VfB ist startklar und erwartet Karazor zurück

Der VfB Stuttgart schließt die Vorbereitung mit einem klaren Sieg über den FC Valencia ab. Zentrales Thema ist aber die Haftentlassung von Atakan Karazor. Der Mittelfeldspieler ist nach rund sechs Wochen wieder frei, seine Vorgesetzten stellen sich demonstrativ vor ihn.
Atakan Karazor vom VfB Stuttgart reagiert im Spiel. © Tom Weller/dpa/Archivbild

Sven Mislintat baute eine Art imaginären Schutzschild auf. «Für uns ist hundertprozentig klar, dass der Junge bei uns mittrainiert und ein Spieler von uns ist», sagte der Sportdirektor des VfB Stuttgart über den aus der Untersuchungshaft in Spanien entlassenen Mittelfeldspieler Atakan Karazor. «Das ist ein Mensch, der noch nicht mal angeklagt ist», so der 49-Jährige. «Fakt ist: Wenn es irgendwann zur Anklage käme, dann muss man sich das anschauen. Aber so lange das nicht so ist, ist das ganz klar unser Spieler, unser Junge.» Karazors Freilassung war das zentrale Thema des Wochenendes beim Fußball-Bundesligisten, der zudem eine gelungene Generalprobe für den Pflichtspiel-Auftakt kommenden Freitag hinlegte.

«Ein positiver Test» sei das gewesen, sagte Trainer Pellegrino Matarazzo nach dem 5:2 (2:1) gegen den spanischen Erstligisten FC Valencia in der Stuttgarter Arena am Samstagnachmittag. Tiago Tomás (16. und 44. Minute), Silas Katompa Mvumpa (46.), Neuzugang Juan José Perea (58.) und Darko Churlinov (90.) sorgten mit ihren Toren für den fünften Sieg im fünften Vorbereitungsspiel der Schwaben. Marcos André (30., 55.) traf zweimal für die Gäste. Statt einzelner Spieler wolle er lieber «die Mannschaft, die Einheit» loben, meinte Matarazzo. Die sportlichen Fragen der Reporter waren aber ohnehin zügig beantwortet.

«Ich freue mich, dass er bald wieder zu uns stoßen kann», betonte der VfB-Coach, als es dann um die Causa Karazor ging. Der 25-Jährige ist wieder auf freiem Fuß und wird nach ein paar Tagen bei der Familie im Ruhrgebiet kommende Woche zurück in Stuttgart erwartet. Er werde dort zunächst leistungsdiagnostische und medizinische Tests absolvieren, teilten die Schwaben mit. Auf dieser Grundlage und nach persönlichen Gesprächen werde dann über seine Rückkehr ins Training entschieden.

Zum laufenden Verfahren äußert sich der VfB weiter nicht. Von seiner ersten telefonischen Kontaktaufnahme zum Spieler berichtete Mislintat aber. Karazor solle sich «die Zeit nehmen, die er braucht, um sacken zu lassen was da überhaupt passiert ist», sagte der Sportdirektor. «Dann wird er in zwei, drei, vier Tagen hier auftauchen.» Und dann werde man sehen, «wann wir das in Training lenken können». Der Fitnessrückstand, den der Mittelfeldmann mitbringen dürfte, ist das eine. Die psychischen Spuren, die ein wochenlanger Aufenthalt im Gefängnis womöglich bei einem Menschen hinterlassen, sind das andere.

Karazor war vor rund sechs Wochen auf der spanischen Urlaubsinsel Ibiza festgenommen worden. Mittlerweile ist er gegen Zahlung einer Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die Kaution beträgt 50 000 Euro, wie das Landgericht der Balearen mitteilte. Der Fußballer, gegen den wegen der «mutmaßlichen Straftat der sexuellen Nötigung» ermittelt werde, dürfe Spanien verlassen. Er müsse für das Gericht, das den Freilassungsbeschluss gefasst hat, aber zur Verfügung bleiben und sich regelmäßig melden. Zudem dürfe er sich dem mutmaßlichen Opfer nicht nähern und mit ihm auch nicht kommunizieren. Dem Stuttgart-Profi droht weiter eine mehrjährige Freiheitsstrafe.

Nach Angaben des VfB von Mitte Juni bestreitet Karazor jede strafbare Handlung. Was ihm vorgeworfen wird, wollte der Club bisher nicht sagen. Karazor hatte sich vergangene Saison zu einer Stammkraft im Mittelfeld entwickelt. Die Vorbereitung auf die neue Spielzeit hat er infolge seiner Festnahme bislang komplett verpasst. Am Freitag im DFB-Pokal bei Drittligist Dynamo Dresden steht für die Stuttgarter das erste Pflichtspiel an. Zumindest abseits des Rasens könnte Karazor bis dahin in den Kreis seiner Kollegen zurückgekehrt sein.

© dpa
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