Mutmaßlicher Geiselnehmer nutzte Schreckschusswaffe

Nach der Geiselnahme in Karlsruhe ermittelt die Polizei mit Hochdruck. So viel wissen die Ermittler inzwischen: Der 20-Jährige war bei seiner Tat allein und mit einer Schreckschusswaffe bewaffnet. Viele Fragen sind jedoch noch offen.
Polizeieinsatz wegen möglicher Geiselnahme in Karlsruhe
Ein Einsatzwagen der Polizei steht an einer Polizeiabsperrung. © Christoph Schmidt/dpa/Archivbild

Der mutmaßliche Geiselnehmer in einer Karlsruher Apotheke hat seine Opfer mit einer Schreckschusswaffe bedroht. Es habe sich um eine Pistole oder einen Revolver gehandelt, mit dem man jedoch keine tödlichen Verletzungen verursachen könne, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Der 20 Jahre alte Verdächtige habe die Tat am Vorabend in der Innenstadt nach jetzigen Erkenntnissen allein begangen. Der anfängliche Verdacht, der Mann könne eine Mittäterin gehabt haben, habe sich nicht bestätigt: «Der 20-Jährige hat allein agiert.» Von den anfangs elf Geiseln hätten sich neun relativ schnell in dem Gebäude verstecken können. Zwei Menschen seien danach weiter in der Gewalt des Verdächtigen gewesen.

Der Verdächtige sollte im Lauf des Samstags einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Polizei richtete eine Ermittlungsgruppe mit zehn Beamten ein. Der polizeibekannte 20-Jährige hatte die Geiseln fast fünf Stunden lang in seiner Gewalt. Schließlich erfolgte der Zugriff durch Spezialkräfte. Alle Geiseln und der Täter blieben körperlich unverletzt.

Nach Angaben des Innenministeriums waren bei der Geiselnahme 350 Kräfte im Einsatz - neben Polizisten des Präsidiums Karlsruhe auch eine Verhandlungsgruppe des Polizeipräsidiums Mannheim, eine Beratergruppe des Landeskriminalamtes und Spezialkräfte des Polizeipräsidiums Einsatz. «Den Menschen, die sich stundenlang in der Gewalt des Geiselnehmers befanden, wünsche ich, dass sie keine psychischen Folgen davontragen werden und das Geschehene schnell verarbeiten können», sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) nach Angaben einer Sprecherin. Strobl dankte den Einsatzkräften für ihren umsichtigen Einsatz, der Schlimmeres verhindert habe.

Aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Polizei bislang keine Angaben zu möglichen Forderungen des Geiselnehmers, etwa zu Lösegeld. Auch ob es sich bei den Geiseln um Kunden und Mitarbeiter der Apotheke handelte, konnte ein Sprecher zunächst nicht sagen.

Die Apotheke war am Tag nach der Tat telefonisch nicht erreichbar. Kunden konnten aber nach Beobachtungen eines dpa-Reporters Medikamenten-Bestellungen an einer Nebentür abholen. Der Haupteingang war mit Brettern verschlossen. Auf Fotos war zersplittertes Glas auf dem Boden des Geschäfts zu sehen.

Die Tat hatte am Freitag gegen 16.30 Uhr begonnen. Polizeisprecher Dennis Kohl sagte, dass aus der Apotheke mehrere Notrufe eingingen und nur zwei Minuten später erste Polizisten am Tatort waren. Die Beamten sperrten das Gebiet weiträumig ab. Dann habe man versucht, mit dem Geiselnehmer in Verhandlungen einzutreten. Nach fast fünf Stunden, gegen 21.10 Uhr, stürmten Spezialkräfte die Apotheke und beendeten die Geiselnahme.

Der mutmaßliche Täter wurde überwältigt und festgenommen. Der deutsche Beschuldigte war kein Unbekannter für die Polizei: Er sei in der Vergangenheit unter anderem wegen Gewalt- und Eigentumsdelikten aufgefallen, sagte Kohl.

Die Geiseln hätten nach der Rettung umgehend Hilfsangebote bekommen, auch ein Notfallseelsorger war da. Kohl betonte: «Man mag sich nur am Rande vorstellen können, wie es den Menschen geht, die sich über mehrere Stunden in dieser Ausnahmesituation befanden.»

© dpa
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