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Jeder dritte Neuntklässler kann schlecht lesen

Jahr für Jahr zeigen Bildungsstudien ein Absinken der Schülerleistungen, jetzt etwa bei der Lesekompetenz von Neuntklässlern. Die zuständige Ministerin freut sich, dass der Rückgang im Südwesten geringer ist, sieht aber auch große Aufgaben.
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Ein Stapel Bücher liegt in einer Buchhandlung. © Frank Rumpenhorst/dpa/Frank Rumpenhorst/Symbolbild

Die Deutsch-Leistungen von Neuntklässlern haben sich einer Studie zufolge bundesweit und auch im Südwesten verschlechtert. Das geht aus dem IQB-Bildungstrend hervor, der am Freitag zum Abschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin vorgelegt wurde. Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern sei die negative Entwicklung im Fach Deutsch im Südwesten aber deutlich abgeschwächt, hieß es aus dem Kultusministerium. Allerdings scheitern auch hierzulande 28,7 Prozent aller Neuntklässler an den Mindeststandards beim Lesen und 32,3 Prozent beim Hörverständnis - also knapp jeder dritte Schüler. Einziger Lichtblick: Im Fach Englisch werden Jugendliche laut der Untersuchung besser.

Die Studienautoren vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) nennen die bundesweite Entwicklung «in hohem Maße besorgniserregend». Allerdings stellt die Studie auch erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern fest. Bayern und Sachsen schneiden demnach besser ab, Berlin, Bremen und Nordrhein-Westfalen schwächer. Der Südwesten ist meist auf den vorderen Plätzen, liegt etwa bei der Lesekompetenz und der Orthografie der Neuntklässler klar über dem Bundesdurchschnitt.

Kultusministerin Theresa Schopper sieht die Ergebnisse der Studie als eine Bestätigung ihrer Schwerpunkte. «Es ist uns in Baden-Württemberg dank konsequenter Arbeit und unserer Konzentration auf die Erlangung der Basiskompetenzen gelungen, uns weitgehend vom negativen Trend in Deutschland abzukoppeln», sagte die Grünen-Politikerin am Freitag einer Mitteilung zufolge. Erleichterung sei aber noch fehl am Platze. Man stehe weiter vor großen Aufgaben. «Insbesondere muss es uns gelingen, den Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und familiärem Hintergrund abzumildern. Unsere nächste Aufgabe ist deshalb das verstärkte Augenmerk auf die frühe sprachliche Förderung», sagte Schopper.

Der Studie zufolge sind Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund besonders stark von den Kompetenzrückgängen im Fach Deutsch betroffen. Vor allem Jugendliche der ersten Einwanderergeneration wiesen demnach «fast durchgängig einen besonders großen Kompetenzrückstand auf», hieß es. Dem Kultusministerium zufolge hatten im Testjahr 2022 rund 46 Prozent der Neuntklässler in Baden-Württemberg einen Migrationshintergrund. Jedem müsse bewusst sein, dass die Heterogenität in den Klassen in den kommenden Jahren noch zunehmen werde, sagte Schopper.

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch nannte die Ergebnisse der Studie «besorgniserregend». «Hier positive Signale zu entdecken, hat viel mit Wunsch und wenig mit Wirklichkeit zu tun», sagte Stoch, der selbst von 2013 bis 2016 Kultusminister in Baden-Württemberg war. Aus seiner Sicht ist Baden-Württemberg weit entfernt von einer positiven Trendwende, mit einem Platz im Mittelfeld dürfe sich die Landesregierung nicht zufriedengeben.

Schopper kaschiere «die traurige Realität», wenn sie von einer «guten Platzierung» Baden-Württembergs spreche, kritisierte FDP-Bildungsexperte Timm Kern. «Das ist fast so, als würde man unsere Olympiamannschaft beim Schwimmen dafür feiern, dass niemand bei dem Wettbewerb ertrunken ist», sagte Kern. Baden-Württemberg solle sich lieber an Bayern und Sachsen orientieren, die besser abgeschnitten haben.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen einen schon länger anhaltenden und vieldiskutierten Trend: Mit den Leistungen in vielen Kernfächern geht es bergab. Im vergangenen Jahr zeigten das die schlechten Testergebnisse bei Viertklässlern in Mathe und Deutsch. Schopper hatte als Reaktion auf die miserablen Ergebnisse in den Grundschulen mehrere Gegenmaßnahmen eingeführt. So gibt es in den Grundschulen seit dem Start des neuen Schuljahres etwa eine verbindliche Leseförderung. Schülerinnen und Schüler müssen zwei Mal in der Woche laut vorlesen, zudem gibt es zusätzliche Vergleichsarbeiten, um Probleme frühzeitig erfassen zu können.

Beim IQB-Bildungstrend wird regelmäßig in großflächigen Tests überprüft, inwieweit Schülerinnen und Schüler die Bildungsstandards der KMK erfüllen. In diesen ist festgelegt, was Schüler können sollten, wenn sie eine bestimmte Bildungsetappe abgeschlossen haben.

Mehr als 30 000 Neuntklässler in Deutschland mussten in der vorliegenden Testserie Aufgaben in Deutsch und Englisch lösen - in einigen Bundesländern auch Französisch. Es war die dritte Erhebung dieser Art nach 2015 und 2009. Getestet wurde zwischen April und Juli 2022. Schulen und Klassen wurden repräsentativ ausgewählt.

© dpa
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