Länder wollen Vorschlag für Nachfolge für 9-Euro-Ticket

Das 9-Euro-Ticket läuft erst einmal aus. Bei den Verkehrsverbünden im Land war es gefragt. Sie hoffen nun, dass der ein oder andere Nutzer langfristig auf Bus und Bahn umsteigt.
Ein für Juni gültiges 9-Euro-Ticket. © Frank Rumpenhorst/dpa/Illustration

Die Verkehrsminister der Länder fordern den Bund auf, «zeitnah» einen tragfähigen und nachhaltigen Vorschlag für eine Nachfolge des 9-Euro-Tickets vorzulegen. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte am Freitag in Stuttgart nach einer Videoschalte der Verkehrsminister, die Ressortchefs der Länder seien sich einig, dass eine solide Grundfinanzierung des ÖPNV viel wichtiger sei als ein bundesweites, günstiges Ticket-Angebot.

Die Länder fordern zudem, dass der Bund deutlich mehr Geld für den ÖPNV zur Verfügung stellt. Zusätzlich zu der bislang schon geforderten Erhöhung der sogenannten Regionalisierungsmittel um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr fordern die Minister wegen der hohen Energiepreise für die Jahre 2022 und 2023 jeweils weitere 1,65 Milliarden Euro.

Wenige Tage vor dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets haben zahlreiche Verkehrsverbünde im Südwesten von einer regen Nachfrage nach dem Ticket berichtet. Zugleich setzten sie darauf, dass der eine oder andere Nutzer nun auf Bus und Bahn umsteigt. Ein Sprecher vom Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbund sagte: «Natürlich hoffen wir aber auch, dass uns das 9-Euro-Ticket einige neue dauerhafte ÖPNV-Nutzer bringen wird.» Ob es ein Nachfolgeangebot geben wird, wird derzeit diskutiert.

Ein Sprecher des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) sagte, die Nachfolgeregelung müsse sauber kalkuliert werden und für die vertriebliche Umsetzung müsse ausreichend Zeit eingerechnet werden. Sie müsse zugleich dauerhaft vom Bund finanziert werden. Beim VVS wurden nach einer ersten Hochrechnung 1,8 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft. Hinzu kamen jeden Monat mehr als 350 000 Abos, die umgestellt worden sind, wie ein Sprecher mitteilte. Insgesamt wurden rund 3 Millionen Tickets ausgegeben.

Die Stadtbahnen, S-Bahnen und Busse seien voller als sonst gewesen, hätten aber noch ausreichend Kapazitäten gehabt. Grundsätzlich wird im Sommer der Öffentliche Personennahverkehr dem Sprecher zufolge geringer genutzt als im Winter. Dagegen waren viele Regionalzüge sehr stark besetzt und teilweise überfüllt. Als Beispiele wurden Züge zum Bodensee, nach Nürnberg oder Karlsruhe genannt.

Der Regio-Verkehrsverbund Freiburg hat einer Schätzung zufolge mehr als 500 000 der Billig-Tickets verkauft. Die Zahlen der Deutschen Bahn sind darin nicht enthalten. Nach Ende des verbilligten Angebots gehe man davon aus, dass sich die Auslastung auf ein ähnliches Niveau, wie vor dem Ticket einpendele, teilte ein Sprecher mit.

Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) teilte mit, dass erste Ergebnisse im Monat Juni daraufhin deuteten, dass rund 20 Prozent bisherige ÖPNV-Nichtnutzer das Ticket gekauft hätten. «Entscheidend wird sein, wie viele der neuen 9-Euro-Ticket-Nutzer perspektivisch den öffentlichen Personennahverkehr auch nach dem Aktionszeitraum nutzen werden und in die bereits bestehenden und günstigen Tarifangebote des Verbundes wechseln.»

Auch beim Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) wurde nach eigenen Angaben eine starke Nachfrage nach dem Ticket verzeichnet. «Das 9-Euro-Ticket war insofern ein Erfolg, weil es die Diskussion um die Rolle der Finanzierung des ÖPNV belebt hat.»

© dpa
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