Nach Bombensprengung in Rastatt wieder normaler Zugverkehr

Auch viele Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg tauchen immer wieder Bomben bei Bauarbeiten auf. Ein aktueller Fall hatte Folgen auch für den Fernverkehr zwischen Karlsruhe und Basel.
Ein Bagger und ein Fahrzeug des Kampfmittelbeseitigungsdienstes nahe der Fundstelle. © Philipp von Ditfurth/dpa

Nach der Sprengung einer Weltkriegsbombe in Rastatt läuft der Bahnverkehr auf der Strecke Karlsruhe-Basel seit Samstag wieder planmäßig. Es gebe keine Einschränkungen mehr, sagte ein Bahnsprecher. Ein Baggerführer hatte den Blindgänger am Freitag bei Grabungen gefunden. Die Deutsche Bahn unterbrach daraufhin den kompletten Zugverkehr in Rastatt, davon waren auch ICE betroffen. Die Bombe wurde in der Nacht zum Samstag kontrolliert gesprengt. Etwa 5000 Anwohner mussten zwischenzeitig ihre Häuser verlassen. Die nahe liegende Autobahn 5 war ebenfalls vorübergehend gesperrt.

Die kontrollierte Sprengung sei nötig gewesen, weil die 80 Zentimeter lange und rund 250 Kilogramm schwere Bombe nach Einschätzung der Fachleute in einem so schlechten Zustand gewesen sei, dass sie weder entschärft noch transportiert werden könne, erklärte der für Sicherheit und Ordnung zuständige Bürgermeister Arne Pfirrmann (Freie Wähler). Dafür wurde das Gelände rund einen Kilometer um den Fundort evakuiert.

Züge aus Richtung Karlsruhe endeten beziehungsweise begannen schon seit dem Mittag in Rastatt, jene aus Richtung Offenburg endeten/begannen in Baden-Baden, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Davon betroffen waren der Nah- und Fernverkehr, also auch ICE. Busse übernahmen den Pendelverkehr, wie eine Sprecherin sagte. Nach der Sprengung kontrollierte die Bahn die Gleise und gab danach die Strecke wieder frei.

Geräumt worden war nach Polizeiangaben der Stadtteil Niederbühl, die Münchfeldsiedlung sowie der Leopoldplatz. Für Betroffene, die nicht bei Freunden oder Bekannten unterkommen können, wurden Ausweichmöglichkeiten unter anderem in der Badnerhalle eingerichtet. Wie Bürgermeister Pfirrmann sagte, waren zahlreiche Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei, der Behörden in Stadt und Land sowie vom Deutschen Roten Kreuz und dem Technischen Hilfswerk im Einsatz.

Mit Lautsprecherfahrzeugen forderten sie die Menschen am Abend auf, die Sperrzone zu verlassen. Nach Abschluss der Evakuierung sollte ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera überprüfen, dass sich dort keine Menschen mehr aufhalten, hatte Pfirrmann angekündigt.

Kurz nach Mitternacht meldete die Polizei Offenburg dann per Twitter, dass nach der erfolgreichen Sprengung der Bombe alle Sperrungen aufgehoben seien und die Anwohner wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren dürften. Auch die A5 sei wieder für den Verkehr freigegeben.

Auch viele Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg tauchen immer wieder Bomben bei Bauarbeiten auf. Bundesweit werden im Schnitt pro Jahr noch etwa 1300 Tonnen Kampfmittel gefunden. Hunderte Blindgänger werden entschärft. Die meisten stammen aus der Zeit von 1942 bis 1945, als Deutschland aus der Luft bombardiert wurde. Unklar ist, wie viel Munition noch unter der Erde liegt. Allein in Baden-Württemberg fielen im Krieg laut dem Regierungspräsidium Stuttgart 100.000 Tonnen Abwurfmunition, wovon 10 bis 15 Prozent nicht detoniert seien.

Die meisten Entschärfungen verlaufen ohne Komplikationen. Mitunter müssen Gebäude geräumt und Straßen gesperrt werden.

«Im Laufe der Jahre steigt die Gefahr der vorhandenen Kampfmittel, oft ist es dann nicht mehr möglich, diese zu entschärfen», erläuterte die Stuttgarter Regierungspräsidentin Susanne Bay am Freitag in einer Mitteilung. Deshalb müsse künftig mit mehr sogenannten Vernichtungssprengungen gerechnet werden. Bei der Behörde sind die Bomben-Experten in Baden-Württemberg zentral angesiedelt.

Im Januar vergangenen Jahres sei ein Blindgänger in Mannheim kontrolliert gesprengt worden, hieß es weiter. Rund zwei Monate später sei im März eine weitere Bombe in einem Waldstück bei Großbottwar (Landkreis Ludwigsburg) kontrolliert detoniert.

Insgesamt haben Baden-Württembergs Kampfmittelbeseitiger im vergangenen Jahr 20 Weltkriegsbomben mit einem Gewicht von mindestens 50 Kilogramm unschädlich gemacht. Das war eine weniger als im Jahr zuvor, wie das Regierungspräsidium weiter mitteilte.

Zu tun hatte der Kampfmittelbeseitigungsdienst auch wegen gefundener Munition. Im vergangenen Jahr entfernten die Fachleute mehr als 21 Tonnen aus Böden und Gewässern. 2021 waren es noch mehr als 25.000 Tonnen Kleinmunition.

© dpa
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