Auerhuhn Teilen des Schwarzwalds nicht mehr geschützt

Es klingt zunächst wie ein krasser Gegensatz: Windräder bauen und das Auerhuhn schützen. Die Landesregierung glaubt jetzt, einen goldenen Mittelweg gefunden zu haben. Nicht alle sehen das allerdings so.
Ein Auerhuhn fliegt durch einen Wald. © Michael Reichel/dpa/Archivbild

Das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn muss in mehreren Regionen des Schwarzwaldes nicht mehr berücksichtigt werden, wenn es um Planung und Bau von Windrädern geht. Im Gegenzug sollen Flächen besonders geschützt werden, um dort eine überlebensfähige Population der Vögel im Schwarzwald aufzubauen und zu erhalten. Umwelt- und Agrarministerium haben sich nach Angaben von Mittwoch geeinigt. «Nach der neuen Planungsgrundlage spielt der Auerhuhnschutz auf rund 15.000 Hektar Windpotenzialfläche im Schwarzwald künftig keine Rolle mehr», teilten Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) und Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) mit.

Seit Beginn eines jährlichen Monitorings im Schwarzwald 1971 ist die Population der naturschutzrechtlich streng geschützten Art von 570 auf 114 balzende Auerhähne im Jahr 2021 geschrumpft. Ihr Lebensraum hat sich durch den Klimawandel verändert, sie wird zudem gestört durch Waldwirtschaft, Tourismus und Freizeitsportler. In Baden-Württemberg leben Auerhühner nach Angaben von Umweltschützern mittlerweile nur noch im Schwarzwald - etwa 20 Prozent davon im Nationalpark.

Zuletzt seien der Ausbau der Windkraft und Schutz der Auerhühner im Schwarzwald gegeneinander ausgespielt worden, sagten Walker und Hauk. Nun gebe es eine Fläche von umgerechnet rund 21.000 Fußballfeldern ohne Einschränkungen zum Schutz des Auerhuhns. Auf diesen sogenannten windhöffigen Flächen seien «intensive und langwierige Diskussionen zum Auerhuhnschutz künftig nicht mehr notwendig», sagte Walker. Das Ziel: Verfahren sollten so schneller abgeschlossen und zusätzliche Planungssicherheit solle gewonnen werden.

Zum Schutz des Auerhuhns solle zudem das Artenschutzkonzept Aktionsplan Auerhuhn fortgeschrieben werden, sagte Hauk. Für dessen Umsetzung werde das Land künftig mehr investieren müssen als in den vergangenen Jahren.

Applaus kommt von den Naturschützern, die die klare Abgrenzung von möglichen Flächen für die Windkraft zu den Gebieten mit vorrangigem Schutz des Auerhuhns begrüßten. «Damit kann es gelingen, das Überleben dieser vom Aussterben bedrohten Vogelart bei gleichzeitigem Ausbau der Windenergienutzung zu sichern», sagte Martin Klatt, Artenschutzreferent des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu).

Die FDP sieht das anders. «Es gibt Standorte, da ist Windkraft sinnvoll und es gibt Standorte wie den Schwarzwald, wo der Artenschutz Vorrang haben muss»», kritisierte der naturschutzpolitische Sprecher der Fraktion, Klaus Hoher. Es gebe im Südwesten andere Potenziale als die Windkraft im Schwarzwald. «Stattdessen müssen wir die Potenziale von Biogas vollumfänglich ausschöpfen, den Schatz der tiefen Geothermie heben und für einen wirtschaftlichen und flächeneffizienten Ausbau der Solarenergie sorgen.»

© dpa
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