Mehr als 550 Bestattungen auf Leprafriedhof entdeckt

1632 brannte ein Gutleuthaus im Süden von Freiburg ab. Knapp 400 Jahre später stießen Bauarbeiter auf ein erstes Skelett. Immer mehr Zeugnisse längst vergangener Zeiten kamen ans Tageslicht. Und die Rettungsgrabungen brachten Fachleute zu neuen Erkenntnissen.
Archäologe Laurin Stöckert legt auf dem ehemaligen Freiburger Leprafriedhof menschliche Knochen frei. © Philipp von Ditfurth/dpa/Archivbild

Auf einem ehemaligen Leprafriedhof in Freiburg haben Archäologen Überreste von mehr als 550 menschlichen Bestattungen teils noch aus dem Mittelalter geborgen und dokumentiert. Zudem entdeckten die Fachleute nach Angaben vom Mittwoch Hinweise darauf, dass der Bereich eines ehemaligen Gutleuthauses vor dessen erster urkundlichen Erwähnung 1251 bebaut gewesen sein muss.

«Erfasst wurden zunächst die Fundamente einer kleinen Kapelle», erläuterte Bertram Jenisch vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart laut Mitteilung. Später kam das steinerne Fundament eines Wohngebäudes mit einem mehrfach erneuerten Pflasterboden zutage. Wegen der Bauweise aus Geröllen aus dem Fluss Dreisam, Keramikfunden und alten Gräbern ließen sich die Funde auf Ende des 12. Jahrhunderts datieren. «Erstmals wurden damit Baustrukturen vor den Toren Freiburgs südlich der Dreisam erfasst», hieß es anlässlich des Abschlusses der sogenannten Rettungsgrabungen.

Das sogenannte Leprosen- oder Gutleuthaus, das Leprakranke beherbergte, war während des Dreißigjährigen Kriegs 1632 abgebrannt. Bei Bauarbeiten 2020 waren erste Skelette aufgetaucht, die Experten vom Denkmalamt wurden eingeschaltet. Neben Hinweisen auf Lepra fanden sie an den Knochen nach früheren Angaben unter anderem auch Anzeichen von Syphilis, Tuberkulose, Meningitis, Rachitis und Mangelernährung. Zudem entdeckten sie die sterblichen Überreste von französischen Soldaten, die den Erkenntnissen zufolge bei der Belagerung Freiburgs 1744 während des österreichischen Erbfolgekriegs gefallen waren.

Experten aus Konstanz reinigen, vermessen und analysieren die Knochen. Im Landesamt kümmert man sich um die sonstigen Funde wie Sargnägel, Amulette und Überreste von Rosenkränzen.

Die Lepra ist eine der ältesten bekannten Infektionskrankheiten. Das Bakterium Mycobacterium leprae befällt nach Angaben der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe Haut und Nervensystem. Im Verlauf bilden sich Beulen und Knoten auf der Haut und auf Dauer Nervenschäden, Betroffene verlieren das Gefühl in Händen oder Füßen. Einen Impfstoff gibt es nicht, Lepra ist aber mit Hilfe von Antibiotika heilbar.

Während die Krankheit in Deutschland vor 300 Jahren verschwand, infizieren sich jedes Jahr weltweit Hunderttausende Menschen neu - vorwiegend in tropischen und subtropischen Ländern der Südhalbkugel.

© dpa
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