Freiburg feiert: Und Streich bleibt Streich

Der SC Freiburg geht als Bayern-Jäger Nummer eins ins neue Jahr. Trainer Streich blickt stolz auf den «Wahnsinn» von 2022 zurück, mahnt aber auch. Die Gründe für den Aufschwung sind vielfältig.
Freiburgs Trainer Christian Streich macht nach dem Spiel Fotos mit den Fans. © Tom Weller/dpa

Christian Streich wollte den Moment am liebsten festhalten. Nicht nur auf dem Handy, so wie er es für ein paar Fans auf der Tribüne getan hatte. «Wahnsinn, was wir alles erlebt haben», sagte der Trainer des SC Freiburg. Um nur kurz später hinterherzuschieben: «Ich hätte gerne, dass es so bleibt. Das wird es aber nicht.»

Streich wäre nicht Streich, würde er nicht auch inmitten der Euphorie, mit der sich die Freiburger in die WM-Pause der Fußball-Bundesliga verabschiedet haben, mahnend den Zeigefinger heben. Er wolle die Situation jetzt «genießen», sagte er nach dem krönenden Abschluss gegen Union Berlin (4:1) am Sonntag. Dann wolle er «üben, dass man sich selbst den Druck nicht zu groß macht, weil man denkt, dass es so bleiben muss.»

Mit dem Sprung auf den zweiten Tabellenplatz der Bundesliga endete für die Breisgauer ein unglaubliches Fußball-Jahr. Viele fragten sich nach dem erstmaligen Einzug ins DFB-Pokalfinale, der emotionalen Reise mit zigtausend Fans nach Berlin und der Qualifikation für die Europa League in der Rückrunde der Vorsaison, ob der SC dieses Niveau wohl halten kann.

Die bisher 23 Pflichtpartien der aktuellen Spielzeit, von denen der SC gerade einmal drei verlor, haben gezeigt: Er kann. Die Freiburger überwintern in beiden Cup-Wettbewerben, haben sich als Top-Team in der Liga etabliert und gehen als Bayern-Jäger Nummer eins ins neue Jahr. 30 Punkte nach 15 Bundesliga-Spieltagen hatten sie zuvor noch nie.

Die Gründe sind vielfältig. Ein Wort, das in der Erfolgsstory des SC immer wieder auftaucht, ist Kontinuität. Auch «in den schwierigen Zeiten, den Abstiegskämpfen und bitteren Niederlagen sind viele wichtige Leute aufrecht stehen geblieben», sagte Streich. Nur so habe man «sukzessive Dinge nach vorne entwickeln» können.

Der Trainer, Sportvorstand Jochen Saier, Sportdirektor Klemens Hartenbach und Finanzchef Oliver Leki etwa arbeiten schon seit vielen Jahren eng zusammen, überlassen sich aber komplett ihr jeweiliges Feld. Der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich Breit habe mit ihm noch nie über Fußball, er mit Breit aber eben auch nicht über Finanzen reden wollen, erzählte Streich. «Das ist ein Symbol dafür, wie hier gearbeitet wird», betonte der 57-Jährige.

Auf dem Platz gehören langjährige Leistungsträger wie WM-Fahrer Christian Günter oder Mittelfeldantreiber Nicolas Höfler zu diesen Symbolen. Auch die hätten sich weiterentwickelt, sagte Streich. «Es wäre mir lieb, wir könnten sie einfrieren, und sie würden nicht mehr älter werden», scherzte er. Vincenzo Grifo, der weder in Hoffenheim noch Mönchengladbach glücklich wurde, beim SC nun aber schon in der dritten Bundesliga-Saison in Serie (mindestens) neun Tore erzielt hat, zählt auch dazu. Oder Innenverteidiger Philipp Lienhart.

Dazu haben die im Sommer verpflichteten Ritsu Doan und Michael Gregoritsch sowie der zurückgekehrte Matthias Ginter, der genau wie Günter mit der deutschen Nationalelf zur WM reist, voll eingeschlagen. «Wir ergänzen uns sehr gut, sind außerhalb vom Platz richtig gute Freunde», sagte Kapitän Günter bei DAZN über den besonderen Teamgeist der Freiburger.

Die im Wechselspiel mit ihren Fans eine Atmosphäre erzeugen, die viele nach dem Umzug vom altehrwürdigen Dreisamstadion ins neue und weniger romantische Europa-Park Stadion vermutlich so nicht erwartet hätten. «Eine sehr, sehr coole Geschichte» sei das, mit diesem Erfolgserlebnis in die Winterpause zu gehen, sagte Stürmer Gregoritsch nach dem nächsten Festtag gegen Union. Bleibt Streich Streich und Freiburg auf dem Teppich, kommen im neuen Jahr womöglich noch ein paar schöne Kapitel dazu.

© dpa
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