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Energiekosten sind Problem für viele Unis

Die Universität Stuttgart sperrt im Januar die Hörsäle für zwei Wochen. Um Energie zu sparen finden die Vorlesungen digital statt. Auch andere Hochschulen im Land haben Energie-Probleme - die meisten schließen aber Online-Betrieb vorerst aus.
Energiekrise - Unis wollen mehr Geld
Studenten sitzen in einer Vorlesung in einem Hörsaal. © Jens Kalaene/dpa/Archivbild

Vor dem nahenden Winter bereiten höhere Energiekosten und Sparvorgaben beim Energieverbrauch den Universitäten im Land Kopfzerbrechen. So hat die Universität Stuttgart vor einigen Tagen aus diesem Grund entschieden, im Januar zwei Wochen lang auf Online-Vorlesungen umzustellen. «Das ist nicht schön, das gebe ich zu», sagt Rektor Wolfram Ressel am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Aber auch mit der Schließung werde man die Landesvorgaben nicht erfüllen können. Nach Ressels Meinung sind diese unrealistisch. Die Umstellung sei daher auch ein Zeichen in Richtung Politik: «Ich gebe offen zu: Es ist auch eine Symbolmaßnahme.»

Dennoch sei der Schritt notwendig angesichts der Vorgaben des Landes, 20 Prozent weniger Energie zu verbrauchen. Speziell in Stuttgart spielten energieintensive technische Anlagen eine Rolle, wie das Rechenzentrum in Stuttgart-Vaihingen. Das stellt nicht nur die Universität in der Landeshauptstadt vor eine Herausforderung. Die Universitäten fordern vom Land eine großzügigere Beteiligung an zusätzlichen Energiekosten. Das Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg hatte zugesagt, 40 Prozent der zusätzlichen Energiekosten zu übernehmen.

Uni Stuttgart will Heizkosten für 57 Hörsäle einsparen

Das reiche aber nicht aus, betonte die Landesrektorenkonferenz (LRK) auf Anfrage. Nach Angaben des Zusammenschlusses der neun Universitäten im Land beliefen sich die Energie-Mehrkosten im Jahr 2022 im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 auf 14 Millionen Euro.

«Wir werden die Universität nicht schließen», betont Rektor Ressel. Nur Vorlesungen sind von der Entscheidung betroffen. Kleine Seminare, die voraussetzten, dass die Studierenden persönlich zusammenkämen, blieben unberührt. In diesem Zeitraum sollen die Heizkosten für insgesamt 57 große Hörsäle eingespart werden, die über ein zentrales Heizsystem miteinander verbunden sind. Stuttgart ist vorerst die einzige Universität, die diesen Weg geht, um Energie zu sparen.

Stuttgart stellt als einzige Uni zeitweise auf Online-Betrieb um

Die acht weiteren Universitäten im Land planen aktuell nicht, zeitweise auf digitale Vorlesungen umzustellen. Obwohl bei der Universität Hohenheim nach eigenen Angaben noch unklar ist, ob die Energiesparvorgaben eingehalten werden können, wolle man den Präsenzbetrieb beibehalten. «Wir versuchen, möglichst nah an die 20 Prozent heranzukommen», sagt Sprecher Florian Klebs. Um effektiv Energie sparen zu können, müsste aber in Baumaßnahmen und moderne Technik investiert werden. «Hierfür kämpfen wir seit vielen Jahren unermüdlich», sagt Rektor Stephan Dabbert. Das Land habe allerdings keine Lösungen parat, um den Sanierungsstau bei den Hochschulen abzubauen.

«Die Kostensteigerungen für die Universität aufgrund der Energiekrise sind auf jeden Fall enorm und eine deutliche Herausforderung für den universitären Haushalt», sagt Jürgen Graf, Pressesprecher der Universität Konstanz. Trotzdem sei im Wintersemester kein Online-Betrieb geplant, auch nicht zeitweise. «Die Lehre findet weiterhin vorwiegend in Präsenz beziehungsweise hybrid statt.» Die Universitätsleitung will die weitere Entwicklung abwarten und sich vorbehalten, flexibel darauf zu reagieren.

Universitäten haben unterschiedliche Möglichkeiten

«Die Universitäten haben die Landespolitik seit dem Jahr 2022 immer wieder darauf hingewiesen, dass die Energiekostensteigerung aus ihren regulären Mitteln nicht zu tragen ist, ohne dass es zu weitgehenden Einschränkungen des Studien- und Forschungsbetriebs kommen muss», sagte LRK-Chef Thomas Puhl, Rektor der Universität Mannheim.

Nach Auskunft des Wissenschaftsministeriums wird sich der Ministerrat voraussichtlich noch in diesem Herbst mit der finanziellen Entlastung der Universitäten bei ihren energiepreisbedingten Mehrkosten befassen. Im Fokus stehe das Jahr 2023. «Für 2024 kann es ja noch keine Daten geben, und im Jahr 2022 sind die Unis vergleichsweise glimpflich davongekommen», heißt es aus dem Ministerium.

Die Gespräche mit dem Ressort verlaufen Rektor Puhl zufolge positiv. «Wir hoffen, dass die Landesregierung unsere Notlage anerkennt und die Funktionsfähigkeit der Universität im laufenden und den kommenden Jahren gesichert bleibt.»

Die Universität Mannheim stehe aus mehreren Gründen besser da als andere Universitäten im Land. Von Ende Dezember bis Anfang Februar finden aufgrund der abweichenden Semesterzeiten dort keine Lehrveranstaltungen statt. Deshalb müssen große Hörsäle während dieser energieintensiven Heizperiode nicht beheizt werden. «Jetzt zahlt sich das energetisch aus», sagt Thomas Puhl. Zudem sei das Gebäude technisch gut ausgerüstet und habe energiesparende Heizsysteme.

Dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) fällt es ebenfalls schwer, die geforderten 20 Prozent Einsparung beim Wärme- und Strombedarf zu erfüllen. Das liegt an der technischen Ausrichtung und den Forschungsanlagen, die viel Energie verbrauchen, wie Rektor Oliver Kraft mitteilt. Trotzdem sei dies im vergangenen Jahr gelungen. Der Studienbetrieb soll im kommenden Winter regulär von Weihnachten bis zum Feiertag Heilige Drei Könige ausgesetzt werden. «Wir werden jedoch die Schließzeit nicht verlängern und nach den Feiertagen wieder zum üblichen Präsenzbetrieb zurückkehren», sagt Kraft.

Die Universitäten Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm teilten auf Nachfrage mit, dass vorerst kein Online-Betrieb geplant ist.

© dpa
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