Gasmangel: Sorgen in Industrie und Politik um Arbeitsplätze

07.07.2022 Der Südwesten sorgt sich um Arbeitsplätze, sollte Russland den Gashahn abdrehen. Gassparen schone nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern helfe auch beim Erhalt von Arbeitsplätzen, heißt es aus der Industrie.

Ein Gaszähler hängt im Keller eines Einfamilienhauses. © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Im Südwesten mehren sich angesichts eines möglichen Gasmangels die Sorgen um Arbeitsplätze. Ein russischer Lieferstopp würde eine Rezession wahrscheinlicher machen, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Donnerstag. «Viele Industriearbeitsplätze wären dadurch bedroht.» Das gelte gerade für Baden-Württemberg mit seinem starken Wertschöpfungsanteil des produzierenden Gewerbes.

Erdgas werde in unterschiedlichen Branchen wie der Chemie-, Papier-, Glas-, Stahl-, Metall-, Lebensmittel- und Textilindustrie verwendet, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Gebraucht werde es für spezielle Herstellungsprozesse wie zum Schmelzen, Härten, Verformen und Trocknen.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut sagte, sie stehe in ständigem Austausch mit Unternehmen, Netzbetreibern und Energieversorgern. In den Gesprächen sei deutlich geworden, dass es ein Nord-Süd-Gefälle geben könnte, so dass die Unternehmen des Landes schlimmstenfalls am Ende der Versorgungslinie weniger Gas bekommen könnten als jene, die am Anfang stünden. Sie rufe daher den Bund auf, alles dafür zu tun, dass die Wirtschaft im Südwesten im Ernstfall mit gleich viel Energie versorgt werde wie Unternehmen im Norden.

Für den baden-württembergischen IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger ist klar, dass bei einem Ausbleiben der Gaslieferungen aus Russland etliche Unternehmen den Betrieb nicht aufrechterhalten könnten. Welche Auswirkungen das für die Beschäftigten hätte, werde sich zeigen. Mit Kurzarbeit könne vieles aufgefangen werden. Tatenlos zuschauen werde die Gewerkschaft aber nicht. Man sei «derzeit intensiv dabei, gemeinsam mit den Betriebsräten, von den Unternehmen klare Fahrpläne zu verlangen».

Von der Bundesregierung forderte der Gewerkschafter, dass weitere Entlastungen auf den Weg gebracht werden. Konkret forderte er auch einen Gaspreisdeckel für den Grundbedarf der Haushalte und eine Senkung der Stromsteuer. Mit Blick auf die Betriebe müsse die Politik und die Bundesnetzagentur alles daran setzen, dass bei einem Gasmangel der Südwesten nicht vergessen werde.

Der Vizepräsident des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertages, Stefan Roell, sagte, es nütze nichts, wenn private Haushalte genügend Wärme hätten, dafür aber Arbeitsplätze nicht mehr da seien. «Jeder, der spart, hilft.» Das helfe nicht nur auf der eigenen Rechnung, sondern auch dem Arbeitsplatz.

Am Dienstag hatte bereits Ministerpräsident Winfried Kretschmann vor dramatischen Folgen eines Gasmangels im Winter für Arbeitnehmer und Verbraucher gewarnt. «Da geht es im Ernstfall um Tausende von Arbeitsplätzen.»

© dpa

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