bislang nur am Wochenende angebotene ICE-Direktverbindung für Mannheim, Stuttgart und Ulm über Rosenheim von und nach Innsbruck wird ausgeweitet und fährt nun täglich. Los geht's um 8.40 Uhr ab Innsbruck nach Stuttgart (an 12.43 Uhr), die Fahrt in der Gegenrichtung steht zwei Stunden später als bisher im Fahrplan, also um 19.15 Uhr ab Stuttgart nach Innsbruck (an 23.18 Uhr).

- Umsteigefrei können Bahnkunden ab März mit dem Sprinter am Wochenende nach Rügen fahren, zum Beispiel von Mannheim (8.02 Uhr) und Frankfurt (9.02 Uhr) nach Berlin und dann umsteigefrei weiter über die Uckermark, Greifswald und Stralsund bis nach Rügen (Ostseebad Binz an 17.00 Uhr).

- Tübingen wird ebenfalls mit einem IC stärker angeschlossen ans Netz. Er ist künftig statt bisher an nur fünf Wochentagen täglich und in späterer Zeitlage nach der Abfahrt (8.26 uhr) über Reutlingen, Metzingen, Nürtingen und Plochingen bis nach Hannover unterwegs. Aus Stuttgart geht die IC-Linie Karlsruhe-Stuttgart-Aalen über Crailsheim nach Nürnberg statt bisher einmal pro Tag und Richtung fünfmal täglich weiter über Bamberg und Jena nach Leipzig - und zurück. Neu ist auch eine Spätverbindung von München via Ulm nach Stuttgart (0.43/44 Uhr), die je nach Werktag mal um 22.28 Uhr, mal um 22.46 Uhr in der bayerischen Landeshauptstadt abfährt.

Höhere Preise

Der Fahrplanwechsel im Dezember bringt nicht nur mehr Angebot, sondern voraussichtlich auch höhere Preise im Fernverkehr für die Fahrgäste mit sich. «Natürlich müssen auch wir angesichts der allgemeinen Preisentwicklung über unsere Fahrpreise nachdenken», sagte Bahnvorstand Peterson. «Wir werden die Fahrgäste dazu im Oktober rechtzeitig informieren.» Mögliche Preisschritte blieben allerdings unter der Inflation, hieß es.

Unpünktlichkeit bleibt

Die Pünktlichkeitsquote der Bahn wird sich mit dem neuen Fahrplan nicht verbessern. Hauptgrund bleibt das überlastete und überalterte Schienennetz und die deshalb notwendigen zahlreichen Baustellen, die den Bahnverkehr weiter ausbremsen. «Dieses Jahr hat die Pünktlichkeit auch gelitten unter den Schwellensanierungen, die stark ins Kontor schlagen», sagte Peterson. Seit dem Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen im vergangenen Jahr überprüft und tauscht die Bahn Hunderttausende Betonschwellen aus. «Sehe ich in diesem Umfang fürs kommende Jahr nicht», betonte der Manager. Doch die Infrastruktur bleibt dringend sanierungsbedürftig.

© dpa
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