Winzer hoffen auf Topjahrgang: Einbußen in Württemberg

Während Winzer in Baden auf ein Ausnahmejahr setzen, macht die Trockenheit württembergischen Betrieben besonders zu schaffen. Bis zur Haupternte im September sind aber noch Überraschungen möglich.
Reife Trauben hängen an einem Rebstock. © Philipp von Ditfurth/dpa/Archivbild

Nach Einbußen im vergangenen Jahr zeigen sich badische Winzer zum Start der neuen Weinlese zuversichtlich. Er erwarte einen Jahrgang wie 2018, der überdurchschnittlich ausgefallen war, sagte der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes in Freiburg, Holger Klein.

Ähnlich äußerte sich ein Winzer aus der Ortenau: «Wir nähern uns von der Qualität und der Menge her dem Topjahrgang 2018», sagte der Vize-Vorstandschef der Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg, Reiner End. Die Trockenheit habe die Reben zwar gestresst. Die Erträge dürften aber gut sein. «Wein hält viel aus», sagte er. Entscheidend sei die Beschaffenheit des Bodens. Sehr gut sehe es beispielsweise bei Rotweinen aus.

Die Genossenschaft begann am Montag bei Sommerwetter mit der Lese der frühreifen Rebsorte Findling. Aus diesen Trauben wird sogenannter neuer Wein gemacht. Auch andere Betriebe starteten bereits mit Findling-Ernte. Im vergangenen Jahr hatte den Winzerinnen und Winzern unter anderem der Pilzbefall teils erhebliche Einbußen beschert.

Im separaten Anbaugebiet Württemberg fällt der Ausblick auf die diesjährige Lese deutlich skeptischer aus: Im Schnitt rechnen die dortigen Betriebe mit 30 bis 40 Prozent Einbußen bei der Erntemenge, wie der Präsident des regionalen Weinbauverbandes in Weinsberg (Landkreis Heilbronn), Hermann Hohl, sagte. Bei einzelnen Betrieben könnte die Bilanz wegen der Trockenheit sogar um mehr als die Hälfte einbrechen. «Bei der Qualität ist aber noch einiges drin», sagte Hohl. Mit den frühreifen Rotweinsorten Dornfelder und Acolon wird in Württemberg erst Anfang September die Ernte beginnen.

Im Anbaugebiet Baden, das sich über 400 Kilometer von Tauberfranken bis zum Bodensee erstreckt, soll die Lese im großen Stil im September losgehen. «Bis dahin kann noch einiges passieren», sagte Verbandsgeschäftsführer Klein. Niederschlag sei dabei durchaus willkommen. «Ein, zwei schöne Landregen durchmischt mit weiter sonnigem Wetter wären gut.»

Falls sich zu viel Wasser in den Beeren einlagert, könnten diese jedoch platzen. Dann drohten sie zu faulen. Die Trauben seien zurzeit sehr gesund, die Mostgewichte in Ordnung, sagte Klein. Wichtige Traubensorten im Anbaugebiet sind der Spätburgunder (Pinot Noir), Grauburgunder und Müller-Thurgau.

Inflation und steigende Energiekosten machen auch vor der Weinbranche keinen Halt: Liebhaber und Liebhaberinnen müssen sich auf steigende Preise einstellen. Die Produktionskosten seien teils um bis zu 60, 70 Prozent gestiegen, sagte der württembergische Verbandspräsident Hohl. «So viel können wir natürlich nicht aufschlagen, aber es wird teurer.» Kostensteigerungen betreffen seinen Angaben zufolge zum Beispiel die Flaschen, aber auch technische Einzelteile. Hinzu komme der steigende Mindestlohn.

Im vergangenen, vergleichsweise feuchten Jahr hatten vor allem Pilzbefall, Spätfröste im Frühjahr und die Kirschessigfliege die Erträge auf landesweit 1,77 Millionen Hektoliter Weinmost schrumpfen lassen, wie aus Daten des Statistischen Landesamts hervorgeht. Das seien vier Prozent weniger als 2020 gewesen und fast ein Fünftel weniger als im Mittel der Jahre 2015 bis 2020.

Während dabei der Rückgang in Baden den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahr 17 Prozent auf 903.000 Hektoliter betrug, stieg die Mostmenge in Württemberg um 16 Prozent auf 869.000 Hektoliter an. Insgesamt bauten Weingärtner im vergangenen Jahr auf 26.600 Hektar Rebfläche im Südwesten Trollinger, Riesling und Co. an. Most ist der zur Gärung bestimmte Saft aus gekelterten, also ausgepressten Trauben

Bezogen auf die Rebfläche liegen die Anbaugebiete Baden und Württemberg in Deutschland auf Platz drei beziehungsweise vier. Größer sind nur die Gebiete Rheinhessen und Pfalz.

© dpa
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