Sirenengeheul und Handyschrillen: Zweiter Warntag

Auf dem Handy, im Radio oder auf dem Bahnsteig, teils auch auf der Straße: Am zweiten bundesweiten Warntag ist erneut das Warnsystem auf die Probe gestellt worden. Die erste Bilanz ist positiv. Aber es gibt noch Lücken und viel Arbeit.
Eine Elster sitzt auf einer Sirene auf einem Hausdach. © Patrick Pleul/dpa/Symbolbild

Sirenen heulen, Handys schrillen: Nach deutlichen Pannen beim ersten bundesweiten Warntag vor zwei Jahren ist in Baden-Württemberg erneut unter anderem mit Sirenen-Alarm der Ernstfall geprobt worden. Neben dem Heulton der Sirenen wurden am Donnerstag um 11.00 Uhr auch Hinweise über installierte Warn-Apps wie Nina oder Katwarn auf Handys gesendet. «Auch wenn die Fachleute den Warntag nun zunächst mit der nötigen Sorgfalt bewerten müssen, lässt sich sagen, die großen technischen Probleme des ersten Warntages waren Vergangenheit», bilanzierte Innenminister Thomas Strobl (CDU).

Beim bundesweiten Warntag testet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), wie gut die technische Infrastruktur funktioniert. Erstmals wurde dabei über das Cell Broadcast System eine Warnung über die Mobiltelefone verbreitet. Die Entwarnung kam um 11.45 Uhr, zum Teil auch etwas später. BBK-Präsident Ralph Tiesler sagte danach, das System habe gut funktioniert. Am frühen Nachmittag zog er eine erste positive Bilanz, räumte jedoch ein, dass es womöglich «an der einen oder anderen Stelle Verbesserungsbedarf» geben könne.

Bei «Cell Broadcast» geht eine Benachrichtigung an jedes Handy, das zu diesem Zeitpunkt Empfang hat. Unter anderem in Japan und den USA versenden die Netzbetreiber schon seit Jahren Nachrichten auf diesem Weg. Aus Sicht von Vodafone war der erste Test des neuen Katastrophen-Warnsystems in Deutschland «ein voller Erfolg». Das Unternehmen teilte mit: «Wir werden nun alle Erkenntnisse aus dem Warntag auswerten und für die weitere Optimierung des neuen Warnsystems bis zum Start des Regelbetriebs in 2023 nutzen. Dann sollen auch mehr ältere Endgeräte in das Warnsystem einbezogen werden als heute bei der ersten Testwarnung.»

Gewarnt werden sollte am Donnerstag auch über Radio und Fernsehen und über Warn-Apps wie Nina. Die Warnung sollte zudem auf Stadtinformationstafeln zu lesen sein.

Allerdings war bereits zuvor klar, dass viele Sirenen auch am zweiten Warntag stumm bleiben würden. Großstädte wie Freiburg verzichteten bewusst auf Sirenenproben, in anderen Gemeinden gibt es nur noch wenige oder gar keine Sirenen mehr, die funktionieren. Auch Heidelberg, Stuttgart und Göppingen hatten bereits vorab angekündigt, keine Sirenen heulen zu lassen.

Wie wichtig die Warnung im Ernstfall aber sein kann, hatte sich etwa während der Flut-Katastrophe im Sommer 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auf tragische Weise gezeigt. Damals waren einige Menschen nicht rechtzeitig vor den herannahenden Fluten gewarnt worden. Teilweise wurde zu spät evakuiert, teils weigerten sich Bewohner, ihre Häuser zu verlassen, da sie das Ausmaß der Katastrophe unterschätzten.

Das Sirenensystem ist aber auch in Baden-Württemberg noch enorm lückenhaft. Vielerorts waren die Anlagen nach dem Ende des Kalten Krieges abgebaut worden, weil man glaubte, sie nicht mehr zu benötigen. Inzwischen hat ein spätes Umdenken stattgefunden. Der Bund unterstützt die Länder zwar finanziell bei der Aufstellung neuer und der Modernisierung alter Sirenen, die Mittel sind nach Angaben der baden-württembergischen Kommunen aber bei weitem nicht ausreichend. Dem Südwesten wurden 11,6 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Beim ersten bundesweiten Warntag am 10. September 2020 war einiges schief gelaufen. Unter anderem kam die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Smartphones an. Wäre es tatsächlich ein Ernstfall gewesen, hätten viele Bürger nichts mitbekommen. Das Bundesinnenministerium hatte den Probealarm deshalb damals als «fehlgeschlagen» bezeichnet.

Für eine umfassende Analyse des jetzigen Warntags sei es wenige Stunden danach noch zu früh, erklärte Strobl am Nachmittag. Es sei aber gelungen, aus dem ersten Warntag zu lernen. Die Erfolge bemisst der Minister auch anhand seines eigenen Handys: «Die Warn-App Nina und der neue Warnkanal Cell Broadcast haben pünktlich auf meinem Mobiltelefon angeschlagen - die Systeme funktionieren», berichtete er. «Ein schöner Erfolg für einen zukünftigen Ernstfall.»

© dpa
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