Beschäftigte an Unikliniken beginnen mit Warnstreiks

Im Tarifkonflikt um eine bessere Bezahlung von Pflegern und Verwaltungsmitarbeitern an Unikliniken im Südwesten erhöht die Gewerkschaft den Druck durch Warnstreiks. Die Kliniken zeigen sich verärgert. Patienten müssen mit Einschränkungen rechnen.
An einer Eingangstür zur Uniklinik weist ein Plakat auf einen Streik hin. © Stefan Puchner/dpa/Archivbild

An vier Unikliniken im Südwesten haben Beschäftigte am Montag mit einem viertägigen Warnstreik begonnen. Die Gewerkschaft Verdi möchte damit unmittelbar vor einer dritten Verhandlungsrunde an diesem Donnerstag den Druck im Tarifkonflikt erhöhen. Rund 2000 Beschäftigte beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft an den Unikliniken in Tübingen, Heidelberg, Freiburg und Ulm. «Wenn wir jetzt nicht so viel Inflation wie möglich dauerhaft ausgleichen, dann schleppen wir einen schweren Rucksack mit uns in die Tarifrunden des nächsten Jahrzehnts», sagte Verdi-Verhandlungsführerin Irene Gölz am Montag. Die Arbeitgeber könnten den Konflikt am Donnerstag mit einem anständigen Angebot beenden.

Bei den Verhandlungen geht es etwa um Pflegekräfte und Verwaltungsmitarbeiter, für die der Tarifvertrag Uniklinika Baden-Württemberg gilt. Ärzte oder wissenschaftliches Personal fallen unter andere Tarifverträge.

Patientinnen und Patienten müssen aufgrund der Warnstreiks laut Verdi mit Einschränkungen rechnen. Viele planbare Maßnahmen müssten verschoben werden. Die Kliniken liefen aber mindestens im Wochenendbetrieb, hieß es. Die Gewerkschaft hatte zuvor an allen Standorten sogenannte Notdienstvereinbarungen getroffen. Verhandlungsführerin Gölz betonte: «Das Grundrecht auf Streik gilt auch in Kliniken.» Wenn die Arbeitgeber nun sagten, der Warnstreik gehe massiv zulasten der Patientinnen und Patienten, irritiere das. «Dann wäre dies an jedem Wochenende der Fall», so Gölz.

Streiks gingen ihrer Natur nach immer zu Lasten der Patientinnen und Patienten, teilte eine Sprecherin des Arbeitgeberverbands der baden-württembergischen Uniklinika (AGU) am Montag mit. Denn in der Regel könne nur eine Notfallversorgung sichergestellt werden, aber ein Großteil des geplanten Behandlungsprogramms müsse abgesagt werden. Der AGU habe «keinerlei Verständnis» für die Warnstreiks und halte diese vor dem Hintergrund des «weitreichenden und attraktiven Angebots» des AGU als völlig unverhältnismäßig, teilte die Sprecherin mit.

Die Gewerkschaft möchte mit den Warnstreiks ein verbessertes Angebot für die rund 26.000 Beschäftigten an den Unikliniken erreichen. Verdi fordert unter anderem für Medizinisch-Technische-Assistenten sowie Pflege- und Verwaltungskräfte 10,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 375 Euro mehr pro Monat; die Laufzeit soll zwölf Monate betragen.

Das letzte Angebot des Arbeitgeberverbands sah eine steuerfreie Einmalzahlung von 4200 Euro vor sowie eine Steigerung der Vergütung um durchschnittlich sechs Prozent mit einer Laufzeit bis Ende Juli 2024.

© dpa
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