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Bombendrohung zum Ferienstart: Schulen im Südwesten geräumt

Einsatzkräfte rücken aus, schicken Schüler nach Hause, durchsuchen Klassenzimmer nach Sprengstoff: Im Südwesten halten Bombendrohungen die Polizei in Atem. Die Hintergründe sind unklar.
Blaulicht
Ein Polizei-Blaulicht leuchtet über einem Absperrband mit der Aufschrift «Polizeiabsperrung». © David Inderlied/dpa/Illustration

Nach Bombendrohungen hat die Polizei am Freitag in Baden-Württemberg mehrere Schulen und eine Hochschule geräumt. Drohungen gingen am Freitag an Schulen in Schorndorf ein, später auch in Fellbach und Waiblingen (alle drei im Rems-Murr-Kreis). Auch ein Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen und eine Schule in Göppingen erreichte eine Drohmail. Alle Schulen wurden durchsucht, die Gebäude geräumt. Grundsätzlich müsse die Polizei jede Drohung ernst nehmen, sagte ein Polizeisprecher. In Mannheim wurde die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit geräumt.

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) verurteilte die Bombendrohungen aufs Schärfste. «Wie hier mit Ängsten von Schülerinnen und Schülern und den Lehrkräften gespielt wird, ist unerträglich», sagte die Grünen-Politikerin. «Nach den Jahren der Pandemie und angesichts von Krisen und Kriegen in der Welt herrscht ohnehin schon genug Unsicherheit an den Schulen.» Die Schulleitungen arbeiteten eng mit der Polizei zusammen. Sie wünsche den Schülerinnen, Schülern, Lehrkräften und Eltern trotz allem erholsame und möglichst friedliche Herbstferien.

In Schorndorf, Fellbach und Waiblingen sei man mit einem Großaufgebot vor Ort gewesen, berichtete die Polizei. Die Schülerinnen und Schüler in Schorndorf seien in der Stadtkirche sowie im Alten Rathaus untergebracht worden, die Schüler in Fellbach in der örtlichen Festhalle. Die Schüler in Waiblingen hätten sich zunächst am Sportplatz gesammelt und seien dann nach Hause geschickt worden. Die Schulen seien nach verdächtigen Gegenständen abgesucht worden - die Einsatzkräfte konnten allerdings nichts finden.

Nach einer Bombendrohung räumte die Polizei auch die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim. 150 Studierende hätten das Gebäude verlassen müssen, bestätigte ein Polizeisprecher. Auch an die Hochschule sei eine Drohmail versandt worden.

Unbekannte schickten am Morgen auch an eine Schule in Göppingen eine «E-Mail mit bedrohlichem Inhalt», wie die Polizei mitteilte. Die Beamten räumten das Gebäude und durchsuchten die Schule im Stadtbezirk Faurndau. Es gab keine Hinweise auf eine Gefährdung.

Das Innenministerium berichtete, dass bislang alle Polizeipräsidien autark an den Fällen arbeiteten. Man habe das noch nicht zusammengezogen, weil sich bisher die Ernsthaftigkeit der Drohungen nicht bestätigt habe, sagte eine Sprecherin. «Wir beobachten das akribisch und prüfen die Drohungen jedes Mal auf Echtheit», sagte eine Sprecherin. Man nehme jede Drohung ernst. Bezüge zum Konflikt im Nahen Osten konnte die Sprecherin nicht bestätigen.

SPD-Innenpolitiker Sascha Binder forderte eine Zusammenziehung der Ermittlungen an zentraler Stelle. «Wir müssen genug Know-How und Kapazitäten einsetzen, um die Urheber dieser Drohungen schnell zu ermitteln», sagte er. «Nur so wird sich auch herumsprechen, dass man nach so einer Tat nicht ungeschoren davonkommt.» Die Androhung von Attentaten sei eine Straftat. «Und eine Welle von Nachahmungstaten ist ein echtes Risiko», sagte Binder.

Diie Deutsche Polizeigewerkschaft sprach von einem hohen personellen Aufwand für die Polizei. «Aber Sicherheit geht immer vor», sagte der Landesvorsitzende Ralf Kusterer. Man tue alles, um Schüler und Lehrer zu schützen. Auch wenn eine solche Mail nicht ernst gemeint sein sollte, handle es sich keinesfalls um ein leichtes Delikt, sagte Kusterer: «Wenn sich da einer einen Spaß macht, kann das zu harten Strafen führen - und zu finanziellen Folgen.»

Auch in anderen Bundesländern halten seit mehreren Tagen Bombendrohungen die Behörden in Atem. Besonders im Fokus sind Schulen. Die Urheber sind unbekannt, die Hintergründe unklar. In einigen Fällen wurden in den Schreiben Bezüge zur islamistischen Hamas sowie zum Gaza-Krieg hergestellt, aber auch der Ukraine-Konflikt war Thema.

«Wenn das nun wochenlang die Schulen begleitet, ist das eine richtige Hausnummer», sagte der Geschäftsführer der Bildungsgewerkschaft GEW im Südwesten, Matthias Schneider. Schule müsse stattfinden. Der Fachkräftemangel beim Lehrpersonal sei schon schlimm genug. «Aber wenn von außen jemand versucht, Schulen lahmzulegen, dann muss man reagieren.» Jeder Einzelfall müsse ernst genommen werden. Auch die GEW habe kein Patentrezept. Aber: «Die ausgefallene Unterrichtsstunde ist weniger schlimm als wenn Menschen ums Leben kommen.»

Schneider sprach von einer Riesenbelastung für Schüler und Lehrkräfte. «Selbst ein Fehlalarm kann eine Belastung sein.» Er hoffe, dass die Schülerinnen und Schüler gut unterstützt würden von Schulpsychologen. Er habe den Eindruck, dass die Schulen gut vorbereitet seien auf die Lage - insbesondere seit dem Amoklauf an einer Schule in Winnenden im Jahr 2009.

«Es ist erschreckend und absolut infam, Kinder und Eltern mit solchen Drohungen zu verunsichern. Die Drohungen verbreiten Angst, und leider ist dies genau das, was die Urheber mit ihren Drohnachrichten bewirken wollen», sagte Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull am Freitag. Sie sprach von einem traurigen Ferienbeginn. «Schulen sollten ein geschützter Raum sein, ein Raum zur Entfaltung, zum Lernen und zur Entwicklung.»

Auch Göppingens Oberbürgermeister Alexander Maier zeigte sich betroffen. Er bezeichnete die Bombendrohung als «inakzeptablen Akt», der die Sicherheit und das Wohlergehen der Gemeinschaft gefährdet habe. «Glücklicherweise handelte es sich um eine falsche Bedrohung, und es wurden keine gefährlichen Gegenstände gefunden.» Es sei von größter Bedeutung, dass man als Stadt und Gemeinschaft in solchen Fällen zusammenstehe.

© dpa ⁄ Nico Pointner, dpa
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