Römische Münzen waren Massenmedium - wie heute Social Media

Auch die Römer nutzten Social Media - in Form von Münzen. Alles Wichtige des Staates wurde dort in Bild und Text verewigt. Gab es Änderungen, wurden die Münzen wieder eingesammelt und Teile davon weg gephotoshopt - äh, weg geschabt.
Auf einer römischen Bronzemünze ist eine Büste des römischen Kaisers Caracalla (l) geprägt. © Universität Tübingen/dpa

Römische Münzen waren in der Antike ein Zahlungsmittel - aber auch ein Massenmedium. «Vergleichen kann man das mit dem, was wir heute mit Social Media erleben, natürlich damals wesentlich bildärmer», sagte Stefan Krmnicek von der Universität Tübingen. Krmnicek leitet dort ein Projekt im Sonderforschungsbereich Andere Ästhetik. Nach drei Jahren Forschung an den Münzen werden ab Samstag (1. Oktober) in der digitalen Ausstellung «Im Auge des Betrachters. Die Ästhetik römischer Münzen» Ergebnisse vorgestellt. Laut Krmnicek gibt es fünf Perspektiven auf die ausgestellten 59 Münzen, die in der antiken Lebenswelt von Bedeutung waren: Hübsch und hässlich, Porträts, Naturdarstellungen, Dynastien, Rollenbilder.

Münzen waren das offizielle Zahlungsmittel des Römischen Reiches und damit eines der wichtigsten Massenprodukte der Vormoderne. «Mit den auf den Münzen abgebildeten Bildern und Texten hat der antike Staat Nachrichten in die Gesellschaft kommuniziert. Sie dürfen zu Recht als das erste Massenmedium der Antike bezeichnet werden», sagte Krmnicek. In ihrer monetären Funktion erreichten sie die entlegensten Ecken des Imperiums und konnten damit Nachrichten der kaiserlichen Verwaltung an die Menschen kommunizieren, die man auf anderem Wege niemals erreicht hätte.

Eine Nachricht auf einer Bronzemünze aus der Zeit des römischen Kaisers Caracalla (211-2017 n. Chr.) war: Ich bin der alleinige Herrscher. Caracalla und sein Bruder Geta traten die Herrschaft im Jahr 211 n. Chr. zunächst gemeinsam an. Der gnadenlose Konkurrenzkampf der beiden Brüder führte dazu, dass Caracalla seinen Bruder Geta ein Jahr später ermorden ließ. Auf der Vorderseite der Bronzemünze, die im Südwesten der heutigen Türkei geprägt wurde, waren zunächst Porträts beider Brüder abgebildet. «Nach dem Mord an Geta haben die lokalen Behörden auf staatlichen Geheiß das Bild von Geta weg geschabt», erzählt Krmnicek. Nach dem Brudermord musste das Andenken Getas gründlich vernichtet werden.

© dpa
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