Lebenslange Haft für grausamen Mord an Mutter

Seinen Zwillingsbruder übergoss er mit Benzin und steckte ihn in Brand. Während dieser schwerst verletzt überlebte, starb die Mutter an den Folgen des Infernos. Nun erhielt der Täter die Höchststrafe.
Der Angeklagte (l) und sein Verteidiger Rüdiger Mack sitzen vor Prozessbeginn im Gerichtssaal. © Silas Stein/dpa/Archivbild

Seine 72 Jahre alte Mutter wurde in der Feuersbrunst des Einfamilienhauses so schwer verletzt, dass sie wenige Tage später starb. Sein Zwillingsbruder überlebte den Brand, den der 38 Jahre alte Angeklagte im gemeinsam bewohnten Haus gelegt hatte, schwerst verletzt.

Wegen grausamen Mordes und versuchten grausamen und heimtückischen Mordes ist ein 38 Jahre alter Mann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Rottweil stellte am Freitag zudem eine besondere Schwere der Schuld fest. Damit wird es dem Verurteilten erschwert, möglicherweise nach 15 Jahren wieder aus der Haft freizukommen. «Es war ein logisches, geplantes und zielgerichtetes Verhalten des Angeklagten», sagte der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer. (Aktenzeichen: 1 Ks 20 Js 3835/22)

Der Deutsche hatte laut Gericht im vergangenen März in Horb seinen Zwillingsbruder mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt. Münzer schilderte die dramatischen Szenen jenes Abends. Als das im Obergeschoss schlafende Opfer vom Benzingeruch wach wurde und auf den Flur hinaustrat, traf es «völlig arglos, schlaftrunken auf seinen Zwillingsbruder», sagte Münzer.

Als das Opfer dann die Benzinkanister sah und bemerkte, was vor sich ging, war eine Flucht unmöglich, weil der Angeklagte den Bruder auf der Treppe daran hinderte. Im Erdgeschoss wurde währendessen die Mutter von den lauten Geräuschen wach. Als sie aus ihrem Zimmer trat, lief sie ins Obergeschoss zu ihren Söhnen, wurde dort später vom Feuer erfasst. Zu diesem Zeitpunkt brannten mehrere Benzinkanister im Haus und das Feuer breitete sich rasch aus.

Der schwer verletzte Bruder flüchtete ins Badezimmer und verbarrikadierte sich. Sein Zwillingsbruder flüchtete in einem Fahrzeug, in dem er zuvor Schlafsack, Lebensmittel und Trinkflaschen deponiert hatte. «Er wusste ganz genau, dass seine Mutter noch oben war, Feuer fängt und zu Tode kommt», sagte Münzer.

Die Seniorin schaffte es dennoch noch alleine aus dem Haus, erlag aber Tage später ihren schweren Verletzungen an Gesicht, Armen und Rumpf. Der Zwillingsbruder des Mannes überlebte schwer verletzt. Er ist immer noch in stationärer Behandlung, hat bisher zwölf Hauttransplantationen hinter sich. «Er wird lebenslang an den Folgen tragen», sagte Richter Münzer. Auch der Angeklagte erlitt Verletzungen an der Hand.

Ein richtiges Motiv für die Tat erschloss sich dem Gericht nicht. Zwischen den beiden Brüdern habe es zwar immer wieder Streit und wegen der finanziellen Situation des Angeklagten Spannungen in der Familie gegeben. Es sei eine Summe von Kleinigkeiten gewesen, die aber letzten Endes kein Motiv bildeten. Der Angeklagte hatte vor Gericht ausgesagt, er habe es nicht zulassen wollen, dass sein Zwillingsbruder das Haus erbt.

Der nun Verurteilte ging der Polizei wenige Tage nach der Tat ins Netz, weil einer Frau ein Auto an einer Straße bei Marxzell (Kreis Karlsruhe) aufgefallen war - etwa 80 Kilometer vom Tatort entfernt. Die Zeugin hatte den Fahndungsaufruf zu dem 38-Jährigen und seinem Auto gelesen und die Polizei verständigt. Bei der Kontrolle entdeckten die Beamten den Mann im Wagen. Am Haus entstand durch den Brand ein Schaden in Höhe von 560.000 Euro.

© dpa
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