Ermittlungen wegen Corona-Toter in Pflegeheim weiter offen

Während der Corona-Pandemie sorgte ein Rastatter Pflegeheim wegen vieler Toter für Schlagzeilen. Das wurde sogar zum Politikum. Seit Monaten ermittelt außerdem die Staatsanwaltschaft. Wird es zur Anklage kommen?
Ehemaliges Senioren-Pflegeheim in Rastatt
Außenaufnahme eines damaligen Pflegeheims, in dem es coronabedingt zu Todesfällen gekommen ist. © Uli Deck/dpa/Archivbild

Die Ermittlungen nach einem Corona-Ausbruch mit mehreren Toten in einem Rastatter Pflegeheim sind weiter offen. Es sei noch keine Entscheidung getroffen worden, ob und gegebenenfalls gegen wen und wegen was Anklage erhoben werde, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Baden-Baden mit. «Die abschließende Verfügung ist in Bearbeitung.» Der Fall war sogar Thema im Sozialausschuss des Landtags gewesen. Die Heimaufsicht hatte zwischenzeitlich verboten, neue Bewohner aufzunehmen.

Bei einer zweistelligen Zahl an Bewohnerinnen und Bewohnern, die während der Pandemie-Hochphase 2021/2022 an oder im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben waren, prüft die Staatsanwaltschaft nach früheren Angaben den Anfangsverdacht, dass sich der Erreger auch wegen unzureichend eingehaltener Hygienestandards ausbreiten konnte. Es gehe um mehrere Mitarbeitende mit leitender Funktion.

Die Vorwürfe lauteten vorsätzliche oder fahrlässige Körperverletzung und Freiheitsberaubung. «Unzureichende Wundversorgung, unzureichende Behandlung von Erkrankungen, fehlerhafte Versorgung mit Medikamenten und freiheitsentziehende Maßnahmen ohne richterliche Genehmigung stehen hier im Raum», hatte die Staatsanwaltschaft erklärt. Dabei gehe es um Vorwürfe, Heimbewohner seien ans Bett fixiert worden.

Der Betreiber Kursana hat einen kausalen Zusammenhang zwischen den beanstandeten Mängeln und der Verbreitung des Coronavirus im Haus stets zurückgewiesen - und tut dies auch heute noch. Trotz einer Impfkampagne mit Infoabenden und mehreren Impfterminen hätten sich von den gestorbenen Bewohnern, die im Schnitt weit über 80 Jahre alt gewesen seien, elf gar nicht oder nur einmal impfen lassen, keiner sei geboostert gewesen, hatte es damals geheißen.

Eine Sprecherin teilte auf aktuelle Anfrage hin mit: «Kursana ist bereit, die vor dem Hintergrund des Corona-Ausbruchs 2021/2022 laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft weiterhin vollumfänglich zu unterstützen.»

Das betroffene Heim hatte seinen Betrieb Ende April dieses Jahres eingestellt. Einen Zusammenhang mit den Ermittlungen gab es nicht. Die Kursana-Sprecherin erläuterte: «Der Pachtvertrag der Immobilie war nach zwanzig Jahren Betrieb ausgelaufen.» Bei einer Kapazität von 100 Plätzen seien zuletzt noch 52 Senioren betreut worden. «Alle Bewohner haben neue Unterkünfte in der Umgebung gefunden, die meisten im benachbarten Kursana Domizil Gaggenau.»

© dpa
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