Neuer VfB-Coach Labbadia: Nur ein Retter oder mehr?

Länger als beim VfB Stuttgart hat Bruno Labbadia noch nie als Trainer in der Bundesliga gearbeitet. Dennoch wird seine Rückkehr kontrovers diskutiert. Ein Rückblick auf seine Stationen.
Bruno Labbadia schaut in die Ferne. © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/POOL/dpa

Bruno Labbadia eilt der Ruf des Retters voraus. Auch als Feuerwehrmann wird er betitelt. Der 56-Jährige gilt als ein Trainer, der zu einem Club in Notlage kommt und ihn vor dem Abstieg bewahrt. Das hat er bisher immer geschafft. Auch beim VfB Stuttgart muss er nun ein erneutes Debakel vermeiden. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass der VfB dieses Jahr die Klasse halten wird»,  sagte Stuttgarts Ehrenspielführer Guido Buchwald der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag und versuchte, Optimismus zu verbreiten. «Dann ist es wichtig, mittelfristig etwas aufzubauen, damit wir in naher Zukunft mal wieder etwas weiter nach oben schielen können», forderte er.

Zwar hält auch der frühere VfB-Profi Karlheinz Förster die Labbadia-Rückholaktion für «eine gute Entscheidung». Die Verpflichtung von Vorstandschef Alexander Wehrle und dem neuen Sportdirektor Fabian Wohlgemuth wird allerdings kontrovers diskutiert. Momentan scheint es den VfB-Verantwortlichen nicht um die Entwicklung der Mannschaft zu gehen, sondern insbesondere um Ergebnisse.  Labbadia auf die Rolle des Retters zu reduzieren, greift allerdings zu kurz. Das hat er bei anderen Fußball-Bundesligisten bewiesen, auch wenn er bei keinem so lange durchhielt wie beim VfB. Ein Überblick: 

Bayer Leverkusen (07/2008 - 06/2009): Bei seiner ersten Bundesliga-Station zog Labbadia direkt ins Pokalfinale ein. In der Liga brach Bayer nach einem starken Start und der Tabellenspitze im Herbst ein. Der neunte Platz stand am Ende zu Buche. «Ich war zu ungeduldig», sagte der Coach im Nachhinein. Er verließ den Club ein Jahr vor Vertragsende.

Hamburger SV (07/2009 - 04/2010): Bei seiner Premiere in Hamburg äußerte Labbadia den Wunsch, beim HSV «langfristig zu arbeiten».  Doch schon nach 51 Spielen und unmittelbar vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Europa League gegen den FC Fulham war die erste Amtszeit in Hamburg schon wieder vorbei. In der Liga hatte der HSV unter Labbadia die starke Rückrunde nicht bestätigen können.

VfB Stuttgart (12/2010 - 08/2013): Den VfB, der bis zum Engagement von Labbadia nur zwölf Punkte auf dem Konto hatte, bewahrte er vor dem Abstieg. Noch besser: Labbadia schaffte es mit den Schwaben in der Spielzeit darauf in die Europa League. Das gelang anschließend keinem anderen VfB-Coach. 2013 erreichte Labbadia das Pokalfinale, in der Kritik stand er in der Saison aber trotzdem schon. «Die Trainer sind nicht die Mülleimer von allen Menschen», sagte er im Oktober 2012 in Richtung Fans und Medien. Nicht einmal ein Jahr später musste er sich verabschieden. 

Hamburger SV (04/2015 - 09/2016): Labbadia verhinderte bei seiner zweiten Amtszeit den ersten Abstieg des Traditionsvereins und wurde in der einzigen kompletten Saison mit der Mannschaft Zehnter. Doch die Euphorie war trotzdem schnell wieder dahin. Trotz großer Investitionen in den Kader gelang dem HSV in den ersten fünf Bundesliga-Spielen der darauffolgenden Saison kein Sieg. Labbadia erfuhr am Telefon von seiner Beurlaubung. 

VfL Wolfsburg (02/2018 - 06/2019): Bei den Niedersachsen erreichte Labbadia die 50-Spiele-Marke. Obwohl viele Fans schon mit dem Abstieg gerechnet hatten, führte Labbadia den VfL zum Klassenerhalt. Er formte ein Team, das sich für Europa qualifizierte. Doch die Chemie zwischen ihm und Geschäftsführer Jörg Schmadtke stimmte nicht. Labbadia verlängerte seinen Vertrag nicht. 

Hertha BSC (04/20 - 01/21): Der Club aus der Hauptstadt hatte große Ansprüche. Und es ging auch vielversprechend los, denn besser als Labbadia startete noch nie ein Trainer bei der Hertha. Er beendete die von der Corona-Pandemie stark beeinflusste Saison als Zehnter. In der Sommerpause wurde in den Kader viel Geld investiert. Das Ergebnis war jedoch ernüchternd. Im Januar mussten der Coach und Sportgeschäftsführer Michael Preetz gehen.

© dpa
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