Karlsruher Zoo berät nach Vogelgrippe-Fall Kollegen

Im Frühjahr sah es im Karlsruher Zoo aus wie an einem Tatort: Menschen in Ganzkörper-Schutzanzügen nahmen mit Stäbchen Kotproben für Datenanalysen. Die Vogelgrippe hatte den Tierpark heimgesucht. Nun könnten Kollegen in Berlin von den Erfahrungen profitieren.
Marco Roller, Zootierarzt beim Karlsruher Zoo, nimmt bei einer abgetrennten Zierenten-Vogelgruppe, die nicht mit der Vogelgrippe infiziert ist, Kotproben. © Uli Deck/dpa/Archivbild

Nach dem Fall von Vogelgrippe im Berliner Zoo helfen die Karlsruher Kollegen mit ihren Erfahrungen aus dem Frühjahr. Damals hatte rund zweieinhalb Monate lang Ausnahmezustand geherrscht, fast alle Vögel waren nach Arten getrennt abgeschirmt worden. Mehr als vier Wochen schloss der Zoo komplett. Dank einer Ausnahmegenehmigung mussten aber keine infizierten Tiere vorsorglich getötet werden - eine deutschlandweit bis dahin einmalige Entscheidung und ein Testlauf auch für andere Tierparks.

Nun stünden die Fachleute mit dem Berliner Zoo im Austausch, sagte eine Sprecherin. Das geschehe aber nur per Mail und Telefon. Die Tierärzte kümmerten sich weiter in Karlsruhe um die dortigen Tiere.

Der Berliner Zoo war am Freitag geräumt worden und ist bis auf weiteres geschlossen. Bei einem gestorbenen Hammerkopf wurde den Angaben nach die Vogelgrippe nachgewiesen. Die oft auch Geflügelpest genannt Erkrankung kann durch verschiedene sogenannte aviäre Influenzaviren ausgelöst werden. In Vogelbeständen kann sie sich leicht ausbreiten - für diese Tiere ist es eine tödliche Gefahr.

Anfang Februar war die hochansteckende Form der Vogelgrippe im Karlsruher Zoo nachgewiesen worden - mutmaßlich eingeschleppt durch ein in Freiheit lebendes Tier, das auf das Gelände geflattert war. Etwa 90 der rund 700 Vögel aus dem Bestand infizierten sich, 27 starben. Davon betroffen waren vor allem Hawaiigänse und Pelikane.

Unter hohen Sicherheitsmaßnahmen kümmerten sich die Zootierärzte sowie zahlreiche Tierpflegerinnen und -pfleger um die Vögel. Diese waren zwischenzeitlich in mehr als zwei Dutzend Einheiten voneinander getrennt und teils in Ställen untergebracht. Erst nach zig ausschließlich negativen Tests konnten die letzten Einschränkungen wie Desinfektionsmatten an Eingängen, Absperrungen vor Volieren und die Schließung des Exotenhauses aufgehoben werden.

Seither gab es laut der Sprecherin keinen neuen Vogelgrippe-Fall.

«Das Beispiel im Zoo Karlsruhe zeigt, dass es auch Hoffnung für das Überleben großer Teile der Vogelbestände geben kann», teilte der Verband der Zoologischen Gärten auf dpa-Anfrage zu dem Fall in Berlin mit. Allerdings sei der Aufwand zur Eindämmung der Seuche sehr hoch. Grundsätzlich gebe es immer wieder Fälle von Vogelgrippe in Zoos - wegen der Hitzeempfindlichkeit des Virus normalerweise in der kalten Jahreszeit. «Die letzten uns bekannten Fälle traten auf im Tierpark Greifswald, im Zoo Heidelberg sowie im Zoo Karlsruhe.» Ursachen, Verlauf und Bekämpfung seien in den einzelnen Zoos und Tierparks sehr unterschiedlich.

© dpa
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