Verbände für mehr Geothermie-Förderung

Sorgt die Ukraine-Krise für einen Schub bei der Geothermie? Vier Verbände fordern, das ganze Potenzial endlich zu nutzen. Risiken könne man durch behutsames Herangehen auf ein Minimum begrenzen.
Ein Arbeiter steht auf dem Bohrturm eines Geothermie-Bohrplatzes. © Uwe Anspach/dpa

Vor dem Hintergrund der Energiekrise durch den Ukraine-Krieg fordern vier Verbände, das Potenzial der Geothermie endlich richtig auszuschöpfen. Deutschland könnte bei der Wärmewende entschiedener und effizienter vorangehen. «Das Gute läge so nahe», sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die Geothermie sei ein «absolut unterschätzter Schatz». Um den Ausbau von geothermisch gespeisten Wärmenetzen zu beschleunigen, seien unter anderem mehr Mittel und bessere Bedingungen zur Förderung und Nutzung der Geothermie nötig. Auch müssten Genehmigungsverfahren verkürzt und die erneuerbare Wärmeerzeugung in allen Gesetzen klar priorisiert werden.

Bundesweit sind demnach derzeit 42 Tiefe Geothermieanlagen in Betrieb und mehr als 440.000 oberflächennahe Erdwärme-Systeme. Mit 1,3 Terawattstunden klimaneutraler Wärme pro Jahr trage die Technologie schon jetzt zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen bei.

Der Süden der Republik, und hier besonders der Oberrheingraben, gilt als klassische Geothermieregion. Geplant sind Geothermieanlagen aber auch im Norden, etwa in Hamburg. In Graben-Neudorf (Kreis Karlsruhe) ist das derzeit am weitesten fortgeschrittene Projekt der Deutschen Erdwärme. In einer Tiefe von etwa 3500 Metern ist dort ein Thermalwasserreservoir entdeckt worden.

Mit einem gemeinsamen Positionspapier wollen der Bundesverband Geothermie (BVG), der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK (AGFW) der Geothermie Schub verschaffen. Für das ambitionierte Ziel der Bundesregierung, den Anteil der klimaneutral erzeugten Wärme bis 2030 auf 50 Prozent anzuheben, müssten in den kommenden Jahren massiv erneuerbare und klimaneutrale Wärmequellen erschlossen werden.

Nach Angaben von BVG-Präsident Helge-Uve Braun könnten seismische Ereignisse zwar nie ausgeschlossen werden. Wenn Bohrungen aber richtig vorbereitet würden und man behutsam vorgehe, könnten Risiken auf ein Minimum begrenzt werden. So habe es weder bei Geothermie-Projekten in München noch in Hamburg Probleme gegeben.

Für Schlagzeilen sorgten etwa Geothermiebohrungen im südbadischen Staufen bei Freiburg. Dort wurden durch Bodenhebungen im historischen Ortskern etwa 270 Gebäude beschädigt, zwei Häuser mussten bereits abgerissen werden. Es entstanden zweistellige Millionenschäden. Als Ursache gilt eine missglückte Erdwärmebohrung im Sommer 2007. Auch im benachbarten Elsass bebte wegen Geothermieanlagen immer wieder die Erde.

Um bundesweit den Ausbau von geothermisch gespeisten Wärmenetzen zu beschleunigen, regen die Verbände auch Hilfen zur Akzeptanz vor Ort an. So könnte eine neutrale Schiedsstelle mit dem Bund als Vermittler bei Schadensfällen Vertrauen schaffen. Auch könnten Bürgschaften des Bundes bei Schäden helfen, die über abgedeckte Versicherungssummen hinausgehen. «Die Tiefen-Geothermie kann - wo immer sie verfügbar ist - einen wichtigen Beitrag zur Transformation der kommunalen Wärmenetze leisten», sind die Verbände überzeugt.

Baden-Württembergs Umweltstaatssekretär Andre Baumann (Grüne) sagte dazu: "Wir brauchen in Baden-Württemberg einen massiven Ausbau der oberflächennahen und der tiefen Geothermie. Ich bin mir sicher, dass die Geothermie aufgrund technischer Fortschritte eine tragende Säule der Wärme im Land darstellen wird.» Geothermie sei preiswert, sicher und klimafreundlich.

Auch der klimaschutzpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Daniel Karrais, unterstützt die Verbände: «Gerade hier in Baden-Württemberg ist die Geothermie ein riesiger Schatz.» Anders als bei der Windkraft habe man bei der Geothermie besonders im Oberrheingraben geografisch einen enormen Standortvorteil. Angesichts vieler Vorbehalte in der Bevölkerung brauche es aber mehr Aufklärung.

© dpa
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