Mit Biomüll gegen Putin: Staatssekretär fordert Mülltrennung

Die Menschen im Land produzieren nicht mehr ganz so viel Müll wie zu Hochzeiten der Pandemie, aber immer noch tonnenschwere Berge. Problem ist, dass noch zu wenig getrennt wird im Südwesten - und wertvolle Rohstoffe einfach in die Luft geblasen werden.
Eine Frau legt eine Tüte mit Restmüll in eine Mülltonne. © Bernd Weißbrod/dpa/Bildarchiv

Auch wegen des Kriegs in der Ukraine und der drohenden Energiekrise hat Umweltstaatssekretär Andre Baumann die Menschen im Land zu mehr Mülltrennung aufgerufen. «In der Restmülltonne sind Schätze vergraben», sagte der Grünen-Politiker am Montag in Stuttgart. «Das ist unser Gold, der Restmüll.» Noch immer seien zwei Drittel der Abfälle in der Restmülltonne Wertstoffe oder Bioabfälle, die recycelt werden könnten. Biomüll leiste einen massiven Beitrag für die Energiewende. «Aus Bananenschalen wird Erdgas hergestellt, dann brauchen wir weniger Putin-Gas.» Baumann meinte damit, dass das durch Müll gewonnene Biogas in das Erdgasnetz geleitet werden kann.

Der Anteil der vergorenen Bioabfälle müsse unbedingt weiter gesteigert werden, forderte Baumann - im Moment betrage die sogenannte Vergärungsquote lediglich 67 Prozent. Die Quote müsse auf 100 Prozent gesteigert werden. «Das ist viel zu kostbar, um verbrannt zu werden.» Derzeit könnten im Land 230.000 Menschen mit Strom und Wärme aus Bioabfall versorgt werden, künftig sollen es 400.000 sein. Das sei ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz, sagte der Staatssekretär. Es gäbe immer noch drei Landkreise ganz ohne Biotonnen in Baden-Württemberg.

Mülltrennung führe zudem zu geringeren Müllgebühren, sagte Baumann. Die Abfallgebühren im Südwesten gehörten bereits zu den niedrigsten in ganz Deutschland, im Schnitt rund 48 Cent pro Tag und Vier-Personen-Haushalt. Die Jahresabfallgebühren für einen solchen Haushalt seien gegenüber 2021 zwar um 2,07 auf 173,71 Euro gestiegen, aber der Zuwachs liege mit 1,2 Prozent deutlich unter der Inflationsrate.

Baumann plädierte auch für den Einsatz von Mülldetektiven, «dass man den Leuten auch mal in die Tonne reinguckt» - besonders in Mehrfamilienhäusern mit geringer sozialer Kontrolle. Er selbst spiele ab und an den ehrenamtlichen Mülldetektiv bei sich zu Hause und werde gegenüber Nachbarn auch mal deutlicher.

Im ersten Corona-Jahr wuchs der Müllberg der Baden-Württemberger massiv an, weil die Leute nicht so viel unterwegs waren, sondern mit Homeoffice, Homeschooling und Balkon-Urlaub viel Zeit daheim verbrachten. Im zweiten Corona-Jahr ist die Müllmenge in den baden-württembergischen Haushalten wieder leicht gesunken. Laut Abfallbilanz kamen pro Kopf im vergangenen Jahr 364 Kilogramm Abfall zusammen - das waren etwa vier Kilo weniger als 2020. Damals war die Menge häuslichen Abfalls je Einwohnerin und Einwohner auf Jahressicht um rund 13,5 Kilogramm gestiegen. Auch im zweiten Corona-Jahr lag sie immer noch etwa neun Kilo über dem Niveau von 2019 vor der Pandemie.

Den größten Batzen machten im vergangenen Jahr Wertstoffe aus
Haushalten mit 162 Kilogramm je Einwohner und Einwohnerin aus (minus 6 Kilogramm), gefolgt von Haus- und Sperrmüll (144 Kilo, minus 1,5). Die Abfälle aus der Biotonne hingegen kletterten um 3 auf 58 Kilogramm.

Insgesamt kümmerten sich die öffentlich-rechtlichen Entsorger 2021 um 11,95 Millionen Tonnen Abfälle. 2020 mussten sie noch 12,24 Millionen Tonnen entsorgen. Den Landkreisen sei es ein zentrales Anliegen, die kommunale Abfallwirtschaft konsequent am Klimaschutz auszurichten, kommentierte der Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg, der Tübinger Landrat Joachim Walter, die Abfallbilanz. Die Treibhausgasimmissionen im Sektor Abfall seien seit 1990 um rund 77 Prozent abgesenkt worden.

Mit ihrer Abfallberatung verfolgten die Landkreise das Ziel, wieder auf das Müllmengenniveau von 2019 zu kommen und dieses zu unterbieten, sagte Walter. «Denn auch unter Klimaschutzgesichtspunkten ist der beste Abfall der, der gar nicht erst entsteht.»

© dpa
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