Steinmeier zwischen Rottweil und Krieg in der Ukraine

07.06.2022 Hoher Besuch in Rottweil: Bundespräsident Steinmeier sucht in der ältesten Stadt Baden-Württembergs die Nähe zur Bevölkerung. Doch der Krieg in der Ukraine wirft auch hier seine Schatten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Innenstadt von Rottweil. © Silas Stein/dpa

In der jüdischen Synagoge in Rottweil sucht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Gespräch mit einer jüdischen Familie, die vor dem Grauen des Krieges in der Ukraine geflüchtet war. Sie stammt aus Kiew - Vater, Mutter und neun Kinder. Zwei Söhne sind Rabbiner, wurden hier von der jüdischen Gemeinde aufgenommen und werden seither von ihr betreut.

«Wir alle sind Zeugen dieses brutalen Überfalls Russlands auf die Ukraine», sagte Steinmeier am Dienstag im Gebetsraum der 2017 eröffneten neuen Synagoge der Stadt. Die Geschäftsführerin der Israelitischen Kultusgemeinde, Tatjana Malafy, übersetzte während des Gesprächs. «Rottweil ist sehr freundlich zu den Juden.»

An den Krieg in der Ukraine war Steinmeier zuvor schon erinnert worden. Nach seinem Besuch im Rathaus und dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt wurde er gefragt, was er dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sagen würde, wenn es zu einem Treffen käme. Die kurze Antwort: «Im Augenblick habe ich keine Neigung, ihn zu treffen.»

Am Mittag war der Gast von Oberbürgermeister Ralf Broß (parteilos) vor dem Schwarzen Tor, das durch den Rottweiler Narrensprung bekannt ist, in Empfang genommen worden. Viele Menschen nutzten die Gelegenheit für Fotos mit dem Staatsoberhaupt.

Frank-Walter Steinmeier sei auf dem Boden geblieben und habe den Bezug zur Bevölkerung nicht verloren, sagte die 91-jährige Gabriele Piecha. «Ich wünschte mir, wir hätten mehrere dieser Art. Das täte Deutschland gut.» Am Schwarzen Tor sprach Steinmeier eine am Fenster stehende Anwohnerin an, die das Geschehen von dort aus beobachtete: «Wohnen Sie da privat?» Sie bejahte. Daraufhin Steinmeier: «Donnerwetter!»

Der Besuch des Bundespräsidenten sei eine große Ehre für Rottweil, betonte Broß. «Der Bundespräsident kann aus Rottweil sicherlich ermutigende Beispiele bürgerschaftlichen Engagements und neue Ideen mitnehmen, wie wir unsere Demokratie fit für die Zukunft machen können.»

Noch bis Donnerstag bleibt Steinmeier in Rottweil; hier geht er auch stundenweise seinen Amtsgeschäften nach. Die Stadt ist nach Altenburg (Thüringen) und Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) die dritte Station der Reihe «Ortszeit», die seine zweite Amtszeit prägen soll. «Ortszeit heißt, dass ich in unregelmäßigen Abständen für jeweils drei Tage meinen Amtssitz außerhalb von Berlin wahrnehme», erklärte Steinmeier. Ziel sei es, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Am Nachmittag wollte Steinmeier noch unter anderem den Rottweiler Testturm für Hochgeschwindigkeitsaufzüge besuchen, wo auf der Besucherplattform ein Gespräch mit Bürgern geplant war.

© dpa

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